RPWL

Tales From Outer Space

  • Artist: RPWL
  • Album: Tales From Outer Space
  • Label:
  • Release: 2019-03-22
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Ein wenig habe ich mir um die Zukunft von RPWL schon meine Sorgen gemacht. Seit dem 2014er Album „Wanted“ waren zwar ganze drei Livealben erschienen, gleich zwei davon mit Pink Floyd-Coversongs, aber irgendwie ersetzte das doch kein neues Material – ebenso wenig wie Kalle Wallners Aktivitäten mit Blind Ego. Aber, nun ist die fraglos derzeit beste deutsche Prog-Band wieder am Start und hat, wie schon während der ersten Takte des Openers ‚A New World‘ klar wird, mit „Tales From Outer Space“ genau den Stoff am Start, den man als RPWL-Fan hören will.

Sprich, melancholische, getragene Songs zwischen Artrock, Alternative Rock und ganz großen Pink Floyd-Anleihen. Letztere auf „Tales From Outer Space“ sogar wieder vordergründiger als auf den letzten paar Studioalben – die in den letzten Jahren regelmäßig erfolgte Rückbesinnung auf ihre Wurzeln als Floyd-Coverband hat da mit Sicherheit ihre Spuren hinterlassen. Dank Yogi Langs stimmlicher Nähe zu David Gilmour ist dieser Vergleich aber irgendwie sowieso nicht zu vermeiden. Wenn aber in der Mitte von ‚Welcome To The Freak Show‘ in bester ‚Time‘-Manier verhallte Toms über spacige Klangwelten ertönen, weiß man: RPWL wissen, was sie machen und winken den Altmeistern gerne mal mit einem Augenzwinkern zu. Denn natürlich haben RPWL ihren eigenen Stil längst gefunden, und der hat insgesamt nur wenig Siebziger-mäßiges. Als Anhaltspunkt für die, die die Band immer noch nicht kennen (gibt’s sowas?), würde ich sowieso eher Porcupine Tree in der „The Sky Moves Sideways“- bis „Lightbulb Sun“-Phase nennen – die ja damals auch deutlich von ihr-wisst-schon-wem beeinflusst waren. Die auf den letzten Alben gelegentlich auftauchten härteren Gitarrenriffs wurden diesmal wieder zugunsten der aufwändigen, aber nie überladenen Keyboardwänden aus dem Hause Lang zurückgefahren, von elektronisch-blubbernden Synths über tänzelnde Moogfred-Linien bis zum wabernden Mellotron-Teppich. Kalle Wallner punktet dafür wieder mit einigen wunderbar elegischen Gitarrensoli, und irgendwie passt das auch besser zu RPWL und auch zur textlichen Sci-Fi-Thematik des Albums. .

Dass auch die Produktion einmal mehr fantastisch ausgefallen ist, muss man wohl auch nicht mehr extra erwähnen – ich tu’s aber trotzdem. Das „übliche“ Team um Lang hat erneut seinen Trademark-Sound – druckvoll, klar und nie übertrieben glattgebügelt – zusammengezimmert, der nicht umsonst auch bei der „Konkurrenz“ (z.B. Crystal Palace) sehr beliebt ist. Dazu kommt ein ziemlich cooles Artwork, das wieder erfreulich genre-untypisch daherkommt und den aufgrund der eher melancholischen Musik oft übersehenen Humor der Band wiederspiegelt. Alles in Allem ein sehr feines Comeback, das möglicherweise nicht ganz so herausragend ausgefallen ist wie „World Through My Eyes“, das insgesamt wohl abwechslungsreichste und am wenigsten von ja-genau-denen beeinflusste Album der Band, mir aber aufgrund der lockeren Atmosphäre sogar besser gefällt als die beiden vorangegangenen Konzeptalben.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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