Skinny Lister

Down On Deptford Broadway

  • Artist: Skinny Lister
  • Album: Down On Deptford Broadway
  • Label: Xtra Mile
  • Release: 2015-04-24
  • Medium:
  • Bewertung:3-

Man nehme Flogging Molly oder die Dropkick Murphys, entferne die elektrischen Gitarren, reduziere das Tempo um die Hälfte und ersetze die raustimmigen Sänger durch frischgebackene Gesangs-‚Talente‘ von DSDS. Dazu noch eine Prise radiofreundliche Melodien und fertig sind Skinny Lister. Folk-Punk-Light für schunkelwilliges Publikum unter nullkommafünf Promille. Nun kann man natürlich anmerken, dass Skinny Lister keine reine Punk-Band ist und streng genommen auch keinen Irish Folk, sondern British Folk macht. Und da wir unsere Stereotype fleißig gelernt haben, wissen wir, dass Briten ein Tee schlürfendes, vornehmes und zurückhaltendes Volk sind (außer zu Fußballspielen und nach der Kneipenschließstunde). Das alles macht es jedoch nicht besser und ändert wenig daran, dass ihr Sound weichgespült und glattgebügelt klingt. Wer das Debütalbum Forge & Flagon kennt, weiß was ihn erwartet. Das neuste Album, Down On Deptford Broadway, unterscheidet sich nicht wesentlich von seinem Vorgänger.

Einige Titel, wie ‚Trouble On Oxford Street‘ oder ‚Cathy‘, sind etwas flotter und poppiger, ansonsten erwartet den Hörer die gewohnte Kost. Grundsätzlich sind die Melodien gar nicht mal schlecht. Songs wie ‚This Is War‘ könnten eigentlich wahre Stimmungsgranaten sein, wären sie nicht so schrecklich handzahm und brav. Die klare aber total farblose Stimme von Sänger Daniel Heptinstall und die freundlichen Akkorde stehen fast schon im satirischen Widerspruch zum martialischen Text des Liedes, den auch die Hools vom Chelsea FC hätten gedichtet haben können. ‚Raise your cannons raise your colors…fight the fight, the fight we live with…this is war!‘ Ironischer Weise sind es gerade die beiden (recht ähnlichen) ruhigen Tracks der Platte, die am positivsten hervorstechen. In ‚Bonny Away‘ und ‚The Dreich‘ singt ausschließlich Lorna Thomas, während sie von Gitarre, Violine und Schellen begleitet wird. Dies wirkt wesentlich authentischer und vermittelt mehr Herz und Seele als die übrigen prätentiösen Stimmungslieder. Fazit: Ein Besuch zum Live-Musikabend im örtlichen Irish Pub ist lohnenswerter.

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