The Rome Progject

Exegi Monvmentvm Aere Perenniv

  • Artist: The Rome Progject
  • Album: Exegi Monvmentvm Aere Perenniv
  • Label: Eigenproduktion / Just For Kicks
  • Release: 2018-01-05
  • Medium:
  • Bewertung:2

Vincenzo Ricca trifft mit seinem „The Rome Pro(g)ject“ so richtig ins Zentrum aller Italo-Prog-Klischees. Symphonisch, pompös, keyboardlastig, hochmelodisch, verspielt, oft haarscharf an der Kitschgrenze vorbei und gelegentlich auch mit voller Fahrt drüber hinaus – aber auch irgendwie ziemlich geil. Kein Wunder, daß sich hierfür gerne mal Gäste wie Steve Hackett einfinden – so auch auf dem dritten Album des Pro(g)jekts.

Erneut geht Vincenzo komplett instrumental zur Sache, und auch die getragene, konzertante Atmosphäre bleibt erhalten. Wer also die ersten beiden Scheiben mochte, kann hier bedenkenlos zugreifen. Auch David Cross greift wieder zur elektrischen Violine, und der nach wie vor bei Van Der Graaf Generator abtrünnige David Jackson sorgt für schickes, gerne auch mal angejazztes Getute. Das ist nun gar nicht despektierlich gemeint, das Booklet unterstellt ihm gar, nur „winds“ zu verbreiten. Hm. In Van Der Graaf-Paranoia schlägt hier aber nichts, keine Angst, selbst in den von Jackson geprägten Songs bleibt alles harmonieverliebt und im Fluss. Was soll man auch erwarten bei einem Album, dessen Songs zur Hälfte altrömische (!) Titel tragen und zur anderen Hälfte Titel wie ‚Of Myths And Gods‘? Dazu passt dann auch das mit diversen antiken Fresken, Reliefs, Gebäuden und sonstigen Relikten (nein, das durchaus rustikal anmutende Gesicht des Herrn Jackson meine ich damit nicht!) geschmückte Booklet, das im Zusammenklang mit der Musik wirklich das – für alle Nichtzeitreisenden freilich nur imaginäre – Flair des klassischen Rom einfängt. Lediglich zwei Songs verlassen den historischen Kontext: ‚476 A.C. (Song For Wetton)‘ erinnert ein wenig an dessen Unsterblichkeitserklärung ‚Starless‘, und ‚AERE PERENNIVS II (Song For Emerson)‘ hat sicher nicht ganz zufällig ein paar atmosphärische Gemeinsamkeiten (ohne tatsächlich Ideen zu mopsen) mit Passagen von ‚Tarkus‘ und ‚Pirates‘.

Wie alles in der Musik ist die Musik, die uns Vincenzo und seine Kollegen hier kredenzen, beinharte Geschmacksfrage. Wer die düster-harte, moderne Variante des Prog a la Riverside, Steven Wilson und Opeth bevorzugt, wird hier mit Sicherheit das kalte Grausen bekommen. Wer allerdings nach wie vor gerne die alten Genesis, ELP, PFM oder Anthony Phillips auflegt, wird sich hier bestens unterhalten fühlen. Eine wirklich schöne Scheibe, die einlädt, die Seele baumeln zu lassen und sich ins Reich der alten römischen Legenden versetzen zu lassen. Zu kaufen gibt’s das Teil im Webshop von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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