DIE SKEPTIKER & DIE KELLERRATTEN – Live in Hamburg

Es ist wieder so ein trister Freitag im November, der sich quälend lang hinzieht. Im Büro ist Flaute und die Aussicht, sich bis 20:00 am Schreibtisch zu langweilen bis es ins zwei Busstationen entfernte Monkeys geht, hat eher etwas mit Krampf zu tun als mit euphorischer Vorfreude auf ein schönes Konzert. Aber wie sagt man so klischeehaft, das Warten hat sich gelohnt, denn die Routiniers von den Skeptikern retten den Abend auf ganzer Länge.

Eugen Balanskat und Die Skeptiker live im Monkeys, Hamburg

Zuerst ist es an den Dresdner Nachwuchs-Punkern Die KellerRatten das Hamburger Publikum anzuheizen, was stets ein extrem schweres Unterfangen ist. So haben auch die fünf sympathischen Jungs ihre Mühe, die steifen Hamburger Jungs und Deern zum Tanzen zu bewegen. Wie schon Don Quijote nehmen Die KellerRatten wagemutig immer wieder den Kampf auf, geben nicht auf und schaffen es tatsächlich, ein, zwei, drei Anwesende aus ihrer Deckung zu locken. Denn Berührungsängste haben sie nicht, allen voran ihr Sänger, der mit einer längeren Ansage zum Thema „Dresden ist nicht gleich Pegida, aber Pegida ist leider ein Teil von Dresden.“ punkten kann. Mit einem gewagt geschmacklosen Bühnenoutfit und regelmäßigen Ausflügen auf die freie Fläche vor der Bühne ernten die KellerRatten immer stärkeren werdenden Applaus. Auf jeden Fall haben sie eine Menge Spaß auf der Bühne, sodass sie ihrer Rolle als Support und Anheizer vollauf gerecht werden. Wer auf lockeren Deutschpunkrock und eine lustig-spaßige Performance mit dem Quäntchen Ernsthaftigkeit steht, sollte die KellerRatten mal anchecken oder für ihre Paraderolle als Aufwärmprogramm buchen.

60 Jahre und kein Deut leise

Oberskeptiker Eugen Balanskat ist 60 Jahre alt geworden, was natürlich gefeiert werden muss. Was gibt es besseres als dieses in einem coolen Club mit großartiger Live-Musik zu tun? Licht aus, Spott an. Dazu noch Nebel und los geht die Sause durch die mehr als 30jährige Geschichte der Skeptiker. Musikalisch abwechslungsreich und souverän führt das Quintett durch den Abend. Alte und neue Hits sorgen den gesamten Auftritt über für mächtig Wirbel vor der Bühne. Eugen, samt seinem mit Blut getränkten weißen Jackett, und seine Mannen sind gut drauf, umschiffen alle auftretenden Unzulänglichkeiten technischer und spielerischer Natur stets mit Humor, was für eine lockere und ausgeglichene Atmosphäre im Monkeys sorgt.

Hits am laufenden Band

Zwar ist die dramatisch akzentuierte Stimme des Jubilars ein wenig angeschlagen, aber im Pit kennt ein jeder die Songs, von „Pierre und Luce“, „Deutschland hat’s Maul“ und „Hoffen & Harren…“ über „Tanz auf dem Vulkan“ und „Der Schrei“ bis hin zu „Wann oder wie“ und „1918“. Mit kurzen Ansagen verschafft Eugen seinen Jungs immer wieder die Pausen, die sie benötigen, um die nächsten Songs mit vollem Einsatz intonieren zu können. Action ist nicht nur im Publikum, sondern auch auf der Bühne Pflicht. Zum Glück ist der Sänger kein Prediger, sondern ein Geschichtenerzähler, der auch ernste Themen ohne erhobenen Zeigefinger unters Volk bringen kann. Nach fast einer Fußballspiellänge ohne nervige Werbeunterbrechungen kommen die Skeptiker zum Ende, um sich nach einem weiteren herrlichen Konzert in der Hansestadt an der Elbe am Merchandise-Stand zu verdingen, wo auch die KellerRatten alle Anwesenden mit ihrem Bauchladen belästigen.

Solch ein Abend lässt einen überflüssigen Tag dank den Skeptikern, den KellerRatten und dem Monkeys doch noch ein gelungenes Ende nehmen. Live sind die Berliner einfach eine Wucht und machen immer wieder Spaß. Insofern sollten Live-Termine mit den Skeptikern immer frühzeitig geplant werden, damit auch ja nichts dazwischen kommt.

Fotos: Christian Zimmermann

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