SIRENIA im Substage – Drei Entdeckungen und eine Vollbedienung


Sirenia mit Bandchef Morten Veland stellt eine der Bands dar, die den modernen Gothic Metal geprägt haben und wie andere Bands im Laufe der Jahre die Entwicklung hin zum Symphonic Metal durchzogen hat. Dennoch sind die Ursprünge bei den Norwegern präsenter als bei anderen Bands. Im Gepäck befanden sich bei den wenigen Deutschlanddates mit Crossing Eternity, Alight und Elyose eher unbekannte Bands, die aber gut ins Line Up passten und dem einen oder anderen Besucher durchaus eine Offenbarung war.

Crossing Eternity durften pünktlich um 19:30 ran, um den Dosenöffner zu spielen. Mit dem aktuellen Album und zeitgleich Debüt „The Rising World“ im Gepäck überraschte die Band mit hochmelodischem, souverän dargebotenem Melodic Metal und hymnischem Gesang. Frontmann Gabriel Nicholas beherrschte die großen Rock-Gesten und verlieh dem  Auftritt das gewisse Extra, mit seiner klaren, aber druckvollen Stimme blieben Songs wie „Kingdom Come“, „High Above The Crown“ oder das selbstbetitelte „Crossing Eternity“ sofort im Ohr hängen. Gitarrist Manu Savu zelebrierte seine Soli orgiastisch, akustisch wie auch optisch wurde einiges geboten. Sogar die Hose von Gabriel Nicholas hinterließ nachhaltig Eindruck, denn die Schrittnähte erinnerten irgendwie an die bekannten Sport-Eierbecher und ließ die Blicke dort immer wieder haften. Dennoch aber ein sehr gelungener Auftritt.

Alight aus Italien kamen mit einem Album mehr in der Diskografie als nächstes auf die Bühne und erfreuten optisch durch Bassistin und Sängerin zum einen die männlichen Besucher in der ersten Reihe, die durchweg die beiden Damen filmten, zum anderen akustisch mit einer fetten Mischung aus Modern und Gothic Metal. Zwar gingen Gitarrist Roberto und Schlagzeuger Mirco von der Aufmerksamkeit her etwas unter, beide lieferten aber ein druckvolles Brett ab, das perfekt mit Bassistin Monica und Sängerin Catia harmonierte. Die Songs vom Album „Spiral Of Silence“ wie „The Portal“, „Look Closer“, „Walk to the Line“ oder speziell “Let Me Touch the Horizon” lebten von der intensive Performance und der großartigen Stimme von Sängerin Catia. Heftige Rhythmen sorgten mit bratenden Gitarren und hochemotionalen Gesangslinien für Gänsehaut und ein begeistertes Publikum. Alight waren die Entdeckung des Abends!

Elyose aus Frankreich setzten dagegen auf Modern Metal mit Industrial, das erste Sample ließ auf Großes hoffen, danach wirkten die Songs aber durch zerhackte Riffs und sperrigem französischen Gesang teilweise wie ein Kindergeburtstag, der außer Kontrolle geraten ist. Man muss Eylose aber attestieren, dass Songs wie „Rédemption“ durchaus Momente hat, wenn es melodiöser zugeht und Justine Daaé epischer singt. Eine zerrissene E-Saite wurde durch spontane Mitsingspielchen mit dem Publikum überbrückt, nur der Kommentar: „…das ist etwas zu hoch für euch, ich bin soprano.“, muss nicht sein. Insgesamt  mehr anstrengend als Genuss, dabei hat die Band durchaus Potential.

Sirenia waren ja immer wieder von Besetzungswechseln geplagt, nachdem in den letzten Jahren scheinbar ein stabiles Line Up gefunden wurde, musste nun auf Tour Gitarrist Jan Erik Soltvedt ersetzt werden. Mr. Gothic Metal himself Morten Veland wechselte vom Bass zurück zur Gitarre und sorgte mit Nils Courbaron für die notwendige Breite an der sechssaitigen Front. Mit Michael Brush gibt es nun auch wieder einen festen Drummer und Sängerin Emma Zoldan leitete symphatisch und leidenschaftlich durch den Abend, zeigte mit großen Gesten, viel Lächeln und beeindruckender Stimmvielfalt absolute Entertainment-Qualitäten. Die Setlist führte durch alle Alben der Bandhistorie und war zeitgleich wie eine nostalgische Reise durch die Entwicklung des Gothic Metal. Sorgte der Opener „In Styx Embrace“ vom aktuellen Album „Arcane Astral „Aeons“ noch für den Beleg der sinfonischen Seite der Band, ebenso das nachfolgende „Dim Days Of Dolor“ und „Treasure n‘ Treason“, wurde im weiteren Verlauf ganz tief in die Gothic Metal-Historie gegriffen. Vermehrt ließ Morten Veland seine Stimme grollen und erzeugte einmal mehr diesen faszinierenden The Beauty And The Beast-Gegensatz, für den die gotische Spielart steht und diese ausmacht.

„Winterland“, „Sister Nightfall“, „Elixir“ oder „My Mind’s Eye“ zelebrierten die Dunkelheit, Mollriffs und Grunts, dazu kamen immer wieder melancholische Ohrwürmer und Hymnen vom Schlage „The Other Side“ oder die viel zu früh kommende Zugabe „The Path To Decay“. Das Orchester vom Band saß und sorgte für wuchtige Atmosphäre, die Musiker posten in großen Gesten und unterhielten das Auditorium bestens, sodass nach 70 Minuten Spielzeit das Ende viel zu früh kam. Sirenia haben abgeliefert, sich in der eigenen Historie vergnügt, ohne angestaubt zu wirken und gezeigt, dass sie eine der klassischsten Bands in ihrer Spielart sind. Ein wunderbarer Abend, der nostalgisch, aber zeitgemäß zugleich war.

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