Daughn Gibson

Carnation

  • Artist: Daughn Gibson
  • Album: Carnation
  • Label: Sub Pop
  • Release: 2015-06-05
  • Medium:
  • Bewertung:2+

‚Maybe gravity is slipping when you’re not‘Shatter You Through

Wenn Daugh Gibson singt, duldet das keinen Widerspruch. Nicht etwa, weil er androhte, sich sonst gewaltsam Gehör zu verschaffen, ganz im Gegenteil: Sein bauchiger Bariton ist so unerhört geschmeidig, dass man sich im Nu darin verfängt. Er ist die Stimme, die in ‚Heaven You Better Come In‘ konstatiert:

‚I think I want to last in you / Like a maze that never ends‘

. Und von derselben Sorte wie jene, die von der anderen Seite lockt, während Rettungskräfte den Notleidenden flehend zum „Bleiben“ zu bewegen versuchen. Anders gesagt: Würde Daughn Gibson das jetzt auch noch auf Französisch tun, man müsste ihm das Singen verbieten und ihn auf unbestimmte Zeit mit der Produktion sinnlicher Erwachsenenhörspiele bei Laune halten.

Reißt man sich los, existiert das zweite Album des in Nazareth (… Pennsylvania …) geborenen Musikers auch über die Grenzen der nackten Stimmgewalt hinaus. Es enthält Musik für die Tageszeiten der unbeständigen Lichtverhältnisse. Flächige, in Synthies getauchte Dämmermusik mit schaumig weichem Kern und pedantischer Politur, die bisweilen an den geschäftigen Bowie der Achtzigerjahre erinnert. Nur eben mit übergestreiftem Samthandschuh. Und sollte diese schwere Würze tatsächlich den Country enthalten, den Daughn Gibson verbaut zu haben beteuert, so hat er ihn ausgezeichnet getarnt. Anreiz genug, sich immer wieder auf die Suche nach der versteckten Wahrheit dieses Albums zu begeben.

Den besten Stoff wird auch auf ‚Carnation‘ erst im Hinterzimmer vertickt. Da dunkeln die Songs ab, senkt sich die Stimme, wird dem Rock’n’Roll ein Kecker Augenaufschlag entgegengeworfen. Nicht mehr. Die Geschichten, die „Gibson“ (eigentlich heißt er Josh Martin) erzählt, sind so nebulös wie Werkzeug und Stilistik, das beigeordnete Personal scheinbar fachfremd, das Tempo den meisten musikalischen Wirklichkeiten entrückt. Produziert hat das Ganze tatsächlich Randall Dunn, der üblicherweise mit schwererem Sound zu hantieren pflegt – Earth und Sunn O))) zählen zu seinen Klienten –, für Daughn Gibson allerdings wohl eine Ausnahme machte. Das deckt sich praktischerweise mit dem Eindruck von ‚Carnation‘ im Übrigen: aalglatt, ein kleines bisschen anmaßend, aber ausgesprochen verführerisch.

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