The Samurai Of Prog

Omnibus

  • Artist: The Samurai Of Prog
  • Album: Omnibus
  • Label:
  • Release: 2018-12
  • Medium:
  • Bewertung:ohne Bewertung

Hätte Marco Bernard gewusst, dass The Samurai Of Prog von einem Spaß-Cover-Projekt zu einer der populärsten Bands des Symphonic-Prog-Undergrounds werden würde, hätte er eventuell zweimal über den Bandnamen nachgedacht. Hat er aber nicht, und deshalb darf er sich nun gelegentlich zum Doofe-Bandnamen-Selbsthilfestammtisch mit Spock’s Beard („nicht mal unsere Idee! es war der Ex!“) und Matt Johnson aka The The („Auf Google bin ich unsichtbar!“) treffen. Was er wohl auch nicht gedacht hätte, ist die Tatsache, dass die natürlich in limitierter Auflage erschienenen frühen Alben dieses Projektes 2018 auf den üblichen Gebraucht-Börsen teils für dreistellige Summen über den Tisch gehen würden.

Das hat nun aber ein Ende, denn mit der vier CDs umfassenden „Omnibus“-Box gibt es die ersten drei Alben „Undercover“, Secrets Of Disguise“ (Doppelalbum) und „The Imperial Hotel“ mit remastertem Sound und allerlei Bonustracks wieder ganz offiziell zu erstehen. Die Clamshell-Box kommt mit typisch abgefahrenem Ed-Unitsky-Artwork und enthält neben den leicht abgewandelten Original-Covers für jedes einzelne Album noch ein sehr informatives, farbig bebildertes 32-Seiten-Booklet mit ausführlichen Infos zum Personal der jeweiligen Songs und einer kurzen Einführung in die History der Band. Die ersten beiden Alben bestehen dabei noch hauptsächlich aus Coverversionen klassischer Prog-Songs, deren Reiz eher in den bisweilen unkoventionellen Arrangements und der zahlreichen Gastmusiker wie Roine Stolt (Flower Kings), Jon Davison (Yes, Glass Hammer), Robert Webb (England), Steve Babb (Glass Hammer), Phideaux Xavier (Phideaux), Linus Kåse (Anglagård) oder Michelle Young (Clive Nolan, Glass Hammer) liegt. Die adaptierten Songs stammen – nicht überraschend – hauptsächlich von den Siebziger-Urvätern wie King Crimson, Genesis, Yes, Gentle Giant, VDGG, Rush und ELP, aber mit Marillion und den Flower Kings finden auch spätere Generationen zumindest Erwähnung. Das macht Laune, speziell, weil Marco Bernard, seine Bandkollegen Steve Unruh und Kimmo Pörsti sowie ihre Gäste sich zwar generell an Atmosphäre und Struktur der Originale halten, diese aber mit jeder Menge eigener Einfälle aufpimpen. So richtig zur Sache geht’s aber erst ab „Secrets Of Disguise“ und dem eigenen Longtrack ‚The Case Of Charles Dexter Ward‘, der bis heute zu den feinsten Songs des Projektes zählt und sich durchaus erstaunlicherweise nicht hinter den Klassikern verstecken muss. So war es auch nicht verwunderlich, dass ab dem dritten Album „The Imperial Hotel“ keine Coverversionen im eigentlichen Sinne mehr vertreten waren. Einigermaßen seltsam allerdings, dass das Songwriting trotzdem fast komplett von den Gastmusikern übernommen wurde – aber, wie erwähnt, The Samurai Of Prog sind heute noch keine konventionelle Band und waren es von 2010 bis 2014 erst recht nicht.

Für die Fans ist „Omnibus“ auf jeden Fall eine Top-Investition, auch für die, die die Originale bereits besitzen. Nicht nur wegen der neun Bonustracks (knapp eine Stunde Musik), sondern auch wegen der teilweise alternativen und Re-Mixes, die dieser Release zu bieten hat. Was natürlich bedeutet, das Puristen weiterhin die Originalfassungen suchen dürfen – der „normale“ Fan, der die Band vermutlich mit „Lost And Found“ oder „On We Sail“ erst kennengelernt hat, ist mit „Omnibus“ aber natürlich bestens bedient. Zu beziehen ist das Album bei den Import-Spezis von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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