Interview TORRENTIAL RAIN – „Ich hupfe gern in kaltes, eisiges Wasser“

Es gibt gute Bands, die wie selbstverständlich ihren Weg gehen und ruckzuck einen hohen Bekanntheitsgrad erreichen. Dann gibt es gute Bands, die jahrelang unterm Radar fliegen. und eher zufällig bei Whiskey Soda landen. Ein Beispiel dafür ist die Nürnberger Combo Torrential Rain, welche in letzter Zeit durch die zwei Songs „Home Alone“ und „Strung Out“ aufgefallen ist. Torrential Rains abwechslungsreiche Mischung aus Prog und Metalcore erreicht eine immer größer werdende Fangemeinde. Das aktuelle Album „Transitions“ erschien 2018 und ist hier erhältlich.
Whiskey Soda hatte die Möglichkeit, die Band für einen Tag bei einem Videodreh zu ihrer neuen Single „Deaf Ears“ zu begleiten und ein Interview zu führen.

 

Stellt Euch doch mal vor. Wie habt Ihr zusammengefunden?
Ich bin Dario, 24 Jahre alt und sitze seit 2015 bei Torrential Rain an den Drums.
Ich bin Gordy, 29 Jahre alt und verantwortlich für Gitarre und Backing Vocals
Ich bin Domi, 25 Jahre alt, spiele Bass, mache Backing Vocals und bin zusammen mit Chris eins der ursprünglichen Gründungsmitglieder von Torrential Rain. Zusammen mit unserem alten Drummer und ehemaligen Gitarristen haben Chris und ich im Jahre 2012 TR gegründet. Nach einem Besetzungswechsel am Schlagzeug und zwei Wechseln an der Gitarre sind wir zu dieser super Kombi geworden.
Ich bin Chris, 27 Jahre alt, spiele Gitarre und bin Sänger unserer Band.

Was macht Ihr, wenn Ihr nicht mit der Band/Musik beschäftigt seid?
Dario: Abseits der Band/Musik bin ich der Quoten-Businessman von uns – bin also viel in Tabellen zuhause. Den Rest der Zeit findet man mich entweder im Gym oder in Bars. Oder im Bett.
Gordy: Ich hupfe gern in kaltes, eisiges Wasser, springe gerne mal 60 min Seil und brauche leidenschaftlich gerne bei jedem Bossfight in „Dark Souls“ besonders lang.
Domi: Ich bin der Prototyp eines Studenten, habe ca. 40 Nebenjobs und schaue bei einer Shisha am Abend Gordy beim Scheitern in seinen Bosskämpfen zu.
Chris: Ich bin ein leidenschaftlicher Zocker seit meiner frühesten Kindheit und verbringe daher auch viele Abende vor der PlayStation. Highlights dabei sind selbstverständlich auch für mich Gordys klägliche Bosskampf-Versuche.

Wie seid Ihr auf Euren Namen gekommen, was hat es mit der „Sintflut“ auf sich?
Dario: Auf den Begriff sind wir durch die Textzeile eines Trivium-Songs gekommen. Der Name symbolisiert, für was wir mit unserer Musik stehen: (Energie; im Auge des Sturms)

 

Dario

Lasst uns über Eure aktuelle Single „Strung out“ sprechen. Es geht in dem Song unter anderem um Depressionen. Verarbeitet Ihr in Euren Songs viele eigene Erfahrungen?
Gordy: Domi und ich hatten die letzten zwei Jahre eine harte Zeit. Eigentlich das Übliche, das jeden treffen kann: Wir beide sind aus langen Beziehungen raus und von mir ist ein sehr guter Freund an Krebs gestorben. Das kann ganz schön zusetzen und kann die Abwärtsspirale gut ankurbeln.
Chris: Beim musikalischen wie auch beim lyrischen Inhalt der Songs versuche ich mich immer eines Konzeptes zu bedienen. Bei manchen sind es abstrakte Gedanken wie bei „Home Alone“, bei manchen nur allzu reale Dinge wie Depressionen und negative Gedanken. Bei „Strung Out“ habe ich versucht eine Mischung aus eigenen Gedanken und deren meiner Bandkollegen zu formen.

Ihr habt in „Home Alone“ verstärkt mit Synthesizer gearbeitet. Ist angedacht, dass Ihr für die Zukunft ein fünftes Bandmitglied verpflichtet?
Dario: In gewisser Weise haben wir mit unseren Backing-Tracks, die über den Computer laufen, bereits ein fünftes Bandmitglied, das im Zweifel sogar Gitarre spielen kann. Mehr braucht es eigentlich nicht.
Gordy: Wir könnten dem Backing-Track auch einen Namen geben: Winfried wäre super! Winfried ist super. Immer auf die Zwölf von der Tightness her.
Chris: Ein fünftes Bandmitglied müsste nicht nur ein absoluter Allrounder sein, sondern auch damit zurechtkommen, manchmal vier Dinge gleichzeitig zu tun und manchmal mehrere Minuten lang gar nichts. Alle Orchester, Synthesizer, Samples, zusätzliche Gitarrenparts, Bläser – Ja, in „Strung Out“ sind Bläser verbaut. Wer sie findet bekommt nen Keks! – usw. übernimmt der PC im Live-Kontext. Der Ansatz, den ich momentan beim Songwriting verfolge, ist nicht festgesetzt auf ein bestimmtes zusätzliches Instrument oder einen bestimmten Sound. Von daher überlassen wir Winfried die Aufgabe.

