ROCKIN` MIDSUMMER 2022 in Schwäbisch Gmünd – Bouzouki Rock bis „2 Minutes To Midnight“


Der Veranstalter des Rockin` Midsummer 2022 hat es sich wahrlich nicht leicht gemacht an diesem Samstag. Während im Gmündner Phönix vier überwiegend lokale Bands und ein international bekannter Headliner die Headbanger zu Leibesübungen animieren möchte, spielt 51,2 Kilometer entfernt eine namhafte Band, welche seit vielen Jahren große Hallen und Stadien füllt. Ob die Rechnung aufgegangen ist, hat unser Redakteur Andre herausgefunden.

Schon auf der Anfahrt nach Schwäbisch Gmünd wird deutlich, wohin es heute viele Metalheads zieht. Zahlreiche Autos, welche eindeutig erkennbar schwarz gekleidete Menschen befördern, machen sich auf den Weg in die Landeshauptstadt des Landes Baden-Württemberg. Bei einem Tankstopp ist es dann offensichtlich. Von überall erklingen „Maiden“-Rufe über den Parkplatz, aus den Anlagen erklingen durchaus bekannte Stücke der 1975 in England gegründeten Band.

Der Verfasser dieser Zeilen biegt jedoch rechtzeitig links ab. Ziel ist heute das Phönix in Schwäbisch Gmünd. In dem gemütlichen Club treten heute Firephoenix, Despise, Impact, Terra Atlantica und Tri State Corner auf. 190 trockene Plätze statt 45.000 Mitmenschen unter wolkenbehangenen Himmel für ein Drittel der Open-Air-Karte sind ein Argument.

Die Halle ist noch spärlich gefüllt, als Firephoenix aus Göppingen die undankbare Aufgabe hat, das Rockin` Midsummer zu eröffnen. An der Musik liegt es sicher nicht. Das Quartett bietet astreinen Heavy Metal. Sowohl Licht als auch Sound sind von der ersten Sekunde an top. Hier sitzt ein Team an den Mischern, die ihren Job beherrschen. Die melodische, gitarrenlastige Musik bringt die Mitglieder der anderen Bands des heutigen Tages dazu, den Backstage-Bereich zu verlassen, um vor der Bühne Vollgas zu geben. Zum Cover von Metallicas „Seek and Destroy“ gehen sämtliche Fäuste in die Luft und der Refrain wird lauthals mitgegröhlt.

Despise gibt es seit mittlerweile 30 Jahren. Das Quartett aus Aalen überzeugt mit robustem Hard Rock. Sänger Tobi feiert heute seinen Geburtstag und selbstverständlich stimmt die Meute vor der Bühne ein Lied an. Der Track „Fucking Asshole“ vom Album „Medicine“ ist ein Kracher und sicher nicht auf Tobi gemünzt. Die Musik macht Lust auf das erste Bier an diesem Tag. Für gerade einmal 3,50 Euro geht der Becher über den Tresen. Angesichts der mittlerweile üblichen Preise geradezu ein Schnäppchen.

Das Bier schmeckt auch noch, als Impact aus Dillingen die Bühne betritt. Die fünf Jungs nutzen ihre Stunde Spielzeit, um die anwesenden Besucher und auftretenden Bands mit ihrem stylischem 80er Jahre Glam Rock mitzureißen. Apropos Spielzeit: Manuel, Clubeigentümer und Initiator der Veranstaltung gesteht jeder auftretenden Band mindestens die genannte Stunde Spielzeit zu. Dieses ist bei weitem nicht selbstverständlich und muss daher lobend erwähnt werden. Die Musik in Verbindung mit dem Outfit ist absolut stimmig. Zum ersten Mal an diesem Tag gibt es ein Drumsolo zu hören.

Wer auf melodischen Powermetal steht, ist bei Terra Atlantica an der richtigen Stelle. Die Band konnte schon auf Touren mit Bands wie Majesty und Victorius überzeugen und macht auch an diesem Abend eine gute Figur. Trotz der wenigen Besucher haben die Jungs um Sänger und Gitarrist Tristan eine Menge Spaß auf der Bühne. Die Metalheads lassen sich von der Stimmung auf der Bühne anstecken und trainieren ordentlich ihre Nackenmuskulatur.

Spaß ist auch das richtige Stichwort für den Headliner des heutigen Abends. Trat Tri State Corner vor wenigen Wochen noch vor 12.000 Besuchern auf dem Metalfest in Pilsen auf, steht heute eine Clubshow in Schwäbisch Gmünd auf dem Zettel. Sänger Lucky erklärt den anwesenden Metalheads, dass es für die Band keinen Unterschied macht, ob sie vor 5, 500 oder 50.000 Leuten spielt. Wichtig ist, dass sie spielen können. Diese Spielfreude merkt man den Musikern deutlich an. Gitarrist Christoph ist permanent in Bewegung auf der Bühne und Drummer Christos bearbeitet wie gewohnt permanent lachend sein Set. Auf dem Liederzettel haben die Bouzouki-Rocker aus dem Ruhrpott natürlich einige Stücke vom aktuellen Album „Stereotype“, welches durchweg positive Kritiken in der Fachpresse und bei den Fans bekommen hat. Das Markenzeichen der Band ist die Bouzouki, ein traditionelles Instrument in der griechischen Musik. Diese wird von Janni perfekt beherrscht und zeigt, wie vielfältig Rockmusik sein kann.

Lucky nimmt sich viel Zeit, um unter anderem die Entstehungsgeschichte einiger Songs zu erklären. Auch erzählt er, dass es die Band mittlerweile seit 17 Jahren gibt und schon auf allen Kontinenten zu Gast war. Viel zu schnell geht es durch die abwechslungsreiche Setlist, bevor der Abend um kurz vor Mitternacht endet. Die anwesenden Fans der Rockmusik hatten einen sehr abwechslungsreichen Tag und es bleibt zu hoffen, dass es zukünftig wieder mehr Besucher in die Clubs zieht.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

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