Bury Tomorrow, Party today! Die Impericon Progression Tour 2016 in Berlin

Den Locations zu urteilen sind die Impericon Festivals auf einem absteigenden Ast. Jedenfalls was die Hard- und Metalcore-Szene in Berlin betrifft. Vom C-Club (2011 und 2012) über das Astra (2013 und 2015) bis zum kleinen Musik und Frieden (ehemals Magnet) ist es ein deutlicher Abstieg. Glücklicherweise lassen sich die übrig gebliebenen Fans das nicht anmerken, als der Club am Abend des 27. April zur diesjährigen 'Impericon Progression Tour' ins 'Schwarze Zimmer' einlädt.


Bild1.JPG „Auf jeder europäischen Station der ‚Impericon Progression Tour‘ gibt es neue Line-Ups. Für die deutschen Städte ist es extrem ausgewogen: Ein Headliner von der britischen Insel und einer aus Übersee sowie zwei Supports aus deutschen Gefilden. Vitja, eine relativ frische, aber vielversprechende Metaltruppe aus Münster und Köln, geben im Berliner Musik und Frieden den Startschuss. Die Bezeichnung des Konzertraums passt: Schwarzes Zimmer. Es ist längst keine Konzerthalle mehr, wo sich diverse Metal- und Hardcorebands versammeln, sondern ein Konzertzimmerchen. Sei es drum. Die Stimmung ist so gut und aufgeheizt, dass man auch von einem Kaminzimmer ausgehen könnte. Zu schade allerdings, dass die Akustik im neu aufgemachten Musik und Frieden immer noch genauso grausig ist wie im pleitegegangenen Magnet. Eine Investition in eine bessere Soundanlage wäre hier sicher eine Investition in die Zukunft des Clubs, will er nicht das gleiche Schicksal erleiden. Denn das spricht sich rum und man bedauert, dass sich der experimentelle Sound von Vitja nicht wirklich entfalten kann. Ihre harten Riffs und Breakdowns reichen dem Publikum jedoch zunächst aus, um sich mit Springen und Pogen warm zu machen für die zweite, bereits viel bekanntere Band.

Bild2.JPGAny Given Day haben sich tatsächlich eine beachtenswerte Fanbase aufgebaut, auch in Berlin – und das lediglich mit einem einzigen Album und zehn Songs, die sie fleißig seit zwei Jahren auf diversen Bühnen präsentieren. Vom Musikalischen her könnte man sagen, Any Given Day sei der große, grobe Bruder von Vitja. Wie sie selbst so schön sagen, hauen sie einem ihren Metalsound einfach

’straight in your face. Roh und ungeschönt‘

. Die Inkarnation dessen ist zweifelsfrei ihr Frontmann Dennis Diehl mit seiner beachtlichen, muskelbepackten Körperstatur. Man merkt schnell: Der Typ kann zupacken. Aber das macht er am liebsten am Mikrophon. Seine brachialen shouts und growls gepaart mit dem klaren Hintergrundgesang von seinen Kollegen Michael Golinski und Dennis ter Schmitten zeugen von einer enormen gesanglichen Leistung. Insgesamt liefert die Band aus Gelsenkirchen eine einwandfreie Performance, die umso mehr von den Fans gefeiert wird, als sie mehrere Songs von ihrem angekündigten neuen Album spielen. Angesichts dessen würde auch das frühere Motto der Impericon Festivals – ‚Never Say Die‘ – sehr gut auch dieses Jahr passen. Denn vor allem dieser gleichnamige Song wird vom Publikum begeistert mitgesungen.

Bild3.JPG „Deutlich weniger Fans drängeln sich vor der kleinen Bühne, als Blessthefall auf ihr erscheinen. Das ändert sich jedoch schnell, als das Quintett aus Phoenix, Arizona ihren einzigartigen melodischen Metalcore-Sound herausholt. Beau Bokan und Jared Warth bilden seit Jahren ein unschlagbares Gesangsduo, bei dem sich clean- und unclean-voice-Parts miteinander vermischen. Leider scheitern auch sie zum Teil an der miserablen Technik des Clubs. Wenn man die Songs nicht kennt, versteht man auch kaum, was beide da singen. Blessthefall, so sehr sie auch noch in Deutschland unterschätzt werden, verwandeln allerdings auch so jedes Konzert in eine Party, auf der sich selbst die zunächst skeptischen Metalcorefans mitreißen lassen. Abgesehen von der durchgängig guten Stimmung gibt es auch einen weiteren Grund zum Feiern, den Geburtstag des Bassisten und Shouters Jared Warth. Frontmann Beau Bokan versteht es derweil, mit dem Publikum zu kommunizieren. Mal spritzt er Wasser fontänenartig aus seinem Mund ins Publikum, mal schnappt er sich spontan die Brille eines überraschten weiblichen Fans und hüpft als langhaariger Metal-Harry-Potter über die Bühne.

Bild4.JPG „Von dieser Performance können sich Bury Tomorrow tatsächlich noch etwas abschauen. Die Briten machen es dagegen mit ihrem deutlich härteren Metalcore-Sound wett. Und Frontmann Daniel Winter-Bates passt ohnehin gut nach Berlin: Mit seinen blondierten Haaren, seiner Goldkette, seinem roten Pulli und schmalen Oberlippenbärtchen gibt er einen perfekten Metal-Hipster ab, dem man einen so eindrucksvollen gutturalen Gesang auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde. Zehn Jahre sind Bury Tomorrow bereits unterwegs und angesichts ihres aktuellen Albums ‚Earthbound‘ und ihres Auftritts kann man bei Ihnen gespannt in die Zukunft blicken. Hoffentlich versammeln sie noch einmal für ein solches Wohnzimmer-Festival ein so gelungenes Line-Up um sich herum.

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