Adrenaline Rush – Absolutely Fabulous

Dem gemeinen Whiskey-Soda-Redakteur kann man nichts, aber auch gar nichts Recht machen. Da sollte man annehmen, der betreffende Kollege sei froh, endlich einmal nicht in Urlauten kommunizierende Stoner-Rocker oder in Nietzsche-, Shakespeare- und Pokemon-Zitaten antwortende Proggies zu interviewen. Stattdessen nimmt sich eine außerordentlich attraktive, junge Hardrocksängerin für uns Zeit - und was passiert? Der Kollege erzählt ihr taktloserweise, daß er eigentlich ihre - männlichen - Bandmitglieder viel attraktiver findet. Tåve Wanning von Adrenaline Rush nahm's mit Humor - und unser Redakteur SaschaG wurde aufs Schärfste verwarnt, keine "AbFab"-Marathons mehr vor Interviews abzuhalten.

1.JPGWS: Hallo Tåve, hoffe, es geht Dir gut! Erst einmal vielen Dank, daß Du Dir für uns ein wenig Zeit nimmst!

Tåve: Hi Sascha, danke, daß Du Dir für mich Zeit nimmst! Wird bestimmt lustig!

WS: Zunächst einmal: ich bin echt froh, daß Ihr endlich Euer zweites Album veröffentlicht habt. Was zur Hölle hat so lang gedauert? Der Rock’n’Roll braucht Euch, weißt Du das nicht!

Tåve (lacht): Danke! Ja, wir sind auch ziemlich begeistert von der neuen CD. Die Songs sind echt gut, und das Cover sieht auch echt klasse aus!

WS: Aber ernsthaft, was ist in den drei Jahren seit Eurem Debüt bei Adrenaline Rush losgewesen?

Tåve: Ich schätze mal, wir haben uns durchgekämpft, wie das die meisten Bands tun! Wir haben ein paar Gigs gespielt und viel Zeit mit dem Finden der Songs für das neue Album verbracht. Und wir haben unseren Basser und unseren Leadgitarristen gewechselt, Soffe und Ludde. Das hat auch einige Zeit geschluckt, wie Du Dir denken kannst. Aber – jetzt sind wir zurück! (lacht)

WS: Das letzte Mal, als mein Kollege Michael mit Dir gesprochen hat, hattest Du zugegeben, ein wenig nervös bezüglich der Reaktionen auf Euer erstes Album zu sein. Wie ist es dieses Mal, bist Du immer noch nervös oder bist Du mittlerweile etwas abgehärtet?

Tåve: Nun, es ist immer ein wenig Nervosität im Spiel. Eine Menge Arbeit und auch Geld steckt in so einem Album, und wenn es veröffentlicht wird, ist es, als würdest du deine eigenen Babies ausstellen! Es ist Herzblut und Seele, ganz direkt! Und wie jede Mutter bin ich sehr beschützerisch, wenn es um meine Kinder geht! Aber man kann wirklich nicht immer danach gehen, was Andere sagen, wichtiger ist es, dem Herzen zu folgen und Sachen zu machen, auf die Du stolz bist. Und dann – Feuer frei!

WS: Am Überraschendsten fand ich diesmal, daß Du mit Fredrik Folkare von Unleashed an den Songs gearbeitet hast. Es gibt auch einige ganz deutliche Schritte in Richtung eines moderneren, Metal-lastigeren Sounds auf „Soul Survivor“. War das von vornherin beabsichtigt – und bedeutet das, daß Adrenaline Rush sich zukünftig noch weiter von den launigen Glam-Rock-Wurzeln entfernen werden? Ich hoffe doch nicht (lacht)!

