Anubis

The Second Hand

Die australischen Proggies von Anubis haben sich mit ihrem vierten Album erneut an ein ambitioniertes Konzeptalbum gewagt. Die Story: ein misogyner Medienmogul wird durch einen Unfall (oder doch ein Verbrechen?) mit allen Sinnen von der Wahrnehmung seiner Umwelt getrennt und findet sich nun alleine in seinem Kopf wieder, wo er gezwungen ist, Selbstreflektion zu betreiben. Die Story spielt zwar in London, und der Hauptcharakter war nie Präsident der USA, aber ein klarer Bezug zu aktuellen Geschehnissen ist dennoch klar wahrzunehmen.

Musikalisch schaffen Anubis das Kunststück, einerseits ganz klar im Prog-Genre zu agieren, aber trotz Verwendung von Mellotron, krummen Takten und gelegentlicher Verbreitung einer gewissen Pink Floyd-Atmosphäre zu keiner Zeit nach den 1970ern zu klingen. „The Second Hand“ ist ein sehr modern klingendes Album, das Fans von Muse, Placebo oder, dank der großzügigen Post-Rock-Einflüsse, God Is An Astronaut womöglich sogar eher nahegehen dürfte als Verehrern traditioneller Progsounds. In ‚These Changing Seasons I‘ klingen sogar mal Modern Folk-Sounds a la Mumford & Sons durch. Alle Songs bestechen durch nachvollziehbare Melodielinien, die von der pathosbeladenen Stimme von Robert James Moulding transportiert werden, die Instrumentalisten spielen alle songdienlich und trotzdem bei Bedarf durchaus expressiv. Lob verdienen auch die Texte, die tatsächlich mit der Musik eine Synergie bilden – etwas, an dem so manches Konzeptalbum schon gescheitert ist.

Anubis haben mit „The Second Hand“ ein wirklich rundes Album abgeliefert, das auch noch von einem schönen Artwork abgerundet wird. Klar, ein absolutes Meisterwerk ist ihnen dabei noch nicht gelungen, dafür fehlt dann doch der große Aha-Effekt und die überraschenden Schlenker, die aus einem guten Album ein Großartiges machen. Wer aber auch abseits des Prog-Mainstreams nach guter, unverbrauchter Musik sucht, sollte „The Second Hand“ auf jeden Fall anchecken. Erhältlich im Webshop von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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