Depeche Mode

The Best Of Depeche Mode Vol.1 (Deluxe Vinyl-Edition)

  • Artist: Depeche Mode
  • Album: The Best Of Depeche Mode Vol.1 (Deluxe Vinyl-Edition)
  • Label: Mute / Sony
  • Release: 2017-09-29
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Das 2006 veröffentlichte „The Best Of Depeche Mode Vol. 1″ macht, pünktlich zur Vorbereitung auf die in vier Wochen beginnende Europatour seine Premiere als feine Vinyl-Edition – beste Gelegenheit also, für Nachkommer eine Depeche Mode-Vinylsammlung zu starten. Auch optisch sieht das Dreifach-Set mit der matten, leicht rauen Hülle und dem damals aktuellen Bandlogo als Reliefprägung ziemlich schick aus. Zu den bedruckten, aus schwerem Karton gefertigten (leider nicht gefütterten) Innersleeves gibt’s noch ein achtseitiges Booklet mit Fotos und einem zweiseitigen Essay, das einen knappen, aber informativen Überblick über die Bandhistory bis dahin vermittelt.

Aber zum Musikalischen. Eigentlich hätte das Album, das exakt in der Originalabfolge und ohne Bonusmaterial ins analoge Format umgesetzt wurde, mit seinen 76 Minuten Spielzeit ja die perfekte Länge für eine Doppel-LP. Die Entscheidung, die Songs auf drei Vinylscheiben aufzusplitten, führt nun eben dazu, daß man jede der drei Scheiben im Schnitt nach 12 Minuten bereits umdrehen muss. Seien wir aber fair: einfaches Handling und Nutzerbequemlichkeit steht für gewöhnlich ehedem nicht sonderlich hoch auf der Prioritätenliste von Plattensammlern, und für Vinyl-Verhältnisse wurde hier bisweilen wirklich verflucht laut und basslastig gemastert. Da stellt sich die Frage, warum man nicht konsequenterwese auf 45 rpm ausgewichen ist – ist aber im Endeffekt auch schnuppe. Die 18 Songs kommen nämlich auch so mit ordentlich Druck aus den Boxen, und alle drei Scheiben sind vorbildlich gepresst. Da läuft alles schön rund, es gibt kein Leiern, Knistern, keine Zerrung. Allerdings fällt im Analog-Format auch auf, wie viel besser die älteren Songs produziert sind. Wo bei ‚People Are People‘ oder ‚Master And Servant‘ jeder Ton ganz gestochen scharf im Raum steht und die ganze Breite an Frequenzen ausnutzt, klingen die (damals) aktuelleren Songs wie ‚Suffer Well‘ oder ‚Dream On‘ deutlich flacher, mit bisweilen überbetontem Bass und wenig Druck aus den Mitten. So produzierte man aber eben damals (und heute eher noc extremer), somit ist das eben im Material verankert.

Was den Inhalt betrifft, so kann man natürlich trefflich darüber streiten, ob hier wirklich „Das Beste“ der Band versammelt wurde. Immerhin wird von den frühen Vince Clarke-Songs ‚New Life‘ und ‚Just Can’t Get Enough‘ bis zum nur hier erhältlichen ‚Martyr‘ ein zeitlicher Bogen gespannt, der die – bis dato – komplette Karriere der Band umfasst. Allerdings sind 18 Songs natürlich keineswegs genug, die ersten 25 Jahre Depeche Mode auch nur annähernd zu erfassen. So gibt’s ausschließlich Obligatorisches wie ‚Strangelove‘, ‚Enjoy The Silence‘, ‚People Are People‘, ‚Walking In My Shoes‘, ‚Personal Jesus‘, ‚Dream On‘, ‚I Feel You‘ – alles unumstößliche Klassiker, die jeder kennt, der je ein Radio besessen hat. Aus Platzgründen fehlt aber natürlich auch eine ganze Menge. So gibt’s unverzeihlicherweise nicht einen einzigen (!) Song vom Meisterwerk „Black Celebration“ – weder die Hits ‚Stripped‘, A Question Of Time‘, ‚A Question Of Lust‘ noch Fan-Favoriten wie den Titelsong oder ‚Fly On A Windscreen‘. Auch auf ‚Policy Of Truth‘, ‚Only When I Lose Myself‘, ‚Blasphemous Rumours‘, ‚Barrel Of A Gun‘ oder ‚Get The Balance Right‘ muss leider verzichtet werden. Aber so ist das nun mal mit Best-Of-Zusammenstellungen, und „The Best Of Depeche Mode Vol. 1″ ist ja auch nicht für den Die Hard-Fan gedacht, sondern eben für die, die mit einem Tonträger möglichst viele Hits mit nach Hause nehmen wollen. Diese Mission wird auch definitiv erfüllt.

Wer also einen höchst kompakten Einstieg ins Depeche Mode-Universum sucht, ist mit „The Best Of Depeche Mode Vol. 1″ also auf jeden Fall gut bedient. Und das verschmähte „Black Celebration“ gehört als eines der genreübergreifend besten Alben der Achtziger sowieso auf den nächsten Einkaufszettel…

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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