Loma Prieta

Self Portrait

  • Artist: Loma Prieta
  • Album: Self Portrait
  • Label: Deathwish
  • Release: 2015-10-02
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Selbstbildnisse und Schmerzen eint eine lange gemeinsame Tradition. Man denke nur an Vincent Van Gogh, sein Ohr und die Leinwand. Die Post-Hardcorer von Loma Prieta zählen zu den jüngeren Erben des autoaggressiven Brauchtums und haben ihr Bildnis, anstatt es traditionell auf Leinen zu pinseln, in Klang gegossen und wild über alle Wände verspritzt.

Doch Augenblick: Es ist nicht alles Schmerz, was schreit! Nicht selten begleiten hoffnungsvolle Riffs und Aufwärtsspiralen die Screams der Doppelspitze aus Brian Kanagaki and Sean Leary – da kann ein Song noch so bedrückend ‚Roadside Cross‘ heißen.

‚How many people are destroyed / By their need to be loved? / For me it’s easy / There’s nowhere to sink / I’m at the bottom of the ocean!‘

Na gut, allzu weit her ist es mit der Hoffnung dann doch nicht. Aber nicht schlecht, diese Ambivalenz! Gab’s ja früher alles nicht, gell?

Die Schere geht außerdem auch an anderer Stelle sauber auf: Produziert wurde ‚Self Portrait‘ von Deafheavens Sound-Sozius Jack Shirley im Atomic Garden Recording Studio East Palo Alto in San Franciscos Bay Area. Kompakt ist es ausgefallen, aber doch länger als je zuvor. Und charakterstärker: Es kennt sich mit Hardcore aus, besticht durch kompromisslose Noise-Passagen, Screamo-Nostalgie und hat sogar den einen oder anderen schrammelig-taumelnden Shoegaze-Moment in petto. In ‚Merciless‘ überführt die nach einem schweren Erdbeben benannte Band aus San Francisco Rimski-Korsakows ‚Hummelflug‘ in Post-Hardcore-Schriftsatz. Was will man bitteschön mehr?

Ein bunter Strauß von Darbietungen, die zwischen den Spielarten von Touché Amoré, Amenra und The Dillinger Escape Plan oszillieren, machen ‚Self Portrait‘ zu einem fast lückenlos überzeugenden Stück angeschmolzener Hartmusik, vom Anfangs-Sirren des schlicht mit ‚Love‘ betitelten Openers bis ‚Satellite‘, das sich zunächst hymnisch hochschaukelt, um am Ende alles erbarmungslos unter Distortion-Trümmern zu begraben. Ein Abgang ganz nach ihrer Art – so sehr sie selbst waren Loma Prieta noch nie. Und das Beste: Keiner von ihnen musste sich dafür ein Ohr absäbeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.