Freerock Saints

Blue Pearl Union

Bluesorientierten Hardrock mit funkiger Schlagseite präsentiert uns die griechische Band Freerock Saints auf ihrem Album „Blue Pearl Union“. Naja, ich sag‘ so schön Band… eigentlich handelt es sich eher um ein Seitenprojekt von Super Vintage, der griechischen Southern-Rock-Groovemaschine, die im gleichen Monat auch ihr aktuelles Scheibchen „Welcome To Mojo Land“ veröffentlicht. Deren Boss Stavros Papadopoulos spielt hier nicht nur unüberhörbar die Gitarre, sondern hat auch produziert und alle Songs geschrieben. Aushängeschild ist hier jedoch trotzdem die Sängerin Areti Valavanopolou, die sich stimmlich irgendwo zwischen Beth Hart, Sass Jordan und Joanna Dean bewegt und als echt bissige, beseelte Rock’n’Roll-Sängerin Pluspunkte sammeln kann. Egal ob bei Zeppelin-mäßigen Groovern wie ‚Roll With The Wind‘, AC/DC-lastigen Riffrockern wie ‚Shot Down In Flames‘ (trotzdem kein Cover) oder einer countryfizierten Ballade wie dem Beinahetitelsong ‚Blue Pearl‘. Gerade die Mischung aus Spätachtziger-Sleaze-Riffing a la Aerosmith und Mötley Crüe (wenn auch softer produziert) und den soul- und country-lastigen Vocals macht wirklich was her.

Leider geht dem Album in der zweiten Hälfte ein wenig die Puste aus, Songs wie ‚Funk Boogie Train‘ oder ‚Never Lost My Faith‘ kommen eher mit den „üblichen“ Crunch- und Cleangitarren, die man aus dem Genre so kennt und die sich seit Jürgen von der Lippes „Geld oder Liebe“-Tagen (wo unter anderem Jonny Lang oder auch Sheryl Crow damals erstmals einem Massenpublikum präsentiert wurden) nicht viel verändert haben. Die Songs grooven natürlich immer noch ganz ordentlich, klingen aber weniger schlagkräftig als die härteren, riffgetriebenen Sachen, die zu Beginn der Scheibe stehen. Das ist dann doch eher Bluesrock-mit-Frontfraustandard F. Beileibe nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich originell oder gar eigenständig. Der akustische Rausschmeißer ‚Goodbye‘ ist dann zwar schon wieder ein gnadenloses Genre-Klischee, aber so derb eingängig, daß man doch schnell wieder versöhnt. ist.

Wer also auf die erwähnten Super Vintage steht, die rockigeren Sass Jordan-Scheiben oder auch auf die Soloalben von Glenn Hughes, macht bei der ordentlich produzierten Scheibe definitiv nix verkehrt. Nur das typische Grooveyard-Schäbi-Cover ist dem coolen Inhalt eigentlich außerordentlich unangemessen.

Zu beziehen u.a. über den Just For Kicks-Webshop.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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