Beauty In Broken

Was ist in den letzten 27 Jahren alles passiert? Der zweite Golfkrieg, die Euro-Einführung, eine Fußball-WM „bei Freunden“ und sechs verschiedene Bundespräsidenten – neue Songs von den Jeremy Days gab es dagegen nicht. Die lange Wartezeit hat nun aber ein Ende, denn die Band um Frontmann Dirk Darmstaedter legt mit „Beauty In Broken“ eine neue Platte vor, an die niemand, nicht einmal die Gruppe selbst, noch vor wenigen Jahren geglaubt hat. Nun sind sie aber – beinahe in Originalbesetzung – wieder da, einzig Bassist Christoph M. Kaiser entschied sich aus persönlichen Gründen gegen eine Teilnahme. Warum es wider Erwarten dennoch zur Reunion kam, wie man eine Plattenaufnahme in Pandemiezeiten über zwei Kontinente mit Zoom organisiert, weshalb der Begriff Pop-Musik gar nicht negativ besetzt sein muss und ob das Comeback eine Eintagsfliege ist, haben die Herren Whiskey-Soda im Interview erzählt haben, das Ihr hier nachlesen könnt.

Der namensstiftende Titel „Beauty In Broken“ eröffnet den Reigen. Bereits beim zweiten Refrain zwingt es einen förmlich, direkt die Worte „As We Tear Thru These Crowded Rooms, There’s A Spark, There’s A Beauty in Broken“ mitzusingen, so melodiös und einladend ist diese erste Single. Bedächtige Keyboard-Klänge starten das deutlich ruhigere „For The Lovers“. Sie liefern den maßgeblichen Klangteppich, der die nächsten beinahe fünf Minuten untermalt. Die anderen Instrumente setzen gezielte Akzente, bleiben aber eher im Hintergrund, die Tasten und Darmstaedters Stimme dominieren.

Eine langsam gezupfte Gitarre eröffnet „Stupid November“, bevor der Gesang einsetzt. Diese ruhige Instrumentierung wird erst in der zweiten Halbzeit durch die gesamte Band ergänzt, das Tempo wird angezogen und ein langgezogenes Gitarren-Solo macht im Abgang einen echten Rocker daraus.

Ein – im positiven Sinne – klassischer Radio-Hit schließt sich mit „Beathe“ an. Bereits beim ersten Hören wippen die Füße im Takt mit, während Dirk vom „Head Full Of Attitude“ und „House Of The Dragon“ singt.

In der Folge wechseln sich leisere und bedächtigere mit schwungvolleren Tracks ab, allen bleibt der Jeremy-Days-Grundsound gemein. Nach etwas mehr als einer dreiviertel Stunde gibt dann „Lights Out“ den musikalischen und wörtlichen Rausschmeißer.

Manche Comebacks sind überflüssig, gehen furchtbar schief und zerstören den vorher vorhandenen Mythos um eine Band. Was bleibt nun am Ende dieser 27-jährigen Auszeit übrig? Elf wunderschöne Lieder, extrem gut produziert und mit Bedacht arrangiert – mal kraftvoll, dann wieder ruhig, gelegentlich rockig, aber nie einen gewissen Härtegrad überschreitend, stets wohlklingend und zum Mitsingen einladend.

Die Jeremy Days beweisen mit „Beauty In Broken“, was – dank der meist negativen Genre-Konnotation – kaum zu glauben war: Es gibt sie – gute Pop-Musik!

 

Note: 1-

 

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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