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Sco-Mule

20 Jahre Gov’t Mule, 20 Jahre Southern Rock mit Blues-Einflüssen, auch mal ein wenig Hard Rock und immer für eine Überraschung gut. Nachdem Ende letzen Jahres auf dem Album „The Dark Side Of The Mule“ Pink Floyd gecovert wurden, ist das aktuelle Doppelalbum von Gov’t Mule ein Griff ins Archiv: Bereits im September 1999 wurde das enthaltene Konzert aufgezeichnet, jetzt aber erstmal veröffentlicht. Seinerzeit kam die Band in Georgia mit dem amerikanischen Jazz-Gitarristen John Scofield zusammen. Außerdem waren der Originalbassist Allen Woody und Keyboarder Dr. Dan Matrazzo mit an Bord. An zwei Abenden spielten die Musiker Songs von Scofield und eigene Kompositionen.

Soweit zum Hintergrund, um keine falschen Erwartungen zu wecken. „Sco-Mule“ ist ein rein instrumentales Live-Album, das den reinen Rockfan nicht so sehr anspricht wie die früheren Mule-Alben. Dies soll aber nicht bedeuten, dass es ein schlechtes Album wäre, keineswegs. Aber die beiden Silberlinge enthalten Musik, auf die man sich einlassen muss: Jazz, Rock, Soul und Funk verschmelzen zu gitarrenlastigem Groove, lange Songs zwischen zehn und 23 Minuten, stete Weiterentwicklung, ausgedehnte Improvisationen. Genau das macht den Jazz aus, und allein durch die Mitwirkung von John Scofield ist das Konzert natürlich sehr Jazz-lastig geworden. Zwischendurch wird immer wieder mal ausgiebig der Blues praktiziert mit herrlichen Gitarrenläufen und ausufernden Eskapaden auf der Hammond-Orgel. Da sämtliche Titel rein instrumental sind, läuft das Album ein wenig Gefahr, bei unaufmerksamen Hörern zur Hintergrundbeschallung zu verkommen. Aber das wäre schade. Ja, es braucht etwas Aufmerksamkeit und den Willen, sich mit durchaus komplexer vielschichtiger Musik zu beschäftigen. Wer bereit ist, das zu tun und etwas für Jazz übrig hat, den erwarten zwei hochspannende abwechslungsreiche Scheiben. Hin und wieder fühlt man sich ein wenig an die groovig-jazzigen Soundtracks alter Agentenfilme erinnert, wie etwa im viertelstündigen ‚Birth Of The Mule‘.

Musikalisch wird erwartungsgemäß ein äußerst hohes Niveau erreicht, und man hört dem Album jede einzelne Note den Spaß und die Hingabe zu dieser Musik an. Zu den Songs ‚Hottentot‘ und ‚Kind Of Blue‘ gibt es auf der zweiten CD noch alternative Versionen, bevor das Album mit dem über 20 Minuten langen ‚Afro Blue‘ und noch einmal einer Flut an Improvisationen und jazzigen Schlenkern endet. Ein interessantes Projekt war diese damalige Zusammenarbeit zwischen Gov’t Mule und John Scofield, die jetzt endlich für die anspruchsvollen Musikfans würdig veröffentlicht wurde. Bleibt abzuwarten, womit uns das Maultier als nächstes überraschen wird.

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