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Tåve: Ja, was ich halt auf keinen Fall machen wollte, war, einfach ein Remake des ersten Albums abzuliefern. Ich wolltwe schon den ähnlichen Stil, aber eben auch Neues und Anderes ausprobieren. Es war tatsächlich Erik (Martensen, Songwriter und Produzent des Debüts), der vorgeschlagen hat, mich mit Fredrik zu treffe, und wir haben uns sofort perfekt verstanden. Er ist ein supernetter Kerl, ein toller Gitarrist und ich liebe die neuen Einflüsse, die er eingebracht hat. Es war also keine bewusste Entscheidung, es passierte aufgrund der Leute, mit denen ich gearbeitet habe. Wir haben einen Test-Songs gemacht, und das war’s dann, wir hatten den Sound und die Richtung des kompletten Albums vor uns. Ab dann haben wir nur noch nach unserem Bauchgefühl gearbeitet. Ich bin absolut zufrieden mit dem Resultat, ich habe das Gefühl, musikalisch gewachsen zu sein. Es gibt auf diesem Teil so viel mehr, in das man sich verbeißen kann.

WS: Obwohl Du eng mit Erik Martensen zusammenarbeitest, finde ich, daß Adrenaline Rush im Vergleich zu Bands wie One Desire und Eclipse fast schon genau am anderen Ende des schwedischen Hardrock- und AOR-Stils positioniert sind. Wo diese Bands immer mehr in den Pop-Bereich abdriften, viele Synthies einsetzen und generell eher radiofreundlich und sauber klingen, klingen Adrenaline Rush doch eher bodenständig und bisweilen eher schmutzig. Liegt das vielleicht daran, daß Du bereits eine sehr erfolgreiche Karriere im Synthie-Pop hinter Dir hast und demnach kein Interesse hast, dahin zurückzugehen?

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Tåve: Ja und nein. Es hat nichts mit dem Nicht-zurückgehen-wollen zu tun, sondern eher mit natürlicher Evolution und der Lust, Neues auszuprobieren. Ich höre jede Menge verschiedener Musik, von Techno bis Metal, und das hinterlässt Spuren an allem, was ich tue. Ich tendiere eigentlich zu raueren Sounds, weil ich zuhause hauptsächlich Rock aus den Siebzigern höre, Bands wie Fleetwood Mac, die Faces, die Stones, und Led Zeppelin. Und natürlich Lynyrd Skynyrd! Ich glaube nicht, daß Adrenaline Rush vollkommen auf dieses Analoge einsteigen werden, aber da ist immer etwas, das mich eher in diese Richtung treibt. Aber Adrenaline bin ich ja nicht alleine, es ist also immer eine Verschnitt aus dem , was wir als Band so hören und gerne spielen. Es muss zu uns allen passen.


WS: Wo ich Deine frühere Karriere erwähnt habe – es gibt einen kompletten YouTube-Kanal, der Deine „Rock’n’Roll-Jugend“ dokumentiert (www.youtube.com/user/taverocks), angefangen 2004, als Du Deine erste Rock-lastige Single ‚Monster‘ veröffentlicht hast bis ins Jahr 2012, in dem ja dann auch Adrenaline Rush begonnen hat. Unter Anderem finden sich da Songs Deiner früheren Bands Panama und Kind Of Nasty und ein paar ziemlich coole Cover-Versionen, zum Beispiel von Femme Fatale – übrigens ein All-Time-Fave von mir! – und Pat Benatar. Wie fühlst Du Dich, wenn Du die ganzen alten Aufnahmen siehst und erkennst Du Parallelen zu dem, was Du mit Adrenaline Rush machst? Würdest einige dieser Sachen je für zukünftige Projekte noch einmal aufwärmen – ‚Fallen Angel‘, ‚Love It Loud‘ und ‚Rock Me‘ würden ja auch ganz gut zu Adrenaline Rush passen, oder?

3.JPGTåve: Ja, wie Du sagst, einige der Songs würden ganz gut zu Adrenaline passen. Aber ich denke ich arbeite lieber an Neuem als alte Sachen aus dem Hut zu zaubern. Du weißt, „okay, das hab‘ ich fertig, was kommt jetzt?“. Ich bin wirklich stolz auf alles, was ich bisher gemacht habe, und es freut mich, daß Du die Seite gefunden hast, ich glaube, das haben noch nicht viele! Das Meiste davon habe ich zuhause mit meinem Vater aufgenommen! Es ist eine Weile her, daß wir irgendwas dort gepostet haben, aber ich habe ein paar Sachen aufgenommen, die zu Adrenaline nicht so richtig passen und die nur drauf warten, Tageslicht zu sehen, wer weiß also… (lacht)

WS: Was Adrenaline Rush herusstechen lässt, ist natürlich auch die visuelle Seite Eures Images. Natürlich konzentrieren sich Viele auf Dich, es gibt eben nur wenige junge Frauen, die diesen glamourösen Rock’n’Roll-Style überzeugend und unaufgesetzt ‚rüberbringen wie Du.

