Eric Gillette

The Great Unknown

Progressive-Rock Fans denken beim Namen Gillette vermutlich nicht (nur) an eine bekannte Marke von Rasierklingen, sondern (hoffentlich) auch an Eric Gillette, der vor drei Jahren sein eher unbekanntes Debütalbum „Afterthought“ vorlegte und als Mitglied der Neal Morse Band bekannt wurde. Jetzt legt er mit „The Great Unknown“ nach, und das Album dürfte alle Fans von Neal Morse ansprechen – aber nicht nur die. Eric Gillette holte sich prominente Unterstützung durch den renommierten Schlagzeuger Thomas Lang aus Österreich, der schon für Falco, Asia, Robbie Williams und viele andere getrommelt hat. Damit aber nicht genug: Conner Green (Bass) und Diego Tejeida (Keyboards) der englischen Progger Haken sind mit im Boot und verpassen den Songs das typische Haken-Feeling.

Wie also klingt „The Great Unknown“? Haken meets Morse, (Retro)Progrock trifft auf melodischen Metal, wobei das Album generell etwas metallischer ausgefallen ist als Gillettes Arbeit für die Neal Morse Band. Hin und wieder hat sich sogar ein wenig Muse eingeschlichen, wie zum Beispiel bei ‚Damage Is Done‘. Naturgemäß legt der begnadete Musiker viel Wert auf seine Gitarrenparts, liefert knackige Riffs und wunderbare Soli, ohne allzu sehr zu frickeln, und auch gesanglich kann er mit viel Power und Gefühl in der Stimme überzeugen. Wer aber glaubt, es handele sich um ein reines Gitarren-Album, der wird schnell eines Besseren belehrt, denn Gillette räumt beim Songwriting und bei der Performance seinen Bandkollegen viel Raum ein. Und das ist gut so. In vielen Songs tragen die Haken-typischen Keyboards viel zur Atmosphäre bei mit ihren orchestralen und teils spacigen Klängen. Auch Thomas Lang an den Drums bekommt in den längeren Songs Gelegenheit zu kleinen Solo-Einlagen und sorgt generell für einen kräftigen druckvollen Beat auf der sauber produzierten Scheibe.

Nicht am Ende, sondern mitten drin im Album dominiert an dritter Stelle der Playlist der 18-Minuten-Brocken ‚Escape‘, eine epische Progrock-Nummer, die immer wieder in metallischen Gefilden wandert und einmal mehr an Haken, aber auch an die frühen Dream Theater erinnert. Das Zusammenspiel von Gitarre, Bass und Keyboards sorgt nicht nur auf diesem Titel für ein wohliges breites Grinsen beim Zuhörer, das auch nach Ende der Platte eine gute Weile anhält. Eric Gillette zeigt auf „The Great Unknown“ die enorme Bandbreite seines Talents, hat fantastische Musikerkollegen im Boot und liefert mal eben so nebenbei ein Prog-Highlight ab, das allen Fans von Neal Morse, Transatlantic und vor allen Dingen auch Haken gefallen dürfte. Auf in das Große Unbekannte, eine musikalische Reise von großer Spannung und mit viel Höhrenswürdigkeiten auf dem Weg erwartet uns.

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