Stephen Pearcy

Smash

  • Artist: Stephen Pearcy
  • Album: Smash
  • Label: Frontiers Records
  • Release: 2017-01-27
  • Medium:
  • Bewertung:3

Nachdem Ratt in den letzten Jahren eigentlich nur noch durch Gerichtsverhandlungen in Aktion getreten sind, läßt nun Ex-Frontmann Stephen Pearcy mit seinem vierten Soloalbum „Smash“ endlich wieder Taten folgen.

Das Positive zuerst: „Smash“ klingt erstklassig produziert, fett und kraftvoll, und Pearcys Stimme tönt deutlich besser als bei seinen teilweise eher grenzwertigen Liveperformances. Kein Wunder, hat doch Achtziger-Starproduzent und Ratt-Spezi Beau Hill persönlich Mix und Mastering übernommen. Den ersten Schock muss man jedoch schon mit dem Opener ‚I Know I’m Crazy‘ wegstecken. Der ist nämlich eine lahme Pseudo-Alternative-Nummer, die an die Versuch diverser Ex-Glam-Rocker erinnert, sich Mitte der 1990er der Grunge-Ära anzubiedern – und klingt genauso unglaubwürdig und beliebig wie die meisten damaligen Experimente. Erfreulicherweise folgt darauf aber mit ‚Ten Miles Wide‘, dem besten Song der Scheibe, ein klassischer Achtziger-Rocker, der auch auf „Infestation“ gut gepasst hätte – und siehe da, das passt, das kann Stephen einfach, da ist er in seinem Metier. Der Rest der Scheibe schwankt dann etwas unentschlossen zwischen den beiden Elementen, düster-runtergestimmte Riffs und California-Sunshine-Attitude wechseln sich ab, dazwischen gibt’s ein paar dreist Led Zeppelin II-mäßige Akustiknummern (‚What Do Ya Think‘, ‚Summers End‘) – aber so wirklich zum Ganzen verschmilzt die Sache zu keiner Zeit. Das wäre an und für sich ja gar nicht so wild, wenn die Songs richtig klasse wären. Aber leider rauscht auch beim dritten Durchgang das Meiste am Hörer vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Es wäre Stephen Pearcy wirklich geraten, sich mit seinen alten Kollegen DeMartini, Croucier und Blotzer zusammenzusetzen und die Differenzen auszuräumen, denn leider ist „Smash“ genauso eine halbgare Sache wie seine vorangegangenen Solowerke. Harte Ratt – Maniacs, die auch mal Velvet Revolver und Alter Bridge auflegen, können hier mal eine Hörprobe riskieren, sollten allerdings freilich nicht das musikalische Niveau der Erwähnten erwarten.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.