Atomic Temples

Es gibt Tage, da braucht man unbedingt etwas Stumpfes, nicht besonders Anspruchsvolles, um die Ohren und das dazwischen mal so richtig durchblasen zu lassen. Da kommt einem die neue Langrille „Atomic Temples“ der Schweden von Bombs Of Hades (War-Anthem Records) genau richtig. Denn Stumpf war bei den der Hölle entsprungenen Gestalten schon immer Trumpf. Dann mal gleich Kopf über rein ins Vergnügen.

Der Opener „Fracture“ macht seinem Namen sogleich alle Ehre, guter, alter, holpriger Schweden-Crust, der Knochen splittern lässt. Die rockige Crust-Nummer haben die Jungs auch drauf. Zu „And Your Flesh Still Burns“ kann man schön die Hüften kreisen lassen. Oder das Tanzbein schwingen. Zum Ende wird man noch mal gehörig über die Tanzfläche gewirbelt. „Palace of Decay“ poltert, wie bereits der erste Song, gradlinig aus den Lautsprechern. Mächtiger D-Beat trifft auf kehlige Death Metal-Vocals, so wie es sein muss. Mit „Omens“ hält ein guter Schuss Death Metal Einzug in den Sound des Hades‘. „Cadaverborn“ ist mit seinem stoisch, sich fast vier Minuten wiederholenden, schwerfälligen Beat das düstere Highlight auf „Atomic Temples“, das mit einem wütenden Kraftakt endet. Bis hier hin haben Bombs Of Hades alles unter Kontrolle und liefern das ab, was man von ihnen erwartet hat: Metallischen D-Beat made in Sweden.

Das atmosphärische Soundgeplänkel „Crawling Wind/The Tyrant Embryo“ leitet die zweite Halbzeit ein, dem der fast zwölfminütige Titelsong folgt. Allein die Anzeige auf dem Player macht einem Angst. Wer kann zwölf Minuten lang einen D-Beat prügeln? Doch nach einem kurzen Intro walzen sich die Schweden dem nuklearen Holocaust entgegen. Das Erlebnis schlechthin fällt passender Weise todesmetallisch explosiv aus. Herrlich stumpf bollert der Song in den Untergang, bevor die letzen Überlebenden versuchen, dem nuklearen Winter zu entkommen. Und dann kommt es ganz dicke! Ein stimmungsvolles akustisches Teilstück mit kitschigen Keyboard-Klängen soll wahrscheinlich den Neuanfang einleiten. Aber das ist echt zu viel, viel zu viel Pathos! Kann nach der Bombe nicht einfach alles vorbei sein? Das wilde Schlussstück kann das Ende, ein Ende mit Keyboard-Schrecken, auch nicht mehr retten. Das war ja wohl nichts! Komplett gescheitert mit dem Versuch, epische Weite mit Crust zu vereinen. Feuer und Wasser sind auch keine Freunde!

Die beiden noch folgenden rumpeligen Old School Death Metal Keulen können den ramponierten Eindruck nicht mehr so richtig ausbügeln, obwohl „The Last Gateway“ an anderer Stelle – ohne die billigen Keyboards – mit Sicherheit besser weg gekommen wäre. 16 Minuten übereifrige Ambition haben ein Album ruiniert, das sich das Markenzeichen „Absolut! Country of Sweden“ redlich verdient hätte. Wie ärgerlich! Als mp3 kann man den Mittelteil wegwerfen. Aber was macht man mit der CD oder dem Vinyl? Echt schade!

http://www.bombsofhades.com

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