FJØRT

Kontakt

FJØRT waren und sind Exoten. Man hört in der (Post-)Hardcore-Szene nun wahrlich oft deutsche Texte, die durch das Mikrofon gebrüllt werden. Noch dazu legen die drei Herren dabei eine Lyrik an den Tag, von der Größen wie die „New York Hardcore!“-brüllenden Agnostic Front nur träumen können. Durch ihre immense Energie und ihren Tiefgang haben sich die Aachener eine Sonderstellung erspielt. Nun folgt das dritte Album. Sänger Chris sieht das Ganze eher pragmatisch und trifft damit den Nagel auf den Kopf:

‚Am Ende des Tages wollen wir uns auskotzen.‘

Auch auf ‚Kontakt‘ wird viel gekotzt, was in diesem Zusammenhang jedoch eher eine Metapher für besonders viel kreativen Output statt für das Absondern übelriechender Reste ist.

Von der ersten Sekunde an zieht einen das Trio in den Bann. Der Opener heißt ‚In Balance‘. Treffender könnte man das, was dann folgt, auch nicht beschreiben. FJØRT stellen eine Ausgewogenheit her zwischen Laut und Leise, zwischen aggressiv und ruhig zur Perfektion. Nur Wut, die ist immer zu spüren. Die Dramatik fließt quasi aus den Boxen. Im Laufe des Albums fühlt man sich wie in einem nervenaufreibenden Thriller, dessen Ende nicht vorhersehbar und dessen einziger Anhaltspunkt die Wut ist. Auch textlich ist ‚Kontakt‘ mal wieder sehr ausdrucksstark und anspruchsvoll. Es ist schier unmöglich, nach dem ersten Hören jede Metapher richtig zu deuten. Sänger Chris malt Bilder mit seinen Wörtern, die meist düster sind. Es geht um unsere Gesellschaft und was hier schief läuft, um zwischenmenschliche Beziehungen, die zum Scheitern verurteilt sind.

‚Bitte sei für mich / Was ich bin für dich / Doch damit kann nur verlieren / Wir sind nur gleich auf dem Papier‘

Zwei Singles haben FJØRT im Vorfeld schon ausgekoppelt. Zwei Songs, die zweifellos zu den Hits der Platte gehören. ‚Lichterloh‘ und ‚Anthrazit‘ sind jedoch auch die Anker, die das Album festhalten. Es sind also keine typischen Hits, sondern gehören eher zu den solideren Songs, an denen man sich immer wieder festklammern kann, wenn einem der Rest zu viel wird. Auffälliger und, besser noch, unbequemer sind da schon Songs wie ‚Abgesang‘, ‚Mantra‘ oder ‚Lebewohl‘. Diese Lieder rufen die verschiedensten Gefühle in kürzester Zeit hervor. Eine ähnliche Atmosphäre erzeugen die Nordlichter von Turbostaat. FJØRT sind nur deutlich lauter und klingen noch wütender. In Sachen Kreativität – egal ob textlich oder instrumental – liegen die beiden sicherlich auf Augenhöhe. ‚Kontakt‘ klingt nach FJØRT ohne, das man neue Einflüsse vermisst. Das Album ist ein Gesamtwerk: Die Songs funktionieren zwar einzeln, entfachen ihre ganze Wirkung erst, wenn man das Album von vorne bis hinten durchhört. Die Aachener haben hier ein äußerst spannendes und brachiales Album geschaffen, bei dem man hin und her, rauf und runter geschüttelt, in die Luft geworfen und auf den Boden zurückgeholt wird.

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