Tåve: Danke schön! (lacht)

WS: Was aber oft übersehen wird und ich besonders cool finde, ist, daß, wie damals in den Siebzigern und Achtzigern, nicht nur Du für Fotos und Gigs „aufgebrezelt“ wirst, sondern auch Deine Jungs sich bemühen, gut auszusehen und eine große Show abzuziehen! (Der Interviewer stellt fest, daß ihm die Frage irgendwie entglitten ist…)

Tåve: Na toll, das ist ja mal ein Kompliment und ein halbes… (lacht).

WS: Ich meine, ist es Euch wichtig, ein komplettes Package abzuliefern und wer entscheidet über den Style der Band?

Tåve: Ernsthaft, die visuelle Seite ist mir sehr wichtig. Ich liebe Mode, Make-up, Schmuck, und werde inspiriert von coolen Fotos, Orten, Filmen und allem Möglichen. Ich hatte schon immer einen eigenen Kleidungsstil, und in den letzten Jahren hat sich das in sowas wie einen modernen Hippie-Look entwickelt. Ich versuche immer, die Jungs auch ein wenig mitzureißen, so daß wir eben ein geschlossenes Bild abgeben. Es macht viel Spaß, und wer will denn nicht gut aussehen? (lacht)

WS: Gibt es Pläne, außerhalb von Skandinavien zu touren? Und würdet Ihr lieber die Clunbs als Headliner bespielen oder Support für eine bekannte Band machen?

Tåve: Ich wünschte (seufzt)! Unser größtes Problem ist es derzeit, Gigs zu finden, die finanziell durchführbar sind. Es ist verrückt, aber wir verlieren jeses Mal eine ganze Stange Geld, wenn wir live spielen. Wie so ziemlich jede Band in unserer Größenordnung, denke ich mal. Wir wollen eigentlich nur spiele, aber es ist nicht einfach, daß auch umzusetzen. Aber, zurück zu Deiner Frage – das wäre mir echt egal, ich spiele immer und überall, solange ich irgendwie über die Runden komme. Und ich würde natürlich liebend gerne mit Mike Monroe touren! Mein absoluter Held und eine meiner größten musikalischen Inspirationen!

5.JPGWS: Da habe ich dann passenderweise noch ein letzte, völlig zusammenhanglose Bonusfrage, die ich jedem Interviewpartner stelle: was ist derzeit Dein Lieblingsalbum eines anderen Künstlers und was magst Du daran?

Tåve: Im Moment würde ich sagen, „Rumours“ von Fleetwood Mac. Es ist eine alte Scheibe, aber jeder einzelne Song davon macht mir Gänsehaut. Es ist absolut wunderschön und vollig surreal. Wenn Du es kennst, weißt Du, was ich meine!

WS: Definitiv!

Tåve: Und wenn Ihr es noch nicht kennt, tut Euch einen Gefallen und hört’s Euch an! (lacht)

WS: Das war’s dann schon von meiner Seite! Danke noch einmal von uns allen bei Whiskey-Soda für Deine Zeit! Vielleicht klappt das ja mit einer Deutschland-Tour, dann können wir uns gerne nochmal unterhalten! Ich wünsche Euch auf jeden fall das Allerbeste und bin gespannt, wo die Reise für Adrenaline Rush in der Zukunft noch hinführt! Du weißt ja, stay Rock’n’Roll and keep turning it up to 11! (lacht)

Tåve: Aber natürlich! (lacht) Danke für [i]Deine[/i] Zeit, es hat mir echt Spaß gemacht. Stay cool, see you soon and enjoy THE `RUSH!

Danke auch an Iris von CMM für’s Organisieren des Interviews!

Fotos: Frontiers Music

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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