Sikth

The Future In Whose Eyes?

  • Artist: Sikth
  • Album: The Future In Whose Eyes?
  • Label: Millenium/Edel
  • Release: 2017-06-02
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Nach einer kleinen „Vorschau“ im vergangenen Jahr mit ihrer EP „Opacities“ legen die britischen Mathcore-Urväter Sikth ihren ersten Longplayer seit 2006 vor. Sikth haben eine ganze Generation von neueren Progressive-Metal-Bands wie Protest the Hero, Animals as Leaders oder Tesseract geprägt – nun sind die sechs Herren aus Watford bei London selbst wieder da. Da gilt es natürlich sehr hohe Erwartungen zu erfüllen, denen sich die Band überaus bewusst ist.

‚Vivid‘ ist der Auftakt und zeigt die Band mit durchaus neuem Anstrich: Nu-Metal hat offensichtlich für einen Teil des Gesangs Pate gestanden. Die Strophen zeigen mehrere Linien verfremdeten Sprechgesangs, im Chorus gehts harmonisch zu. Damit würden die Herren an Metalcorebands oder Gruppen à la Linkin Park erinnern, wäre da nicht die wundervoll frickeligen und dennoch launigen Gitarren. Bei ‚Century of the Narcissist?‘ geht das in ähnlicher Manier weiter, auch wenn die nicht klar gesungenen Passagen deutlich Richtung Screamo ausschlagen. Aber natürlich werden auch hier stimmungsvolle Gitarrenpassagen eingeflochten. ‚The Aura‘ schiebt den Rap-Flirt zumindest beim Gesang etwas zur Seite. Stattdessen drängt sich eine andere Assoziation auf. Das hier klingt, als würden Rage Against The Machine mit Metalcore flirten. Will sagen: Grovy und gleichzeitig bestörend. ‚Weavers of Woe‘ ist der erste echte Kracher auf „The Future…“. Melodisch und gleichzeitig vertrackt, ordentlich angepisst und trotzdem mit coolen Elementen zum Atem holen. Weitere Knaller folgen, die sich zwischen Dual-Gesang, knallenden Drumbeats und abgefahrenen Gitarren zu einem guten Album emporschrauben.

Die Anleihen aus dem New-Metal mit Sprechgesang sind ungewohnt für Sikth, und auf gewisse Weise betriett die Band hier durchaus neues Terrain. Das ist interessant und lobenswert einerseits, dürfte aber auch etliche Fans vor den Kopf stossen. Nicht zuletzt, weil es nicht immer überzeugt – vor allem beim Albumeinstieg. Das soll aber nicht unversöhnlich klingen, schließlich versöhnt der Gesamteindruck des Albums absolut. Insbesondere, wenn man der neuen Scheibe etwas Zeit gibt, sich hineinzufühlen und -hören. Dann kommen die ganzen Teile zur Geltung, die in ihrer Summe eine grossartige Band ausmachen: Zwei Sänger, die sich gegenseitig an akustisch trasportierten Emotionen überbieten, jede Menge kantige Riffs, die einfach genial sind.

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