Kettlespider

Kettlespider

Australien galt lange Zeit ausschließlich als Lieferant alkoholgetränkten Boogie-Hardrocks haben in den letzten Jahren im Prog-Underground eine Menge interessanter neuer Acts ins Rennen geschickt. Neben Anubis oder Caligula’s Horse wurden in Insiderkreisen auch Kettlespider immer wieder gennannt, wenn es um neuen, unentdeckten Prog-Stoff aus Down Under ging.

Nun liegt mit „Kettlespider“ das zweite vollständige Album der Band vor, und wie bei Caligula’s Horse dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich eines der einschlägigen Labels die Band unter den Nagel reißt. Denn Kettlespider spielen modernen, kraftvollen Instrumentalprog, der trotz des Fehlens von Gesangslinien höchst eingängig und unverkopft klingt. Das liegt einerseits daran, daß die Band zwar die Härte des progressiven Metal bisweilen ausnutzt, aber kaum eins der stilistischen Merkmale – Kettlespider sind klar eine Rock- und keine Metalband. Andererseits erinnern viele der Kompositionen durch ihren kräftigen Fusion-Schlag an die Arbeiten von Jan Hammer mit Jeff Beck und dem Mahavishnu Orchestra – und auch die Gitarren scheinen mehr von Allan Holdsworth und Joe Satriani (man nehme nur das höchst satrianiesque ‚Samsara‘) beeinflusst als, sagen wir, von Petrucci oder Akerfeldt. Das bedeutet, daß sich Kettlespider vom Groß der Genre-Konkurrenz soundtechnisch also schon einmal deutlich abheben. Ein weiteres Plus der Band, das der Eingängigkeit des Materials sehr zugutekommt, ist ihre Fähigkeit, die Songideen nicht überzustrapazieren. Nur mit ‚Anubis‚ (ein Tribut an die Kollegen?), ‚Life‘ und ‚Rebirth‘ überschreitet die Band die Sechs-Minuten-Grenze, dafür schaffen es beispielsweise ‚The Climber‘ und ‚Samsara‘ in gerade einmal zweieinhalb Minuten, ihre Botschaft an den Mann zu bringen und dennoch vollständig ausgereifte Songs darzustellen, nicht nur Fragmente. Auch insgesamt kommt man mit 37 Minuten Albumlänge auf den Punkt und gönnt sich keinerlei Füllmaterial.

Lediglich die etwas matschige Produktion (auch aufgrund des dominanten, meist angezerrten Basssounds) verrät, daß man es hier mit einer Eigenprodukton zu tun hat. Ansonsten beeindrucken Kettlespider mit einer enormen Musikalität und Reife, die wohl auch daher kommt, daß die Band sich offensichtlich in den letzten Jahren sprichwörtlich den Allerwertesten abgespielt hat. Und auch im Prog gilt eben: eine eingespielte Band ist den meisten Ein-Mann-Projekten schon mal eine Nasenlänge voraus. Sehr empfehlenswert – und einmal mehr zu beziehen über den Webshop von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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