STEFAN KLEINKRIEG – Die Sonne scheint für alle

Extrabreit Gründer und Gitarrist Stefan „St.“ Kleinkrieg war in den letzten Jahren sehr produktiv. Nachdem er eine Platte seiner Stammband und eine weitere unter eigenem Namen veröffentlicht hat, legt er nun mit „Die Sonne scheint für alle“ seinen nunmehr dritten Longplayer in zwei Jahren vor. Was ihn -abgesehen von der Langeweile in der Corona-Pause- angetrieben hat, wie sein Songwriting mit und ohne seinen Partner Kai Havaii aussieht und warum er sich deutlich jüngere Mitmusiker fürs Studio gesucht hat, erzählte Stefan uns übrigens im Interview, das Ihr hier nachlesen könnt.

Mit „Billiges Benzin“ berichtet Kleinkrieg in bester Storyteller-Manier aus seinem Leben als Musiker und „Festivals mit Retro-Bands“ bei denen „die Gage nicht so schlecht ist“. Seine tiefe, sonore und rauchige Stimme ist dabei irgendwo zwischen Johnny Cash und Keith Richards einzuordnen. Auf „Nicht so schwer“ eröffnet eine Hammondorgel den kleinen Pop-Song, dessen Refrain direkt zum Mitsingen einlädt – inklusive „Nanana-Chören“. Eine waschechte Country-Nummer ist dagegen „Postiv denken“, die natürlich unweigerlich an Truck Stop erinnert, nur eben in gut. Mit einem bluesigen Abgesang inklusive Mundharmonika auf „Erika“ entschuldigt sich der Musiker dafür, dass er auf ihrer Beerdigung nicht dabei war.

Herr Klein -so sein bürgerliche Name- verneigt sich auf „Wilhelmsplatz“ vor einem der Lieblingsplätze in seiner Heimatstadt Hagen aus lang vergangenen Zeiten. Dabei blickt er nostalgisch zurück: „Am Wilhelmsplatz brennt noch Licht, streng dich nicht an, du siehst es nicht, ein Bild verblasst in Sepia, schließe ich die Augen, ist es da“. Man kann beim Hören förmlich den Rauch aus den Kneipen wabern und Jugendliche mit Bundeswehr-Parkas vor seinem geistigen Auge sehen. Ähnlichen Zeiten gedenkt die Hommage an einen Rummelplatz. „Autoscooter“ ist der einzig echte Rocker auf dem Album, der musikalisch auch bei den Breiten seinen Platz finden könnte.

Vor fast 40 Jahren schrieb Stefan die Musik zu „Kralle“, der dann auf Lindenbergs 83´er Album „Odyssee“ landete. In seiner eigenen Interpretation hat Kleinkrieg ihn nun neu aufgenommen, allerdings kann er sich einen Rückgriff auf das Original nicht verkneifen: Mit seiner markanten Säusel-Stimme gibt Udo L. ganz zum Schluss noch einen Gast-Spot. Mit „Nur so ein Gefühl“ endet die Platte ganz ruhig und entspannt.

Auf der CD-Fassung gibt es noch zwei Bonustitel, die musikalisch deutlich mehr rocken, als alles davor und sich dadurch von den vorherigen abheben.

„Die Sonne scheint für alle“ ist ein insgesamt eher ruhiges, mitunter nostalgisches und sehr entspanntes Alterswerk, in der die akustischen Gitarren den elektrischen deutlich überwiegen. Ob der Künstler damit an die Chartspitzen stürmen wird, wie weiland in den 1980-ern, darf zwar bezweifelt werden, vermutlich ist es ihm auch egal. Der Mann ist mit sich und seiner Musik im Reinen und erzählt in insgesamt 17 Liedern seine Geschichten. Wer mag, kann ihm bei einem guten Whiskey dabei zuhören – es lohnt sich auf jeden Fall.

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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