Raven

Screaming Murder Death From Above: Live In Aalburg

  • Artist: Raven
  • Album: Screaming Murder Death From Above: Live In Aalburg
  • Label:
  • Release: 2019-01-18
  • Medium:
  • Bewertung:ohne Bewertung (Livealbum)

Die Energie eines Raven-Gigs muss man einfach selbst erlebt haben. Worte können es gar nicht ausdrücken, welch ein Energie- und Hektik-Level von den einzig wahren Gallagher-Brüdern auch fast 40 Jahre nach Release der „Don’t Need Your Money“-Single auf der Bühne freigesetzt wird. Das aktuelle Livealbum „Screaming Murder Death From Above: Live In Aalborg“ gibt aber diesbezüglich Unbeleckten zumindest eine gute Vermutung der Schutt-und-Asche-Attitude der Band.

Es ist bei Raven auch grundsätzlich schnuppe, was gespielt wird – einen richtigen Stinker hat die Band nämlich auch noch nicht veröffentlicht, und so passen sich die beiden neuen Songs ‚Destroy All Monsters‘ und ‚Tank Treads‘ wunderbar in den Klassikerreigen. ‚All For One‘, ‚Rock Until You Drop‘, ‚Break The Chain‘ (wieder mit fröhlichem Liederraten) und das melodische ‚On And On‘ sind natürlich Pflichtprogramm, dazu gibt’s mit ‚Faster Than The Speed Of Light‘, ‚Hung, Drawn And Quartered‘ und ‚Hell Patrol‘ ein paar lang nicht mehr gehörte Schmankerl und mit ‚A.A.N.S.M.M.G.N.‘ ein garantiert sinnloses, aber schön lärmiges Gitarrensolo, bei dem Mark Gallagher so richtig die Nerven der Zuhörer strapaziert. Bei all dem Lärm sollte man aber nicht übersehen, dass Raven keinesfalls ein talentfreies Lärmkonglomerat wie die einstigen Neat!-Labelkollegen Venom darstellen. Klar, das Geschrei von Bruder John ist Geschmackssache, schon das Rock Hard hat seinerzeit die gemeinsam mit Udo Dirkschneider aufgenommene ‚Born To Be Wild‘-Coverversion ( ‚… ein nervenzerfetzendes Gekreische, aber hundert Prozent authentisch!‘) als quasi ultimativen Voight-Kampff-Test für Möchtegern-Metalfans geadelt. Aber hier sitzt nach wie vor jeder markerschütternde Sirenenschrei, und das Trio klingt jederzeit entenarschtight. Auch Neu-Drummer Mike Heller genießt es, konträr zu seinem Hauptjob bei Fear Factory, endlich einmal ohne Clicktracks und Samples Vollgas zu geben, zu improvisieren und generell einfach, nun ja, Sitzfleisch zu kicken. Wohl keine andere Band der NWOBHM hat die Energie und den Anarcho-Spirit des Punk derart unverfälscht in den Heavy Metal integriert wie Raven, was die Band auch nach wie vor völlig unverwechselbar und eigen klingen lässt.

Der Sound ist, dem Anlass würdig, so professionell und durchsichtig, wie es sein muss, aber gleichzeitig so roh und schmutzig, wie sich das im Genre so gehört. Klar, „Screaming Murder Death From Above: Live In Aalborg“ ist definitiv nichts für HiFi-Fetischisten, die ihre Livemitschnitte nur in Dolby Atmos geniessen, wer aber nach wie vor massive sexuelle Erregung beim Genuss von „No Sleep Till Hammersmith“ verspürt, wird sich hier fraglos wohlfühlen. Einziger Kritikpunkt ist die Länge von nur 54 Minuten – die Band war bei der mitgeschnittenen Show nämlich nicht der Headliner. Da müssen dann doch so einige recht essenzielle Klassiker außen vor bleiben. Aber das ändert nichts daran, dass Raven auch heute noch zu den mitreißendsten und kraftvollsten Liveacts der Metal-Szene gehören und „Screaming Murder Death From Above: Live In Aalborg“ davon mitreißend und kraftvoll Zeugnis ablegt. Nachdem das also geklärt wäre: wann wird endlich der fast komplett vergriffene Backkatalog der Band wiederaufgelegt?

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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