Die letzten beiden Singles wurden ja von Christoph Wieczorek (Gitarrist und Sänger bei Annisokay) gemischt. Werdet Ihr auch in Zukunft zusammenarbeiten?
Dario: Wir haben definitiv vor, weiter mit Christoph zusammenzuarbeiten: Sein Verständnis von unserem Sound-Anspruch trifft wirklich immer ins Schwarze! Never change a winning team!
Chris: Christoph ist ein super angenehmer Zeitgenosse, mit dem es wirklich Spaß macht an dem finalen Sound der Songs zu arbeiten. Er ist darüber hinaus musikalisch wie auch als Sound Engineer ein großes Vorbild für mich.

 

Gordy

Arbeitet Ihr aktuell an einem neuen Album, auf dem diese beiden Tracks erscheinen?
Dario: Derzeit bleiben wir bei unserem System, in kürzeren Abständen einzelne Singles rauszubringen. So bekommt man als Fan unsere musikalische Entwicklung deutlich besser mit, als wenn man zwei bis drei Jahre lang auf neue Musik warten muss.
Gordy: Der Fokus kann somit vollkommen auf einen Song gesetzt werden. Wir haben bereits bei „Strung Out“ und „Home Alone“ nur davon profitiert. Alle Kreativität fließt in ein Projekt.
Chris: In diesem Jahr wollten wir uns einfach darauf konzentrieren, die beste Musik rauszubringen die wir bis jetzt gemacht haben. Der Ansatz von „one at a time“ funktioniert gerade extrem gut und bringt so viel mehr Möglichkeiten mit sich, jede kleinste Nuance eines Songs zu perfektionieren. Das soll natürlich nicht heißen, dass in Zukunft keine CDs/Alben mehr von uns rauskommen werden.

Eure Musik kann man durchaus als komplex bezeichnen. Wer von Euch ist der Treiber für die Arrangements?
Gordy: Chris bringt den Anspruch, was ich persönlich liebe. Es bringt mich persönlich jedes Mal technisch an die Grenzen und dadurch komme ich immer wieder weiter voran.
Chris: Musikalisch wie auch lyrisch wird alles in meinem bescheidenen Homerecording-Studio vorproduziert. An meinen Entwürfen arbeite ich fast jeden Tag und versuche mich dabei selbst so selten wie möglich zu kopieren. Der Anspruch an unsere Musik ist nicht zwangsläufig der, die kompliziertesten Taktwechsel zu haben, am schnellsten zu spielen oder die unkonventionellsten Rhythmen zu schreiben. Viel eher versuche ich mich mit jedem Song ein kleines Bisschen neu zu erfinden um mich und vor allem den Zuhörer mit jedem Song zu überraschen. Die Jungs helfen mir dann dabei alles in Kontext zu setzen und meine Werke manchmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das ist extrem wichtig für die Art wie unsere Musik entsteht.

Ihr standet bereits mit Bands wie Kvelertak, Equilibrium oder Illumenium auf der Bühne. Gibt es eine Wunschband, mit der Ihr Euch gerne mal die Stage teilen würdet?
Dario: Ein Support für Alexander Marcus wäre das absolute Karriere-Highlight! Persönlich würde ich mega gern mal mit Ice Nine Kills die Bühne teilen.
Gordy: Naja, ich bin dran, dass wir Vorband von Mark Forster werden. Das würde vom Look her ziemlich passen. Aber, wenn das nichts wird, wäre ich auch mit Architects, Polaris oder Imminence zufrieden.
Domi: Ich würde liebend gern die Bühne mit Annisokay teilen. Die Jungs machen Hammer Musik und die Zusammenarbeit mit Chris läuft so gut, da möchte man dann auch mal zusammen ein Paar Bühnen bespielen.
Chris: Alexander Marcus ist natürlich der leuchtende Stern am Himmel den wir wohl nie erreichen werden. Die Hoffnung geben wir aber nicht auf, eines Tages mal mit dem King auf der Bühne zu stehen. Ich schätze ich würde mich aber auch mit meinen absoluten musikalischen Vorbildern aus Periphery, Polyphia oder Trivium begnügen wenn’s unbedingt sein müsste.

 

Domi

Apropos Tour. Was hattet Ihr für dieses Jahr geplant und was wurde durch COVID-19 über den Haufen geschmissen?
Dario: Wir hatten eine deutschlandweite Tour in Planung und bereits einige gute Shows bestätigt. Wir hoffen natürlich, diese Auftritte baldmöglichst nachzuholen.
Chris: Der geplante Mars-Gig muss wohl erstmal abgesagt werden, aber das holen wir nach! Ruf mich an, Elon!

