Glass Hammer

Mostly Live In Italy

  • Artist: Glass Hammer
  • Album: Mostly Live In Italy
  • Label: Just For Kicks
  • Release:
  • Medium:
  • Bewertung:ohne Bewertung

Glass Hammers neues Livealbum heißt „Mostly Live In Italy“. Das „mostly“ eben, weil ein paar Parts nachträglich overdubbt wurden. Warum Fred Schendel die Gitarrenparts von Alan Shikoh gelöscht und durch seine eigenen Spuren ersetzt hat, erschließt sich zwar nicht unbedingt – auf YouTube findet man einige der Songs in den Originalfassungen, und Shikoh hat sich sicherlich keine Blöße gegeben. Na, aber im Glass Hammer-Kosmos läuft eben vieles ein wenig anders, und Shikoh ist auch nicht auf dem Frontcover zu sehen – seltsam.

Das Album an sich ist wohl vor allem für die Fans des letzten Albums „Valkyrie“ interessant. Die ersten 57 Minuten bieten nämlich besagtes Album in fast voller Länge (seltsamerweise ausgerechnet ohne den Titelsong) und in Originalreihenfolge, nur als Zugabe gibt’s noch zwei ältere Songs, ein ‚Chronos Deliverer/If The Sun‘-Medley und ‚Hyperbole‘. Das mag vordergründig etwas seltsam anmuten, doch in der Praxis macht die Sache durchaus Sinn. Auch wenn die „Valkyrie“-Songs gerade im Direktvergleich immer noch nicht ganz zu den drei älteren Stücken aufschließen können, schafft es diese Veröffentlichung, viel von der am Studioalbum geübten Kritik zu entkräften. Das liegt einerseits daran, dass die Vocals, speziell die von Susie Bogdanovicz, weiter im Vordergrund stehen. Wo man beim Studioalbum oftmals das Gefühl bekam, die Band wolle alles mit Synthies erdrücken, gibt es ein weit luftigeres Klangbild und einen weit besseren, transparenteren Sound. Das lässt Songs wie dem spartanischen ‚Dead And Gone‘ oder dem magnum opus der Scheibe, ‚No Man’s Land‘ mehr Raum zum Atmen. Definitiv ein Plus ist auch die im Vergleich zu den Originalen deutlich rockigere Performance. Die ordentlich druckvolle Rhythmusgruppe sowie der engagiertere Vortrag trösten über manche schon zu oft im Glass Hammer-Schaffen verwendete harmonische Wendung weg, und so macht die Liveversion des Albums deutlich mehr Spaß als die brave Studiofassung.

Klar, ob man die Songs nur ein knappes Jahr später nochmal in die Sammlung stellen muss, das ist auch hier die Frage, die man als Fan mit sich selbst ausmachen muss. Als Glass Hammer-Verehrer sollte man aber nicht zögern – und selbst der Gelegenheitsfan bekommt auf „Mostly Live In Italy“ tatsächlich die besseren Versionen der Songs vom letzten Studiowerk plus nette Zugaben, die noch dazu auf den letzten Livemitschnitten der Band nicht enthalten waren. Zu beziehen beim Just For Kicks-Mailorder!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.