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AMBROSIA – Route Gottfried von Bouillon

Der auf den ersten Blick eigenartige Name des ersten Longplayers des Ein-Mann-Projektes AMbrosia erklärt sich schnell: Die Route Gottfried von Bouillon ist eine Ferienstraße in der Eifel, wohl benannt nach dem Ritter und Kreuzfahrer, auch wenn beim Namen Assoziationen an eine Hühnerbrühe geweckt werden. Auf jeden Fall ein außergewöhnlicher Titel für ein Musikalbum. Und außergewöhnlich ist auch der Inhalt, den AMbrosia auf den Silberling gepresst hat. Nach dem Pressetext spiegelt die Tracklist die Stationen der Route Gottfried von Bouillon wider, von L 1 bis K 74 und will „die Geschichte und Schönheit der Eifel“ musikalisch einfangen. Dafür werden rein synthetische Sounds genutzt, wabernd, sphärisch, treibend, rhythmusbetont.

Hinter dem Namen AMbrosia verbirgt der 50-jährige Saarländer Alexander Möll, der letztes Jahr mit der EP ‚1st Attempt“ seine ersten autodiaktischen Gehversuche unternommen hat. Er wurd inspiriert durch Vorbilder wie Klaus Schulze oder Tangerine Dream und lädt uns ein zur einer Reise durch die Eifel. Das Album ist eine Hommage an die Geschichte und Schönheit der Region. Eingebettet sind die vier Longtracks zwischen sieben und zehn Minuten Länge in kurze Verbindungsstücke, die ‚Routen‘. Rein instrumentale elektronische Musik trifft hier auf Neo-Krautrock. Dabei steht in erster Linie der Rhythmus im Vordergrund, wenn Synth-Arpeggios als gebrochene Akkorde viele Erinnerungen an Filmsoundtracks aus den 80ern wachrütteln. Retrosounds, von elektronischen Beats getrieben, entführen hinaus auf besagte Route, wobei sich das Thema Eifel nicht unbedingt sofort erschließt. Genausogut könnte es eine Reise in ferne Galaxien sein oder durch neongetränkte Spielhallen im Retrolook der 80er. Was aber nicht schlimm ist, denn die Musik steht im Vordergrund, und es ist erstaunlich, was der Autodidakt Möll mit relativ simplen Melodielinien erschaffen hat, die irgendwann zu einer komplexeren Struktur verschmelzen. Manchmal ist das vielleicht sogar etwas zu viel des Guten und wirkt etwas unübersichtlich, aber vor dem Hintergrund, dass sämtliches Material allein eingespielt und programmiert wurde, kann man das gerne verzeihen.

Im Part ‚Neuerburg Prüm‘ fühlt man sich an eine Mischung aus dem legendären „Captain Future“ Soundtrack und einem Nintendo-Score erinnert, was viele schöne Erinnerungen weckt. Diese Reise entlang der Route Gottfried von Bouillon ist damit etwas für Nostalgiker, für Soundtüftler und Freunde rhythmischer Ambientsounds. Für einen Erstling ist das Ergebnis sehr interessant, und man darf gespannt sein, wohin AMbrosias Reise jenseits der Route Gottfried von Bouillon hinführen wird. ,

Note: 2

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