Harem Scarem – Immer der Nase nach

Harem Scarem haben noch nie ein wirklich schlechtes Album veröffentlicht. Das letzte Studiowerk "United" ist aber selbst im hochklassigen Backkatalog der Kanadier eine echte Perle geworden. Gitarrist Pete Lesperance hat sich Zeit genommen, Whiskey-Soda ein paar Fragen zum Album zu beantworten.

WS: Hallo Pete! Erst einmal vielen Dank für Deine Zeit! Ich fange gleich mal mit ein wenig Einschleimen an: Nach fast dreißig Jahren habt ihr es geschafft, mit „United“ ein Album herauszubringen, das nicht nur modern, zeitgemäß und relevant klingt, sondern auch zu den besten Alben Eurer Karriere gehört. Habt Ihr während der Arbeit daran schon gemerkt, daß Ihr etwas Besonderes vor Euch habt oder war es „einfach nur ein weiteres Album“, das besonders gut ausgefallen ist?

Pete Lesperance:

Vielen Dank, für die netten Worte, Sascha. Wir versuchen zwar immer, Songs mit starken, melodischen Hooklines und interessanten musikalischen Elementen zu schreiben, aber darüber hinaus gab’s keinen großen Plan, als wir mit dem Schreiben begonnen haben.
Ich denke, wir haben schon versucht, ein wenig mehr Uptempo abzuliefern, aber das Album hat sich organisch entwickelt und ist einfach so geworden, wie es nunmal ist, zum Besseren oder Schlechteren. Zu unserem Glück scheinen es die Leute zu mögen…

WS: „United“ scheint auch wieder etwas abwechslungsreicher und experimenteller als seine unmittelbaren Vorgänger zu sein. Manche Songs haben sogar einen leichten Country-Touch, und auf einigen Songs spielst Du eine Dobro.

pete.jpg „Pete:

Ich spiele und mag Country-Gitarre nun schon seit ein paar Jahren, und da war es relativ natürlich daß das auch seinen Weg in mein Rock-Gitarrenspiel findet. Ich liebe es und arbeite immer daran, neue Instrumente zu erlernen und besser darauf zu werden, kürzlich habe ich eben die Dobro, Mandoline und ein 5-String-Banjo entdeckt. Aber keine Sorge, das Banjo werde ich vom Rock fernhalten!

WS: Für gewöhnlich sind die Bands ja im Melodic Rock-Genre immer sehr der „traditionellen“ Formel verhaftet. Harem Scarem bleiben aber immer auf der Höhe aktueller musikalischer Entwicklungen und setzen sich dabei über die Genre-Grenzen regelmäßig hinweg. Seht Ihr Euch überhaupt noch als Teil dieser Melodic Rock-Szene?

Pete:

An diesem Punkt in unserer Karriere machen wir einfach nur noch das, was wir auch wollen. Wir hatten noch nie Angst, unsere derzeitigen Einflüsse – oder unsere musikalischen Befindlichkeiten – mit unserem Songwriting und den Produktionen zu verbinden. Ich denke, ob wi zum Melodic Rock-Genre gezählt werden, hängt davon ab, wen Du fragst. Manchen sind wir zu modern, anderen wieder nicht modern genug! Man kann’s eben nicht jedem Recht machen, deshalb machen wir einfach das, was uns Spaß macht, so gut wir können – und jeder, dem es gefällt, ist gerne willkommen!

WS: Dein Gitarrenspiel ist ja recht virtuos, aber dennoch immer sehr songorientiert. Warst Du jemals in Versuchung, „die Sau rauszulassen“ und ein totales, experimentelles, pures Gtarrenalbum zu machen?

Pete:

Das drohe ich schon seit einigen Jahren an. Ich habe ein paar Ideen, mit denen ich herumgespielt habe, aber die Meisten enden doch höchstwahrscheinlich wieder auf einem Scarem-Album. Ich glaube, ich kann mich aber eigentlich genug bei Harem Scarem austoben, der Drang zu einem Instrumentalalbum ist also gar nicht so groß. Wenn ich solche Sachen höre, denke ich für gewöhnlich sowieso: „wann fängt denn endlich jemand zu singen an?“

WS: Schön auch Ex-Drummer Darren Smiths unverkennbare Stimme in den Backing Vocals zu hören. Außerdem wurde er als Ersatzdrummer für Creighton Douane für die aktuelle Tour bestätigt. Scheint alles recht familiär zuzugehen…

Pete:

Absolut, wir haben alle schon so lange miteinander gearbeitet, und Harem Scarem fühlt sich wirklich wie eine große Famile an. Jeder von uns bringt sein Päckchen mit, und das macht uns zu dem was wir sind.

WS: Wie bekommt Ihr das Touren unter einen Hut mit Euren anderen musikalischen Aktivitäten, z.B. Harry Hess Studioarbeit als Produzent?

Harem Scarem promo shot 4.jpg „Pete:

Wir touren heutzutage eigentlich gar nicht mehr intensiv. Wir gehen für gewöhnlich raus und spielen eine Handvoll Shows in Kanada, Europa und Japan, den Rest der Zeit verbringen wir im Studio und an anderen Projekten. Das ist eine gute Balance und wahrscheinlich auch das Maximale an Livespielen, was wir wollen.

WS: Wie stellt Ihr die Set List für die kommende Tour zusammen?

Pete:

Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen, aber normalerweise spielen wir drei oder vier Songs vom aktuellen Album und füllen den Rest mit Fan-Favoriten auf. Mit vierzehn Alben dauert es nicht lange, einen Set zu füllen…

WS: Zum Abschluss: würdest Du uns noch verraten, was derzeit deine Lieblingsmusk außerhalb Deiener Eigenen ist?

Pete:

Es gibt eine großartige Band aus Nashville namens Steelwoods – solltest Du einmal reinhören!

WS: Das war’s dann mal von mir, vielen Dank für das Interview – hoffentlich sehen wir uns bald hier in Deutschland!

Pete:

Prost!

Vielen Dank an Pete sowie das Team von cmm consulting for music and media und Frontiers Music.

Fotos: Frontiers Music

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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