Wie geht Ihr persönlich mit der aktuellen Situation um? Hat diese Auswirkungen auf Eure Arbeit?
Dario: In Hinblick auf unsere Produktivität war die Gig-Pause sogar von Vorteil: Hinter den Kulissen wird bei uns permanent gearbeitet und geplant und wir können uns mit voller Energie auf aktuelle und künftige Releases konzentrieren.
Gordy: Ich bin auch der Meinung, dass du für deine Band immer etwas tun kannst. Klar, ich wäre am liebsten auf der Bühne. Jetzt geht es halt dran, andere Baustellen wie Social Media etc. anzugreifen oder total kreativ zu werden und mit innovativen Ideen auf sich aufmerksam machen.
Chris: Klar ist es unglaublich nervig, keine Konzerte spielen zu können, vor allem jetzt wo wir mit neuem Material auffahren könnten. Das Gute an der ganzen Sache ist, dass die Arbeit an den Songs jetzt meine volle und ungeteilte Aufmerksamkeit genießt.

Gab es Pläne für zum Beispiel Auto- oder „Strandkorb-Konzerte“?
Dario: Vielleicht mal ein A-Capella-Konzert?
Gordy: Ich wäre da offen für alles.
Chris: Explizite Pläne gibt es leider noch nicht. Eine Akustik-Session könnte ich mir aber durchaus vorstellen

Gibt es schon Pläne für das kommende Jahr oder seid Ihr eher vorsichtig aufgrund der Situation?
Dario: Wir hoffen natürlich, nächstes Jahr wieder auf die Bühne zurückkehren zu können und sind immer fleißig am planen dafür. Ansonsten bleibt uns erstmal abzuwarten, wie sich die Lage bis nächstes Jahr ändert.
Chris: Elon hat mich gerade angerufen. 2021 wird ultra!

Chris

Ihr habt heute erneut ein Video gedreht. Erzählt doch bitte mal, worum es in den Song „Deaf Ears“ geht.
Dario: „Deaf Ears“ bildet den textlichen Vorläufer zum Endzeit-Szenario, das wir in „Strung Out“ behandelt haben. Der Song handelt also vor allem davon, wie eine Person in so eine ausweglose Situation geraten kann.
Gordy: Keiner kann dich mehr erreichen. Freunde, Familie, Partner egal wer, sie kommen nicht an dich ran. Das wird dann in dem Video zu sehen sein.
Chris: Im Song befindet man sich in der Außenperspektive des in „Strung Out“ behandelten Themas. Auch wenn man sein bestes versucht, der Person zu helfen und die Situation zu verbessern erreicht man nur, dass sich diese weiter entfernt. Das kann ganz leicht zu Unverständnis führen und die ganze Situation nur noch verschlimmern.

Das klingt interessant. Kannst Du dies näher beschreiben?
Chris: Dem Hörer stellt sich die Frage: Riskiere ich, selbst mit in das gleiche Loch zu fallen oder versuche ich noch ein letztes Mal die Hand auszustrecken? Hier gibt es eine Fülle an Interpretationsmöglichkeiten die ich persönlich immer enorm wichtig finde für den Text eines Liedes. Ich finde auch den Ansatz, eine Situation aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten, sehr interessant und ergiebig für neue Songideen. Ich freue mich sehr darauf zu hören, wie „Deaf Ears“ ankommen wird und welche Emotionen oder Interpretationen der Song beim Hörer auslösen wird.

 

 

Abschließend noch ein paar kurze Fragen mit der Bitte um kurze Antwort.

Club oder Fädd? (Anmerkung der Redaktion: Zwei Fussballvereine aus Mittelfranken)
Chris: Glubb
Dario: Glubb!
Gordy: Ich bin für Fett. Ist am kuschligsten.
Domi: Weder noch ehrlich gesagt… wenn dann Ajax Amsterdam!
Weizen oder Helles?
Chris: Weizen
Dario: Weizen!
Gordy: Weizen!
Domi: Dunkles! Aber von denen beiden dann Helles
Prog oder Core?
Chris: Core
Dario: Core.
Gordy: Core
Domi: CORE!!
Hallenshow oder Festival?
Chris: Festival
Dario: Festival.
Gordy: Hallenshow.
Domi: Festival
Bayern oder Franken?
Chris: Franken
Dario: Franken alderla!
Gordy: Oberbayern. Da gibt es Bergseen. Mag ich.
Domi: Franken
Schäuferla oder Karpfen? (Anmerkung der Redaktion: Zwei Spezialitäten aus Mittelfranken)
Chris: Schäuferla
Dario: Schäuferla. Immer.
Gordy: Was Dario sagt.
Domi: Krapfen!

Einen ausführlichen Bericht zum „Deaf Ears“-Videodreh werden wir im Oktober veröffentlichen.
Photo Credit: Andre Schnittker
Interview: Andre Schnittker

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