Luna's Call

Void

  • Artist: Luna's Call
  • Album: Void
  • Label:
  • Release: 2021-04-30
  • Medium:
  • Bewertung:1

Immer besonders erfreulich, wenn potente Bands aus dem Underground es schaffen, ihre in Eigenregie veröffentlichten Alben nachträglich bei einem Label unterbringen können. So geschehen mit dem zweiten Album von Luna’s Call. Das Progressive-Quartett aus Mittelengland hat 2016 sein Debüt „Divinity“ herausgebracht. Der nun beim französischen Indie-Label Listenable Records wiederveröffentlichte Nachfolger „Void“ erschien ursprünglich 2020. Und wäre uns beinahe durch die Lappen gegangen. „Divinity“ enthält bereits alle Zutaten der Band und erhielt bereits viel Lob in der Community.

Mit „Void“ gehen Luna’s Call ihren Weg konsequent weiter und weben einen akustischen Perserteppich aus perfekt verknüpften Prog-Rock-und-Death-Metal-Knoten. Es gibt bekannte Bands, die das in der Vergangenheit ähnlich gemacht haben. Opeth, Gojira oder Ne Obliviscaris aus Australien wären einige Beispiele. Dennoch sind Luna’s Call eigenständig genug, um nicht unmittelbar mit diesen Bands verglichen werden zu können. Ihre Stärke ist die Leichtigkeit, mit der sie klassischen Progressive Rock und technischen Death Metal mit neoklassichen Elementen verbinden.

Bei den ersten Klängen des Album-Openers „Merced’s Footsteps“ kommt Kennern dennoch direkt das Spätwerk von Opeth in den Sinn. Der mehrstimmige Gesang, der vertrackte Schlagzeug-Rhythmus, der psychedelische Seventies-Vibe, die Hammond-Orgel. Nach 1:33 Minute wird das rockige Crescendo von einem Todes-Growl zerrissen, der in den zweiten Track „Signs“ überleitet. Die jazzige Taktart behält die Rhythmus-Sektion bei, aber die Gitarrenriffs und der Gesang ist unverkennbar todesmetallisch. „Solar Immolation“ ist ein dreizehn-minütiges Monster von einem Song, der all das bisher beschriebene ausufernd und lustvoll-verspielt zusammenbringt. Es gibt schicke Metal-Gitarren-Soli, Blastbeats, Vintage-Keyboards, vertrackte Riffs, ungezählte Tempowechsel, mehrstimmigen Klar-Gesang, spacige Synthie-Klänge, asiatische Akzente und, und, und. „Enceleadus & The Life Inside“ eröffnet mit einem verträumten Keyboard und einer Akustikgitarre, versprüht danach den lieblichen Charme einer verzauberten Spieluhr und endet mit einem Streicher-Ensemble. Groß!

Auch „Locus“ stellt in der ersten Hälfte klassischen Prog vor, der zweite Akte zentriert den Death-Metal – vor dem Fall des Vorhangs verflechten die vier versierten Herren von Luna’s Call die beiden Stile grandios miteinander. „In Bile They Bath“ haut dem Hörer in knapp vier Minuten gnadenlos mit der Linken thrashig-groovigen Death auf die Ohren, bevor die Rechte im 7/8-Takt einen Tiefschlag in den Nieren landet. Das lieblich-sanfte Zwischenspiel „Silverfish“ kühlt die Wunden und leitet zum abschließenden, knapp zehnminütigen „Fly Further Astronaut“ über. Hier bieten die Jungs nochmal alles auf, was sie zu bieten haben und fordern dem Hörer mit ihrer manischen Verbeugung vor dem Fusion-Jazz nochmal alles ab. Im positiven Sinne.

Was für ein Album! Wo „Divinity“ noch ein ungeschliffener, schmutziger Rohdiamant war, ist „Void“ ein funkelndes Schmuckstück geworden. Nicht zuletzt wegen dem professionelleren Sound, für den sich Russ Russell (Napalm Death, At The Gates, Amorphis) verantwortlich zeigte, aber auch wegen der noch ausgefeilteren Kompositionen. Mit dem erst zweiten Album stehen Luna’s Call an einem Punkt, der großes für die Zukunft erwarten lässt. In einigen Jahren könnte der exzellente Vierer aus den East Midlands in einem Satz mit Genre-Schwergewichten wie Opeth oder Meshuggah genannt werden. Bis dahin wünschen wir mit dem Album-des-Monats-Award viel Erfolg auf dem Weg nach oben. Er wäre verdient. Und schließlich haben Gojira auch einmal bei Listenable Records begonnen.

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DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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