V2

Showdown

Bei V2 handelt es sich nicht um die Ende der 1980er aus den Überresten von S.A.D.O. entstandenen Hardrocker um Fair Warning-Sänger Tommy Heart, sondern um eine niederländische Prog-Band, die bereits seit den Mittneunzigern aktiv sind und auch schon zwei Alben veröffentlicht haben. Diese sollen stark von Marillion, Rush und Alan Parsons Project beeinflusst gewesen sein, da sie dem Rezensenten jedoch unbekannt sind, mag das zutreffen oder auch nicht – „Showdown“ läßt zumindest keinen dieser Einflüsse erkennen.

Stattdessen gibt es hier größtenteils recht ordentlichen Melodic-Rock mit Betonung auf der zweiten Hälfte – eher Saga und Magnum in den 00er Jahren als Rush und Marillion. Die Arrangements sind relativ geradlinig, die Melodien höchst traditionell und die Gitarrenarbeit meist zurückhaltend und songdienlich – auch wenn das Gitarrensolo im ansonsten schönen ‚Hunt In Packs‘ ziemlich planloser Murks ist. Da passt auch die etwas unspektakuläre, aber angenehme Stimme von Ernst Honigmann gut ins Konzept. Soweit, so gut, V2 bringen tatsächlich eine Handvoll nicht überragender, aber anhörbarer Songs zustand. Immer dann, wenn V2 aber beweisen wollen, daß sie in der Lage sind, mit modernen Prog-Metal-Acts mitzuhalten, geht das tendenziell eher in die vielzitierte Hose. Da wären beispielsweise die albernen Versuche, „brutale“ Backing Vocals in Songs wie ‚Night Revelers‘ oder ‚Fist Over Hand‘ anzubringen. Sehr effektiv, wenn man einen Mikael Akerfeldt oder Chris Barnes zur Hand hat, wenn der „brutale“ Gesang allerdings eher an eine Haare auswürgenden Katze klingt, ist eher unfreiwillige Komik angesagt. Viel schwerer wiegt allerdings, daß bei den heavieren Passagen die ehedem alles andere als professionelle Produktion des Albums nicht mithalten kann. In den ruhigen Momenten, in denen Vocals und Keys dominieren, geht „Showdown“ soundtechnisch noch durchaus in Ordnung, aber sobald kraftvolleres Material ansteht, wird’s schwierig. Da wären allem voran die mies programmierten Drums, die an die frühesten Experimente mit dem Magix Music Maker (aus der End-1990er Fernsehwerbung: Einfach Musik machen!) erinnern und wohl deshalb auch bis kurz vor der Nichtexistenz in den Hintergrund gemischt wurden. Zwar ist im Booklet ein Drummer als Gastmusiker erwähnt, aber der ist entweder mit Angelo Sasso verwandt oder seine Tracks wurden derart schlampig editiert, daß es aufs Gleiche herausläuft. Das pure Hardrock-Stück ‚Servant/Caelum‘ ist zwar nicht schlecht komponiert, klingt aber soundtechnisch vollkommen unausgegoren – die Gitarre viel zu laut, die „Drums“ viel zu leise, Keys und Gesang irgendwo dazwischen verloren und der Bass nicht hörbar. Letztertes gilt dann leider auch für das Gesamtbild.

Einerseits mag ich es ja nicht, Bands, die ein Album in Eigenregie aufnehmen und veröffentlichen, abzuwatschen. Aber, da ordentliches Equipment heute für jeden Musiker erschwinglich ist und viele Bands selbst im Proberaum erstklassiges Material zusammenschustern können, muss eigentlich so etwas wie „Showdown“ nicht mehr sein. V2 sind ja auch keine grünen Newcomer mehr, da darf man also schon ein wenig Selbstreflektion erwarten. Von 2011 bis 2016 haben die Herrschaften laut Booklet an „Showdown“ gearbeitet – und man fragt sich, was sie in der Zeit getrieben haben. Schließlich zahlt man für „Showdown“ den gleichen Kurs wie für jedes andere Album, und da kann für „Showdown“ einfach keine Kaufempfehlung ausgesprochen werden. Wer es dennoch wagen möchte, wird im Webshop von Just For Kicks fündig.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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