Kadavar – Ein Weihnachtsfest für Stoner

Wer Lust hatte, kurz vor Weihnachten noch mal so richtig durchgeschwitzt im proppenvollen Bremer Tower zu schweren Riffs und psychedelischen Soli abzugehen, bekam dazu am 20. Dezember 2017 die Gelegenheit. Kadavar aus Berlin hatten ihr Erscheinen angekündigt. Wir waren live mit dabei und neugierig auf das neue Album und darauf, wie Lupus, Dragon und Tiger ihrem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes einheizen würden.


Im September 2017 ist mit „Rough Times“ das vierte Album des erfolgreichen deutschen Trios erschienen, das sich auch wieder ganz der Kadavar-typischen Mischung aus Proto-, Stoner und Psychedelic-Rock verschrieben hat. In ihrer über siebenjährigen Bandgeschichte haben die drei Musiker eine große Fanschar um sich gesammelt und waren unter anderen mit den Blues Pills auf Tour. Man darf also gespannt auf den heutigen Abend sein, und das weiß auch das Bremer Publikum. Der Tower konnte schon vor dem Konzerttag den kompletten Ausverkauf aller Tickets melden. Damit ist es dann auch schnell proppenvoll in der urigen Location in Bahnhofsnähe. Dicht gedrängt stehen die Fans aller Altersgruppen und harren der Dinge, die da auf sie zukommen sollen.

Travelin_Jack1.jpg „Ursprünglich waren auf dem Tourposter die Bands Mantar und Death Alley als Special Guest angekündigt, jetzt ist jedoch die ebenfalls aus Berlin stammende Truppe Travelin Jack mit von der Partie. Das mit Glitzer-Makeup geschminkte Quartett betritt schon 20 Minuten vor dem genannten Konzertbeginn die Bühne. Die Musiker um die Frontfrau mit dem abgehobenen Künstlernamen Alia Spaceface liefern geradlinigen Hard- und Glamrock irgendwo zwischen Thin Lizzy, AC/DC und Slade ab, was grundsätzlich schon mal eine gute Sache ist und entsprechend zu gefallen weiß. Während sich die folgenden Kadavar ja stilistisch eher in den 60er- und 70er Jahren bewegen, sind Travelin Jack unverkennbar in den 80ern zu Hause. Die Sängerin in hohen Plateaustiefeln, unterstützt von Flo The Fly an der Gitarre in enger Lederhose. Nietengürtel und die typischen Bühnenposen des Glamrocks sind aber nicht nur schmuckes Blendwerk – die Band versteht auch viel von Musik und bringt den zum Bersten gefüllten Club schnell auf Hochtouren.

Die Rhythmusmaschine aus dem Bassisten Steve Burner und Montgomery Shell am Schlagzeug läuft gut geschmiert, und so vergeht eine gute Dreiviertelstunde wie im Fluge. Ein gelungener Auftakt mit einer sehr starken Sängerin, bei dem die Berliner Truppe sicher ein paar neue Fans gewonnen hat. Nach einer kleinen Umbaupause ist es gegen 22 Uhr Zeit für Kadavar mit Frontmann und Gitarrist Christoph „Lupus“ Lindemann und seinen beiden Kollegen. Die aufgestaute Energie findet ihre spontane Entladung auf der Bühne. Von Anfang an wird ein hoher Pegel gefahren, sowohl bei der Lautstärke, als auch beim energetischen Spiel der drei Musiker.

Kadavar2.jpg „Das durchsichtige Drumset ist bandtypisch in einer Linie mit den beiden anderen Musikern aufgebaut und zeigt, dass hier jeder der drei Akteure gleichberechtigt ist. Christoph „Tiger“ Bartelt bearbeitet die Drums mit viel Kraft und Ausdauer, da ist es kein Wunder, dass er gleich mehrere Ventilatoren hinter sich stehen hat. Neben der Kühlung sieht das natürlich auch toll aus, wenn seine langen Haare beim Spielen immer wieder vom Luftstrom herumgewirbelt werden. Der Tiger ist ein wichtiges Teil der Live-Performance, nicht nur als Taktgeber und Rhythmusmaschine, sondern auch hin und wieder als Sprachrohr der Band und ziemlich oft als Grimassenschneider. Es lohnt sich, den Drummer während der Show gut im Auge zu behalten.

Kadavar1.jpg „Der musikalische Schwerpunkt des Abends liegt natürlich auf dem aktuellen Album „Rough Times“, und es geht auch gleich mit dem groovigen ‚Skeleton Blues‘ der Scheibe los. ‚Doomsday Machine‘, ‚Into The Wormhole‘ oder auch ‚Die Baby Die‘ sind weitere Highlights des Albums, die gerade auch live eine ungeheure Intensität besitzen und das Bremer Publikum im ausverkauften Club gehörig ins Schwitzen bringen. Zum ersten Mal seit einigen Jahren ist nach Aussage der Band ältere Song ‚Eye Of The Storm‘ heute wieder im Set. Die Fans freut das natürlich.

Wie gewohnt bieten Kadavar schnellen stampfenden Rock, kreischenden Fuzz und schweren, düster-dümpelnden Stoner- und Psychedelic-Rock irgendwo zwischen den Doors und – ja!- Beatles. Zwischendurch werden auch die (Sub)Genres Heavy Blues- und Spacerock bedient. Heute lebt im Tower der Spirit der 70er Jahre wieder auf, und besonders beeindruckend ist immer wieder das perfekte Zusammenspiel des Trios, wobei insbesondere auch das tighte (und laute) Bassspiel von Simon „Dragon“ Bouteloup am Viersaiter auffällt.

Kadavar3.jpg „Frontmann Lupus, der auch heute wieder einmal beweist, was für eine tolle Gesangsstimme er doch hat, begrüßt die Bremer und bedankt sich für die Unterstützung, wünscht später allen ein frohes Weihnachtsfest, hält sich aber ansonsten mit Ansagen weites gehend zurück. Die gute Stimmung auf der kleinen Bühne überträgt sich schnell ins Publikum – und umgekehrt. Die Bremer Fans sind begeistert am pogen, intonieren die Luftgitarre oder genießen einfach nur den faszinierenden 60er- und 70er-Retro-Sound, lange Haare fliegen auf beiden Seiten der Stage. Beim eingängigen Refrain von ‚Tribulation Nation‘ wird fleißig mitgesungen, bevor ein längerer Instrumentalpart Purple Sage, den regulären letzten Song des Abends, einleitet.

Aber ganz ist es dann natürlich noch nicht gewesen. Als Zugabe gibt es zunächst ein gelungenes Cover, in diesem Fall ‚New Rose‘ von The Damned. Nach ‚All Our Thoughts‘ folgt noch ‚Come Back Life‘ vom neuen Album und beschließt dann diesen heißen, lauten Vorweihnachtsabend. Kadavar haben in rund 90 Minuten wieder einmal gezeigt, dass sie in ihrem Genre aktuell eine der besten Livebands sind.

Setlist Kadavar, Tower Bremen, 20.12.2017

Skeleton Blues
Doomsday Machine
Pale Blue Eyes
Goddess Of Dawn
Into The Wormhole
Black Sun
Living In Your Head
Die Baby Die
Eye Of The Storm
Forgotten Past
Tribulation Nation
Purple Sage

New Rose (The Damned Cover)
All Our Thoughts
Come Back Life

Auf unserer Facebookseite gibt es eine ausführliche Fotostrecke zum Konzert.

Bericht und Fotos: Michael Buch

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