ACHIM REICHEL geht mit seinen Machines wieder auf Grüne Reise

Achim Reichel dürfte Progressive Rock-Fans bislang eher am Allerwertesten vorbeigegangen sein. Klar, den Namen des The Rattles-Mitbegründers und späteren Deutschrockers haben die meisten wohl schon einmal gehört, doch über lange Jahre war es ein wohlgehütetes Geheimnis, dass Reichel sich in den Siebzigern auch gerne einmal experimentell und schwer psychedelisch betätigte: mit seinem Projekt „A.R. & Machines„. Nach einem elaboraten Boxset, das die längst vergriffenen Alben des Projektes inklusive neuer und unveröffentlichter Aufnahmen bündelte und einem ausverkauften Gig in der Elbphilharmonie im September 2017 präsentiert Reichel die Wiederauferstehung des

„innovativen Kunstprojekts“

im April und Juni auf Tour mit Stationen in Lübeck, Berlin, Hannover, Köln, Dortmund, Bremen und Hamburg.

A.R. & MACHINES: „The Art Of German Psychedelic“ – Live:

09. Apr 2018 – Berlin, Admiralspalast
10. Apr 2018 – Hannover, Theater am Aegi
12. Apr 2018 – Dortmund, Konzerthaus
13. Apr 2018 – Bremen, Glocke
22. Juni 2018 – Hamburg, Freilichtbühne im Stadtpark

Eher zufällig hatte Achim Reichel vor 47 Jahren entdeckt, dass seine neue Bandmaschine namens Akai X-330D dazu taugte, Gitarrenriffs zu loopen und in Endlosschleife abzuspielen, wozu sich herrlich jammen ließ. Heute dank digitaler Technik Standardwerkzeug jedes Postrock-Gitarristen, damals noch zu verrückt und durchgeknallt für den Mainstream. Die Wiederbelebung des seinerzeit kolossal gefloppten Projektes, das selbst Reichel lange Jahre gerne unter den Tisch kehrte oder zur

„Jugendsünde ohne Rang und nennenswerte Bedeutung“

erklärte, fußt auf den Freuden des Internet. Lange Jahre verstaubten nämlich die Original-Tapes in Reichels Keller, während eine gut erhaltene Ausgabe der Originalalben für bis zu 400€ den Besitzer wechselten.

„Bis das digitale Zeitalter anbrach und ich mit Mails belagert wurde, die nach dem alten Kram fragten. Als dann ›Die Grüne Reise‹ auf CD wiedererschien, habe ich mir die Rechte an meiner Musik zurückgeholt. Das war ein Scheißspiel und hat lange gedauert. Derweil kamen immer mehr Mails, es schien vor allem in England und Japan etliche Verrückte zu geben, die das Zeug haben wollten.“

Der Gig in der Elbphilharmionie wurde für Reichel dabei zum Knackpunkt.

„Da ist er auf seine alten Tage dann doch noch mal nervös geworden, das kannte ich ja gar nicht mehr.“

Es habe schon Zweifel gegeben, ob der Auftritt eine gute Idee wäre,

„aber irgendwie war der Termin vom Himmel gefallen, so leicht kommt man da ja nicht rein. Und das war für mich sowas wie ein Adelsprädikat. Auch wenn ich vorher schlecht schlief und mir ständig dachte, wenn das schiefgeht, blamierst du dich bis auf die Knochen. Womöglich langweilst du die Leute, was viel Schlimmeres gibt’s ja kaum. Ich habe mich auch geweigert, vor dem Tag des Konzerts die Elphi zu betreten.“

Oder eine Setlist zu schreiben, womöglich zu proben. Machte alles keinen Sinn,

„wir haben das als Session gemacht. Hinstellen, spielen und mal gucken, was so passiert.“

Was passierte, überraschte Reichel wohl selbst:

„Von überall her kommen nun Anfragen. Und ich habe Mut gefasst, denn inzwischen glaube ich, dass wir mit dieser Musik damals unser eigenes Ding gefunden hatten, das durchaus eine beachtliche Halbwertzeit besitzt. Auch weil damals die Zeit noch gar nicht reif dafür war.“

Konzertveranstalter Karsten Jahnke schaffte es sogar, Achim Reichel zu einer richtigen Tour mit seinen Machines zu überreden:

„Das ist für jemanden wie mich, der glaubte, schon alles erlebt zu haben, echt ein Ding. Mensch, ich werde nächstes Jahr 74!“

Die Band besteht für diese Termine aus Achim Reichel (g, machines), Nils Hoffmann (key, g, machines), Achim Rafain (b), Olaf Casalich (perc), Yogi Jockusch (perc) und Stefan Wulff (Livemix).

Fotos: H. Rancke

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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