L.A. Guns

The Devil You Know

  • Artist: L.A. Guns
  • Album: The Devil You Know
  • Label:
  • Release: 2019-03-29
  • Medium:
  • Bewertung:3

Das L.A. Guns-Comeback scheint wohl doch keine einmalige Sache gewesen zu sein – schon anderthalb Jahre nach „The Missing Peace“ erscheint mit „The Devil You Know“ bereits das neue Studioalbum der Band, und sowohl Tracii Guns als auch Phil Lewis sind immer noch an Bord. Mordversuche hat’s offenbar auch keine gegeben. Selbst die restliche Truppe – Mike Grant (gtr), Johnny Martin (bs) und Shane Fitzgibbon (dr) hat überlebt – vordergründig sieht also alles höchst positiv für die Zukunft der Band aus.

Aber, unter uns gesagt: es waren ja nicht nur die Streitereien und Besetzungswechsel, die verhindert haben, dass die Band in der Hochzeit des Sunset-Strip-Hardrock zu Bands wie Mötley Crüe, Poison oder W.A.S.P. aufsteigen konnte. So hart es klingt, L.A. Guns haben es leider nie geschafft, ein „richtiges“ durchgehendes Killeralbum aufzunehmen oder auch sich einen hundertprozentig eigenen Sound zu erarbeiten. Trotzdem konnte die Band natürlich mit ihrem archetypischen Sleaze-Sound und einigen wirklich coolen Songs immer mal wieder Sympathiepunkte sammeln. Obwohl die Ursprünge der Band schon in die Frühachtziger gehen, verzettelten sich L.A. Guns aber immer wieder damit, sich musikalisch zu sehr an erfolgreiche Kollegen anzuhängen – ob zu Beginn Mötley Crüe, Faster Pussycat und Aerosmith, auf „Hollywood Vampires“ die „Use Your Illusion“-Phase von Guns N’Roses oder später – mit desaströsen Ergebnissen – White Zombie. Unter diesem Manko leidet nun auch „Better The Devil You Know“. Denn zu so ziemlich jedem Song kann man Querverweise zu anderen Bands ziehen, darunter auch erneut vielen Kollegen, die eigentlich erst nach den L.A. Guns aktiv wurden. Der Opener ‚Rage‘ knallt schön neunzigerpunkig durch die Walachei, das Riff des Songs stammt aber mitnichten von Meister Guns, sondern von Pearl Jams ‚Spin The Black Circle‘. ‚Needle To The Bone‘ recycelt das Riff des Quireboys-Klassikers ‚Sex Party‘, im Titelsong werden diverse Black Sabbath-/Ozzy-/Zakk Wylde-Versatzstücke zusammengebastelt. Auch beim Grunge wird sich bedient: ‚Going High‘ ist pure „Facelift“-Ära-Alice In Chains, und ‚Down That Hole‘ könnte ein mittlerer Stone Temple Pilots-Song ca. „Tiny Music“-Ära sein. ‚Gone Honey‘ is The Cult in Reinkultur, und wer bei der Halbballade ‚Another Season In Hell‘ nicht an UFO denkt (inklusive Schenker-Tribut-Introsolo) hat in Sachen Rock’n’Roll-History viel nachzuholen.

Auch 2019 fehlt der Band also nach wie vor ein Stück weit die eigene Identität. Dass „The Devil You Know“ dennoch anhörbar ausgefallen ist, liegt hauptsächlich am oft unterschätzten Phil Lewis, der auch die durchschnittlichsten Kompositionen mit seinem unverkennbaren Organ aufwertet und der Sache auch letztendlich doch so etwas wie Wiedererkennungswert gibt. Und wie immer (die peinliche „American Hardcore“-Phase mal ausgeklammert) hat die Band auch auf „The Devil You Know“ ein paar ziemlich coole Hooklines am Start. Der Refrain von ‚Loaded Bomb‘ geht beispielweise sofort ins Ohr, und auch das erwähnte ‚Rage‘ und ‚Stay Away‘ können mit ihren eingängigen Melodien über manche Schwäche wegtrösten. Die an Faster Pussycat angelehnte ‚Needle To The Bone‘ und ‚Don’t Need To Win‘ können mit ihrem urtypischen L.A.-1988-Sound ebenfalls punkten. Auch die Produktion ist angenehm rau ausgefallen, lediglich Traciis Immer-noch-Tendenz zum dünnen White Zombie-Gitarrensound nervt ein wenig, ist aber Geschmackssache. Nach wie vor existierende Sleazer sollten sich durchaus eine Hörprobe gönnen, und wer die Band schon immer mochte, wird auch hier Einiges finden, was gefällt. Alles beim Alten bei den L.A. Guns – im Guten wie im Schlechten.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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