Kennt ihr schon … ANCST?

Die Berliner Formation Ancst hat einen beachtlichen Back-Katalog an Veröffentlichungen aufzuweisen, zumal sie erst seit 2011 existiert. Hört man sich die Band damals und heute an, dann zeigt sich eine enorme Entwicklung. Auch das neue Album „Ghosts Of The Timeless Void“ ist wieder ein Schritt nach vorn, vor allem in Sachen Extreme. Grund genug mal in Berlin anzuklopfen und hören, was Bandleader Tom so von sich gibt.

Ancst Band Pic 2020

Zuerst gebt doch bitte einen kurzen Abriss der Bandgeschichte? Wann habt ihr angefangen, was ist seitdem passiert und wo soll es noch hin gehen?

Tom: Ancst habe ich mit meinem Kumpel Torsten 2011 als Studioprojekt aus der Taufe gehoben. Irgendwann haben wir eine Liveband aus Freunden rekrutiert und angefangen, Touren zu spielen. Torsten ist dann leider nach der Split mit King Apathy ausgetreten. Seitdem mache ich alles allein. In der Zeit seit 2011 haben wir 23 Veröffentlichungen rausgebracht, haben sechs größere Touren gespielt, einige bekannte und unbekanntere Festival beackert und dabei eine Menge Spaß gehabt. Wo soll‘s hingehen? Ich denke, ich mach das einfach so lange so weiter bis ich keinen Bock mehr hab.

Warum heißt eure Internetseite ancstcollective.com? Was bedeutet das Kollektiv im Zusammenhang mit dem Bandnamen?

Tom: Das ist übrig geblieben von dem Grundgedanken, den wir am Anfang hatten. Wir wollten halt eigentlich ein immer wechselndes Line-up aus Freunden, die alle irgendwie zur Musik beitragen. Ist nichts daraus geworden. Jetzt ist es eher eine Diktatur! Haha!

Schaut man sich die Diskografie von Ancst an, ergibt sich das Bild einer hyperaktiven Band. Auch weil sich Veröffentlichungen mit Ambient-Sounds darunter befinden. Ist das Bild gerechtfertigt? Und: Woher kommen diese Hummeln im Arsch?

Tom: In Realität bin ich alles andere als hyperaktiv … aber ja, ich hatte ein paar gute Jahre, in denen ich Bock hatte, Songs zu schreiben und Platten zu veröffentlichen. Ich mochte schon immer Bands mit großen Diskografien, die sich nicht an dieses Album/Single-Ding halten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist wahrscheinlich auch, dass ich nicht jedes Mal in ein Studio rennen muss, sondern dass ich das alles einfach bequem zu Hause aufnehme. Manchmal komm ich dann halt von Maloche und nehm noch ein paar Riffs auf oder dudel auf dem Keyboard rum.

Ich bin nicht für die Bekehrung von dummen Menschen verantwortlich

Ancst spielen eine ziemlich extreme Mischung aus Black Metal, Grindcore und Metalcore. Woher stammen die Einflüsse, die die Band in diese heftigen Gefilde führt?

Tom: Nun ja Ich bin halt mit Extreme Metal und all seinen Subgenres und natürlich Hardcore Punk sozialisiert worden. Ich mochte das auch immer beides. Metalcore war da auch genau mein Sound, verband er doch das beste aus beiden Welten. Ich höre immer noch mega gerne die Veröffentlichungen deutscher Metalcore-Bands aus den späten 90ern / Anfang 2000. Alles was mit As I Lay Dying kam, war aber dann nicht mehr mein Ding.

Ansonsten habe ich halt zehn Jahre in einer Powerviolence-Band gespielt und habe Unmengen an Ballermucke aus dem DIY-Bereich gehört. Eine lange Scramz-Phase hatte ich auch und habe irgendwann halt Drone/Ambient/Noise für mich entdeckt. Dark Ambient und Dungeon Synth sind die Genres, auf denen ich dann nach langem Ausprobieren hängengeblieben bin. Na ja, wenn ich Musik mache, schmeiß ich wohl alles in einen Topf, worauf ich grade Bock habe. Ist wie beim Kochen.

Die Jungs von Thränenkind, mit den Ancst eine Split-Ep gemacht haben, haben sich dazu geäußert, wie schrecklich sie es finden, dass ihre Musik von NSBM-Anhängern gehört wird und diese auch auf deren Konzerten auftauchen. Wie sind eure Erfahrungen mit diesem Thema? Wie geht ihr damit um?

Tom: Also grundsätzlich taucht keine Nase freiwillig auf unseren Konzerten auf ,denk ich. Das sind meistens Metaller, die das mit Kunst und Künstler trennen, anders sehen als wir. Ich bin mir sicher, dass es auch Leute aus dem rechten Spektrum gibt, die unsere Musik hören, einfach nur, weil sie die Mucke gut finden. Viel machen kann ich da aber nicht. Wir sind ja ziemlich konkret und nach außen hin sehr transparent, wenn es darum geht, wie wir über Faschos denken.

Aber mehr als das in Songs zu thematisieren, bei Liveshows zu erklären, dass uns Antifaschismus wichtig ist und bei Shows, wo wir die Kontrolle haben, eine vernünftige Door-Policy durchzuboxen, geht in den meisten Fällen nicht. Ich bin auch nicht für die Bekehrung von dummen Menschen verantwortlich. In den meisten Fällen sind die Leute alt genug, ihre Entscheidungen selber zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben. Dadurch dass wir von Anfang an eine Außenseiterrolle in den verschiedenen Subgenres eingenommen haben und das Gegenteil einer richtigen BM-Band sind, ist der ganze NSBM-Kelch aber weitgehend an uns vorbeigegangen.

Ancst verarbeiten auch kritische Standpunkte zu Politik, Gesellschaft usw. Mit welcher Absicht äußert sich die Band zu aktuellen Themen? Ist dies manchmal nicht auch ein Kampf gegen Windmühlen?

Tom: Ich mach das nicht wirklich für andere Menschen. In erster Linie mach ich das, weil mich diese Dinge beschäftigen und emotional treffen und weil ich sie für mich verarbeiten muss. Wenn auf diesem Weg irgendjemand davon inspiriert wird, Dinge in dieser Welt zu hinterfragen, dann ist dem so. Wie gesagt, ich muss niemanden zu meiner Sicht der Dinge bekehren. Die Leute sind alt genug. Trotzdem empfinde ich die direkte Konfrontation der Menschen als einen sehr heilenden Prozess. Und ja, es ist ermüdend den ganzen Mist, um uns herum jeden Tag zu sehen. Ancst ist meine Art, damit umzugehen und ich lade jeden herzlich dazu ein, das mit mir zu teilen.

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Homepage von Lifeforce Records

Foto: www.lemmor-photography.com

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