Pink Floyd

Delicate Sound Of Thunder

  • Artist: Pink Floyd
  • Album: Delicate Sound Of Thunder
  • Label: Pink Floyd Records
  • Release: 2017-11-17
  • Medium:
  • Bewertung:1

Nachdem schon in den letzten beiden Jahren der komplette Studio-Backkatalog von Pink Floyd nach und nach wieder auf Vinyl aufgelegt wurde, sind nun offenbar die Compilations und Livescheiben dran. Und auch mit denen lassen sich Pink Floyd Records keinerlei Vorwürfe machen: nach dem Motto „don’t fix it if it ain’t broke“ wurden auch die neuesten Ausgaben der Reissue-Reihe optisch identisch mit den Originalen und in exzellenter Qualität aufgelegt, so daß man sich nicht mehr auf Onlineportalen mit Anderen um eine angeblich NM+ erhaltene Scheibe prügeln muss, sondern ohne Gewissensbisse für weniger Geld einfach diese neuen Scheiben zulegen kann – auch, weil der Sound zwar behutsam remastert wurde, aber dabei den ursprünglichen Versionen sehr treu bleibt.

Im Falle „Delicate Sound Of Thunder“ bedeutet Authentizität aber natürlich auch, daß, wie bei allen Vinyl-Editinen des Albums, ‚Us And Them‘ im Gegensatz zur CD-Version hier fehlt und die Reihenfolge eine Andere ist. Ja, und das auf dem Cover immer noch behauptet wird, ‚Shine On You Crazy Diamond‘ sei von Part 1 bis 5 hier enthalten – tatsächlich handelt es sich um die aus Parts 1, 2, 4, 5 und 7 bestehende Version, die auf „A Collection Of Great Dance Songs“ erstmals vorgestellt wurde und im Prinzip ab da zur regulären Liveversion des Titels wurde. Das ist aber eben ausschließlich für Nerds interessant. Wichtiger ist natürlich, daß „Delicate Sound Of Thunder“ damals das erste vollständige Livealbum der Band darstellte und dementsprechend begeistert aufgenommen wurde. Neben jeder Menge Klassiker wie ‚Time‘, ‚Wish You Were Here‘ und ‚Comfortably Numb‘ wissen vor allem auch die Versionen der Songs vom damals gerade aktuellen Studioalbum „A Momentary Lapse Of Reason“ zu gefallen. Auf besagtem Studiowerk hatten nämlich statt Rick Wright und Nick Mason hautsächlich Studiomusiker deren Job übernommen. Wright war erst ab der Tour wieder offizielles Bandmitglied und Mason war nach eigener Meinung zu sehr außer Übung gewesen, um seinen Anforderungen an ein Studioalbum gerecht zu werden. Hier spielen sie nun beide, und trotz Unterstützung einer Busladung Extramusiker klingt das Ganze deutlich organischer. Klar, Siebziger- oder gar Sechziger-Fetischisten werden die Synthiedrums, Sequencer und Airbushangar-Hallsounds immer noch kräftig gegen den Strich gehen, aber so war das damals eben – was 1988 zeitgemäß klang, kann zwangsweise heute nicht mehr diesen Anspruch erfüllen. Damals waren nicht wenige Fans aber eben begeistert davon, wie staubfrei sich die Klassiker im modernisierten Soundgewand anhörten – und ja, natürlich ist der Sound der Scheibe dennoch exzellent.

Achtziger-Sound hin oder her, „Delicate Sound Of Thunder“ macht einfach Spaß. Natürlich kann man meckern, daß Roger Waters fehlt, aber wer das nach 32 Jahren noch nicht kapiert hat, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Alle Anderen bekommen hier die definitiven Versionen von ‚Sorrow‘ und dem völlig unterschätzten Geniestreich ‚On The Turning Away‘ sowie höchst gänsehautige Performances von vor allem ‚Time‘, ‚Comfortably Numb‘ und ‚One Of These Days‘ (mit Zitat des Titelthemas aus Doctor Who!). Das sieben Jahre später folgende „Pulse“ hatte zwar dank einer Stunde längerer Spielzeit die abwechslungsreichere Setlist, konnte aber in Sachen Spielfreude und Livefeeling seinem Vorgänger nicht das Wasser reichen.

Wie immer bei Pink Floyd Records ist auch die Pressung absolut vorbildlich ausgefallen, so daß eigentlich kein Vinylsammler zögern sollte, die Scheibe endlich in die Sammlung aufzunehmen. Wenn jetzt nur endlich die dazugehörige, gleichnamige VHS-Kassette endlich auf BluRay oder DVD erschiene und wir uns an Background-Schnuckel Rachel Fury in digitaler Qualität erfreuen könnten…

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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