Mutoid Man

Bleeder

  • Artist: Mutoid Man
  • Album: Bleeder
  • Label: Sargent House
  • Release: 2015-07-03
  • Medium:
  • Bewertung:2

Wenn einem praktisch zur selben Zeit ein enttäuschtes Wie, schon zu Ende? und ein erleichtertes Das wurde aber auch Zeit! auf der Zunge liegen, ist es dieser Tage nicht ganz unwahrscheinlich, dass ‚Bleeder‘ dafür die Schuld trägt. Der kleine, harte Debüt-Brocken der US-Mathprogmetal-Wüteriche Mutoid Man enthält für seine Kürze Unmengen an Würze, die anregt und erschöpft.

‚Bleeder‘ – das ist eine halbe Stunde schweißtriefenden, instrumenteübergreifenden Vorwärtsdrangs, technisch herausfordernd, lyrisch behelfsmäßig. Und auch, wenn sich nach der noch eine Spur gewissenloseren (und auch nur halb so kurzen) Debüt-EP ‚Helium Head‘ zwischen Gesang und Instrumenten nun die Fronten klären – aufgeräumt hat die Super-Group (am Werk sind immerhin Converge-, Cave In– und Saint Vitus-Mitglieder) ihr Zimmer noch lange nicht. Und das soll auch verdammt noch mal so bleiben. Hier eine Kehre, da eine Wende, dort ein Wink und – schwupps! – wieder ganz woanders: Einen Kraken mit so vielen Tentakeln, wie Mutoid Man sie auf ‚Bleeder‘ ausrollen, muss die Evolution erst noch hervorbringen. Und einem Sänger wie Steve Brodsky, dessen stilistische Rastlosigkeit scheinbar jegliche stimmliche Unzulänglichkeit zu übertünchen vermag, begegenet man fürwahr auch nicht alle Tage.

Erst gegen Ende von ‚Surveillance‘, als Mutoid Man ihren Hörer ein paar Zaster drauflegen und der Sound ein Stockwerk tiefer entlangfegt, kommt so etwas wie Sehnsucht auf. Sehnsucht nach etwas mehr Schwere, nach Rast, einem Schulterblick oder dem gelegentlichen Blinkersetzen. Doch wie für so vieles fehlt dem Trio auch hierfür die Zeit.

Wem es trotz allem gelingt, eine kleine Aufmerksamkeitsreserve durch den Trubel zu retten, der kann im Cover-Artwork nach ‚Bleeder’s Songtitel verbaut finden. Oder man überlässt diese Aufgabe im Rahmen musikalischer Früherziehung ganz seinem Kind, damit es sich ein wenig erholen kann von diesem radikal vollzogenen Schulterschluss von Metal, Hardcore und wer weiß was sonst noch allem – immer die alten Helden im Herzen tragend. Und die wären sogar stolz.

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