Jean Michel Jarre

Planet Jarre

  • Artist: Jean Michel Jarre
  • Album: Planet Jarre
  • Label: Sony
  • Release: 14.09.2018
  • Medium:
  • Bewertung:ohne Bewertung (Compilation)

Mit „Planet Jarre“ lässt der französische Elektropionier Jean Michel Jarre seine mittlerweile fünfzig Jahre andauernde Karriere Revue passieren. Dafür hat er von seinen frühen, experimentellen Stücken bis zu den aktuellen Singles ‚Coachella Opening‘ und ‚Herbaliser‘ seine Lieblingsstücke versammelt und die stilistisch in vier Kapitel unterteilt.

CD 1 beginnt mit dem Kapitel „Soundscapes“ und enthält die getragenen, ätherischen Soundflächen wie beispielsweise die Eröffnungssequenzen von „Oxygene“ und „Rendez-Vous“ sowie ‚Waiting For Cousteau‘. „Themes“ nimmt die zweite Hälfte der ersten Disc ein und präsentiert hauptsächlich die hymnisch-melodischen Stücke, darunter die Singlehits ‚Oxygene 4‘, ‚Zoolookologie‘ und ‚Magnetic Fields‘. Disc 2 startet mit „Sequences“, einer Sammlung der, der Titel verrät es, sequencergetriebenen, rhythmuslastigen und größtenteils tanzbaren Stücke wie das mit Armin Van Buuren aufgenommene Trancestück ‚Stardust‘. „Explorations & Early Works“ ist dann das exakte Gegenteil – gerade die Frühwerke sind keinesfalls Easy-Listening-Material und tragen deutliche Spuren der Avantgarde. Dieses Kapitel bringt uns dann auch einige weitere Raritäten wie beispielsweise ein hier erstmals veröffentlichter, zweiminütiger Auszug aus dem Demo des sagenumwobenen „Music For Supermarkets“-Album, seine erste Single „La Cage/Erosmachine“ und der ebenfalls bislang unveröffentlichte Auszug ‚AOR Bleu‘ aus dem Ballett „AOR“ von 1971. Die Zusammenstellung bietet somit einen ganz guten Überblick über Jarres Gesamtwerk, auch wenn das Debütalbum „Deserted Palace“ (1971) sowie die Arbeiten zwischen „Métamorphoses“ (1999) und dem „Electronica“-Doppelschlag (2015) leider nicht berücksichtigt werden – schade im Falle von „Deserted Palace“, weniger schade im Falle von eher flach geratenen Arbeiten wie „Teo & Tea“.

Nun gibt es aber ja bereits eine ganze Menge anderer Sammlungen von Jarre, weshalb natürlich etwas genauer darauf eingegangen werden muss, inwiefern „Planet Jarre“ sich von vorangegangenen Werkschauen abheben kann. Das 2011 veröffentlichte „Rarities & Essentials“ hat beispielsweise dank seiner enormen Menge an bis dato Unveröffentlichtem klar für den Sammler die Nase vorne – das gibt’s aber schon seit ’ner Weile nicht mehr zu kaufen, und einige dieser Raritäten haben es ja immerhin auf Disc 2 ins „Explorations & Early Works“-Kapitel geschafft. Kritisieren muss man aber, dass Jarre wieder einmal nicht die originalen Single- oder Albumversionen der Stücke berücksichtigt hat, sondern wieder einmal neue Edits erstellt hat. Für diejenigen, die gerne die Versionen hätten, die sie vom Radio kennen, ist das natürlich etwas enttäuschend, genauso für Puristen, die das Material gerne in der ungekürzten Urform gehört hätten. Andererseits kann man Jarre zumindest nicht vorwerfen, immer wieder lieblos das gleiche Material aneinanderzuklatschen – es ist offensichtlich, dass bei der Zusammenstellung der vier Kapitel durchaus aufs Detail und einen stimmigen Fluss geachtet wurde.

Aufgrund der schieren Menge an Material, der chronologischen Spannweite und der enormen stilistischen Abwechslung ist „Planet Jarre“ also tatsächlich ein ziemlich ideales Einsteigerpaket ins Werk des Musikers und Komponisten geworden. Aus exakt den gleichen Gründen aber verlangt die Doppel-CD dem Hörer auch eine ganze Menge an musikalischer Offenheit ab und widerlegt dabei fraglos und vehement den oft gehörten Vorwurf der „Elektrosnobs“, Jarres Musik sei nur eindimensionaler Kitsch. Mehr kann man von einer Compilation eigentlich nicht verlangen!

Eine kleine technische Anmerkung noch: die beiden Discs sind randvoll mit Musik und überschreiten beide die Spielzeit des Red Book-Formats für Audio-CDs. Wer also noch einen älteren CD-Player benutzt, könnte womöglich beim Abspielen der Scheiben auf Probleme stoßen – PC-Laufwerke, BluRay-Player oder Geräte aus den letzten Jahren sollten das Album jedoch problemlos wiedegeben.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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