The Silent Comedy – Alles andere als stumm

Dienstag im Bremer Club Meisenfrei. Es ist wieder einmal Blues-Time. Heute gibt es eine Premiere: Die amerikanische Rockband The Silent Comedy macht auf ihrer ersten Europatour überhaupt in der Hansestadt Halt. Es ist erst das zweite Konzert in Deutschland überhaupt. Aber in ihrer Heimat sind die vier Musiker längst keine Unbekannten mehr und haben reichlich Bühnenerfahrung, die man ihnen den ganzen Abend über auch mit jeder einzelnen gespielten Note anmerkt.


The_Silent_Comedy_4.jpg „Während die ersten Gäste in den kleinen rustikalen Rock- und Bluesclub kommen, schallen kernige Klassiker von AC/DC oder Led Zeppelin aus den Boxen. Leider ist erfahrungsgemäß kein allzu großer Andrang, und die etwa dreißig Gäste machen es sich dann auch lieber an den Tischen bei einem Bier gemütlich, als direkt vor die Bühne zu kommen. Das ist immer schade für eher unbekannte Bands wie The Silent Comedy. Aber die beiden Brüder Joshua und Jeremiah Zimmermann sowie ihre Kollegen Justin Buchanan und Chad Lee lassen sich davon nicht aufhalten und gehen gleich in die Vollen. „Tuesday is like monday’s little brother!“ erkennt die Band im Laufe des Abends und lobt die Bremer für ihr Erscheinen. Es mögen zwar nicht viele sein, die den Weg in die „Meise“ gefunden haben, aber niemand wird es nach dem Konzert bereut haben, heute hergekommen zu sein.

The_Silent_Comedy_3.jpg „Die vier Amerikaner haben in ihrer Heimat schon mehrere Alben veröffentlicht, wobei davon lediglich noch die Neuauflage des Lonplayers „Common Faults“ sowie die aktuelle EP „Friends Divide“ aktuell erhältlich sind. Ein weiteres Album ist in Planung und soll noch dieses Jahr erscheinen. Die neue EP ist der einzige Output der Band, der bisher offiziell in Europa erhältlich ist, und so dürften die wenigsten Besucher des Konzerts mit der stummen Komödie und ihrem Schaffen vertraut sein. Aber das dürfte sich schnell ändern, denn die Musiker schaffen es schon nach wenigen Songs, die kleine aber erlesene Besuchermenge für sich zu gewinnen. Zwar wird immer noch nicht getanzt, aber wenn die naturgemäß eher kühlen und zurückhaltenden Hanseaten lautstark applaudieren, johlen und sich noch ein Bier von der Theke holen, ist das immer ein gutes Zeichen.

The_Silent_Comedy_7.jpg „Im Gegensatz zur leicht zurückhaltenden und eher folkrockigen EP „Friends Divide“ ist der Live-Sound wesentlich druckvoller und rockiger. Die Gitarren haben noch mehr Präsenz, die Riffs klingen härter und haben eine gesunde Rotzigkeit. Das gefällt. Man spürt die gute Chemie der Musiker untereinander und die langjährige Bühnenerfahrung. Hier sind keine Newcomer am Werk. Schnell wirft Bassist und Sänger Joshua Zimmermann seinen Hut in die Ecke und lässt die langen Haare wirbeln. Sein Bruder Jeremiah spielt abwechselnd Gitarre oder das Keyboard, dem er klare Pianoklänge, aber bei Bedarf auch bluesig-orgelnde Retrosounds entlockt.

The_Silent_Comedy_6.jpg „Auf der anderen Bühnenseite wechselt Justin Buchanan fast nach jedem Song von der Gitarre zur E-Mandoline oder zum Banjo und wieder zurück. Die kernige bodenständige Rockmusik des Quartetts streift damit gleichermaßen Blues, Country, Folk, Americana und Hardrock. Die Brüder Zimmermann wechseln sich beim Gesang ab, und ganz besonders überzeugt auch Jeremiah, wenn er zu seinen eher rauen Vocals blueslastige Hammond-Sounds auf dem Keyboard orgelt.

Mit ‚Dead Flowers‘ der Rolling Stones und der alten Neil Young Nummer ‚Tonight’s the Night‘ haben The Silent Comedy zwei Coversongs im Gepäck, wobei gerade ihre Stones-Interpretation durch einen lässig-groovenden Countrysound überzeugen kann und zum Mitsingen animiert. Gut 90 Minuten dauert der Auftritt, und dem Andrang am Merch-Stand nach zu urteilen haben eine Menge Leute Lust bekommen, die EP oder das Album „Common Faults“ zu erwerben, um The Silent Comedy mit nach Hause zu nehmen.

The_Silent_Comedy_2.jpg „Zum Schluss des Konzerts gibt es also Intro zum ‚Road Song‘ mit einem eingestreuten ‚Jackson‘ noch ein kleines Tribut an June Carter und Johnny Cash, das wie schon viele der anderen Songs des Abends ein wohlig-zufriedenes Grinsen in die Gesichter der Bluesfans zaubert. The Silent Comedy waren zum ersten Mal in Bremen zu Gast – ganz sicher werden sie wiederkommen. Bluesrocker sollten sich diese Band auf alle Fälle vormerken.

The Silent Comedy Setlist Bremen, Meisenfrei, 23.02.2016

Impossible Name
Poison
God Neon
Light Of Day
Bartholomew
Break It Slow
The Prince
Dead Flowers (The Rolling Stones Cover)
Simple Thing
Victory
Beware
Bones
Gasoline
Ghosts
Blood On The Rails
Enemies
Tonight’s the Night (Neil Young Cover)
Moonshine
Exploitation
Road Song

Mehr Fotos des Abends findet ihr in unserem Facebook-Album

Alle Fotos von Michael Buch

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