Boisson Divine

La Halha

  • Artist: Boisson Divine
  • Album: La Halha
  • Label:
  • Release: 2020-05-27
  • Medium:
  • Bewertung:1-

Exotische Folklore-Instrumente, ordentlich Power, ein gutes Gefühl für traditionelle Melodien und Gesänge – fertig ist die potente Folk-Metal-Band. Und weil es in jedem Erdteil, ja in jedem Land eine eigene Form von Folklore gibt, sind die Bands im Genre so vielseitig wie in kaum einem anderen. The Hu kommen aus der Mongolei und haben ihre Pferdekopflaute und den Kehlkopfgesang, Finntroll kombinieren ihre Troll-Ohren mit Black Metal und finnischer Humppa und Eluveitie aus der Schweiz keltische Texte und Gesang, Flöten, Sackpfeifen und Drehleier.

Letztere haben auch Boisson Divine in ihrem Ensemble, daneben noch die gascognische Sackpfeife (Boha) und Einhandflöte (Flabuta), das gute alte Akkordeon und nicht zuletzt den mehrstimmigen Gesang der pyrenäischen Prägung. Das Sextett aus Frankreich bringt mit „La Halha“ sein drittes Album seit 2013. In dieser kurzen Zeit ist die Gruppe zu lokaler Berühmtheit und einer der besten Folkmetal-Bands des Landes gereift. Musikalisch, textlich und kulturell fokussieren die fünf Herren und eine Dame auf ihre Heimat, die Gascogne. Die historische Landschaft im äußersten Südwesten Frankreichs besteht hauptsächlich aus großen Kiefernwäldern und Bergen. Die urtümliche Landschaft besingt die Gruppe dann auch in ihren Liedern, das jährliche Schlachten des Schweins, die Freiheit der Berge, Legenden und historische Persönlichkeiten der Region und natürlich die Liebe.

Der Opener „Lo pela porc“ („Das Schweinetöten“) ist ein heller, fröhlicher Uptempo-Song mit Flöte, Trommel und Sackpfeife – schließlich besingt er das Schlachtfest. „Novempopulania“ beginnt hymnisch wie ein klassischer Metalsong mit einem Gitarrenriff. Sehnsüchtig bittersüß ist der Gesang von Hauptsänger Baptiste Labenne über die neun Völker der Gascogne, das Lied ein konventionelles Folkmetalstück, das ins Ohr geht. „Suu camin estelat“ („The Starlit Path“) eröffnet ruhig mit einem Banjo, wechselt dann aber mit Powermetal-Scream und Uptempo-Beat kurzzeitig fast ins punkige. Einen ganz ähnlichen Vibe und Aufbau hat das vom Dudelsack beim Refrain und von Gitarren und Drums in den Strophen dominierte „Xivalier de Sentralha“.

„La Sicolana“ („The Lizard“) ist der vielseitigste und wegen seinem wunderbaren Chorus gleichzeitig eingängigste Titel. Der Song komprimiert alle Qualitäten von Boisson Divine in einem Stück: Den polyphonen Gesang, denzente Hurdy-Gurdy, trabende Punkrock-Drums, Gitarrenriffs und ein sehr gutes Melodiegefühl. Der ultra-ohrwurmige Refrain lässt Jeden Mitsummen und bleibt Stunden im Ohr. „Un Darrer Cop“ („One Last Time“) ist eine reine Folk-Ballade und beindruckt nicht zum einzigen Mal mit dem im Zentrum stehenden, mehrstimmigen Gesang und nur zurückhaltender (Rock)-Instrumentierung. „Libertat“ und der Schlusspunkt „Milharis“ sind melancholische Power-Metal-Songs mit Folklore-Melodik und -charme.

Boisson Divine begeistern auch mit ihrem dritten Album! Kein einziger Lückenfüller befindet sich unter den zehn Songs (die digitale Bandcamp-Edition beinhaltet darüber hinaus ganze fünf Bonustracks!). Das Sextett ist eigenständig und trotz der fremd klingenden Sprache erstaunlich nah am Zuhörer. Die Musiker haben ein sehr gutes Gefühl dafür, die jeweilige Thematik und Stimmung der Lieder rein musikalisch zu transportieren. „La Halha“ ist ausgewogen und abwechslungsreich, herzwerwärmend fröhlich und melancholisch zugleich und versprüht neben viel Charme auch jede Menge Metal-Feeling.

(Vom zweiten Album „“Volentat“)

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Brennus Music (Label)

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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