THE BREW – Eine gute Platte muss zehn (oder zwölf) Jahre reifen

2010 veröffentlichten die Blues-Rocker von The Brew ihr famoses Album „A Million Dead Stars“, das ihnen jede Menge Aufmerksamkeit einbrachte, und sich schnell zum Fanliebling entwickelte. Zehn Jahre später sollte das Werk zum runden Geburtstag in Gänze aufgeführt werden – wir alle wissen, warum es nicht dazu kam. Nun, noch einmal zwei Jahre weiter, ist es aber endlich so weit, und das Trio -bestehend aus Vater Tim (Bass) und Sohn Kurtis (Drums) Smith, sowie Frontmann Jason Barwick- können endlich wieder durch die Lande ziehen, und das Jubiläum mit ein wenig Verspätung zelebrieren.

An diesem warmen Sonntag im Oktober zieht es etwa 300 Zuhörer*innen in den kleineren Teil des damit gut gefüllten münsterschen Jovels, auch Inhaber und Lindenberg-Bassist Steffi Stephan mischt sich unter die Gäste.

Mit drei rockigen Nummern geht es direkt los, und der gesamte Club ist vom ersten Ton dabei. Es wird geklatscht, gekreischt und textsicher mitgesungen. Gitarrist Jason zaubert zahlreiche extrem versierte Soli, die auf dem Rhythmus-Teppich der beiden Kollegen immer wieder neuen Anlauf nehmen, und kaum einen Song weniger als sechs Minuten andauern lassen. Das ruhige und an eine Mischung aus Hendrix und Led Zeppelin erinnernde „Kam“ ist dann der erste echte Höhepunkt der Show. Es leitet den anschließenden akustischen Teil mit „Make The Train“ und „Mav The Rave“ ein. Mit einem Lächeln erklären die Herren, dass sie normalerweise nie unplugged spielen, und wünschen ironisch „Good Luck“. Dabei ist nicht ganz klar, ob sie sich selbst oder das Publikum meinen. Mehrfach betonen die Musiker, wie sehr sie sich nach den beiden Jahren Leerlauf auf diese Tournee gefreut haben, die mit dem heutigen Abend zu Ende geht, was Barwick mit mehr als nur einem Glas Weißwein auch ausgiebig feiert.

Im zweiten Teil wird es dann wieder laut und rockig, und der Hit „Every Gig Has A Neighbour“ beschert kurzzeitige Coldplay-Momente. Auf einmal fliegen -vom Fanclub organisiert- etliche Luftballons durch den Club, was für reichlich sportliche Betätigung sorgt. Das instrumentale „A Smile To Lift The Doubt“, inklusive Geigen-Bogen-Einsätze auf der Gitarre und Pete-Townshend-Windmühlen, ufert zunächst in einen langanhaltenden Jam und schließlich in ein beinahe zehnminütiges Schlagzeug-Solo aus, davon das letzte Drittel nur mit den nackten Händen (!) gespielt, und lässt den Abend mit einem kräftigen Applaus ausklingen. Mit dem Titel-Track „A Million Dead Stars“, bei dem alle noch einmal zum kräftigen Mitsingen animiert werden, beendet die einzige Zugabe endgültig die Show, und die Jungs begeben sich zügig für Fotos und Autogramme an den Merch-Stand.

Woran erkennt eine wirklich begeisternde Band? Wenn selbst der Gitarren-Techniker jeden Song abfeiert und mitklatscht, als würde er gemeinsam mit dem genauso abgehenden Rest mitten im Saal stehen, und nicht am Bühnenrand sitzen. Erstaunlich ist vor allen Dingen, welch dichten Sound die Engländer mit gerade mal drei Instrumenten hinbekommen. Dass sie in mehr als eineinhalb Stunden Spielzeit nicht einmal ein Dutzend Lieder gespielt haben, ohne dass es langatmig wird, zeigt ebenfalls die hohe musikalische Qualität der Truppe.

The Brew haben versprochen, ganz bald wiederzukommen. Dringende Empfehlung an alle Blues-Rock-Freunde (sobald es so weit ist): Unbedingt Hingehen!

 

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Fotocredit: Wollo@Whiskey-Soda

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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