Eluveitie

Ategnatos

  • Artist: Eluveitie
  • Album: Ategnatos
  • Label:
  • Release: 2019-04-05
  • Medium:
  • Bewertung:1-

Eluveitie, der international bekannteste Metal-Export der Schweiz, ist zurück. Zurück in mehrerlei Hinsicht. Zurück mit einem neuen Metal-Album nach dem Akustik-Werk „Evocation II – Pantheon“ vom letzten Jahr. Zurück mit dem ersten Metal-Album seit dem Weggang von Anna Murphy, Ivo Henzi und Merlin Sutter im Mai 2016, die anschliessend Cellar Darling gründeten. Zurück mit einem Album, das laut Band in vielerlei Hinsicht an das Durchbruch-Album „Slania“ von 2008 mit dem Hit ‚Inis Mona‘ erinnert. Und zurück in den Fascination Street Studios des schwedischen Mixing-Zauberers Jens Bogren.

„Auf diesem mystischen und philosophischen Album bringen Eluveitie Mythologie, heidnischen Glauben und Spiritualität in unsere moderne Welt.“ Die Idee hinter dem Album war, die zahlreichen Krisen der Gegenwart im Licht der menschlichen Archetypen zu sehen, die sich in Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte nicht verändert haben. Das Album ist düster, ernst und wütend und doch gibt der Titel „Ategnatos“ (gallisch = Wiedergeburt) einen mehr als nur subtilen Hinweis darauf, dass ohnehin alle Existenz einem Kreislauf unterliegt.

In 16 Liedern mit einer Laufzeit von einer Stunde entfaltet das helvetische Nonett eine Urgewalt des Celtic-Death-Metal. Auch wenn die Band längst ihren eigenen Sound gefunden hat, scheint die „Wiedergeburt“ der Bandchemie und dem Kompositionsprozess gut getan zu haben. „Ategnatos“ fühlt sich aus einem Guss und „voll in die Fresse“ an wie lange nicht und lässt die letzten Alben „Helvetios“ (2012) und „Origins“ (2014) klar hinter sich zurück. Auch wenn letzteres in der Heimat erstmals Platz 1 der Albumcharts belegte und auch in Deutschland mit Platz 4 die bis anhin höchste Platzierung erreichte.

Den Album-Opener ‚Ategnatos‘ hatten die Schweizer bereits zwei Monate vor dem Release ihren Fans präsentiert und was soll man sagen? Die Flöten, die Trommeln und der Gesang von Harfenistin Fabienne Erni, die mit dem Weggang vom Murphy zur Hauptsängerin avanciert ist , geben dem Titel einen ruhigen Einstieg. Schon kurz darauf ist Frontmann Christian Glanzmann das erste Mal mit seinen Growls zu hören – vorbei ist es mit „ruhig“. In klassischer Eluveitie-Manier setzt der Bandleader den derben Gegenpunkt. Von thrashig, über die bekannten Todesgrowls bis hin zu schrillen Black-Metal-Screams ist hier gesangsmässig wird hier gleich mit einer Bandbreite an Gesang aufgetrumpft. Auch ‚Rebirth‘, bereits weit über ein Jahr bekannt, setzt selbst für Eluveitie auf besonders derbe Drum-Beats und Screams. Natürlich mit folkigen „Unterbrechungen“. Wow.

Das Riffing und der Vibe zu Beginn von ‚The Raven Hill‘ sind eine kleine Reminszenz an ‚Inis Mona‘ . Doch hier fällt wie beispielsweise auch bei ‚A Cry In The Wilderniss‘ kurz zuvor oder dem Kracher ‚Mine Is The Fury‘ kurz danach auf, dass die Band durchaus gewillt und in der Lage ist, spannende rhythmische Variationen einzubauen. Die haben mit ihren Taktwechseln teils gar einen progressiven Touch, der durch die Variation den Gesamteindruck des Albums positiv aufwertet. Dabei war Abwechslung noch nie eine Schwäche der Band, im Gegenteil. Auch auf „Ategnatos“, das immerhin siebte Studioalbum der Schweizer, gibt es kleine Perlen, die ein wenig aus dem Rahmen fallen. So wie das einminütige Zwischenspiel mit Flöte und Gitarre mit dem Titel ‚The Silver Glow‘. Das wiederum leitet das wunderbare ‚Ambiramus‘ ein.

‚The Slumber‘ lässt zunächst ein ruhiges Wiegenlied erahnen, doch in der Mitte des Songs zerstört Glanzmann die Hoffnung auf ein Durchatmen einmal mehr. ‚Breathe‘ hat so gar keinen Todesmetall, sondern einen Alternative-Metal-Touch, was den Song nicht weniger sympathisch macht. Das minimalistisch instrumentierte ‚Eclipse‘ lässt abschliessend Fabienne Ernis Stimme bzw. dem traditionellen Irish-Folk-Gesang so viel Raum, das man zum Ende nur besonders anerkennend Nicken kann. Ein wunderbares Album hat die Band aus Winterthur da erschaffen.

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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