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We’re All In This Together

In den letzten Jahren hat der Blues und Bluesrock ein Revival erlebt. Nicht ganz unbeteiligt daran war ein gewisser Joe Bonamassa, der als Teenager Anfang der Neunziger als eine Art Blues-Wunderkind gefeiert wurde und inzwischen auch zu einem exzellenten Sänger und Performer geworden ist. Als Bonamassa gerade die ersten zögerlichen Schritte im heimischen Wohnzimmer in New Jersey gemacht haben dürfte, verdiente sich ein junger Mittzwanziger aus dem gleichen Bundesstaat namens Walter Trout in der Band eines gewissen John Lee Hooker seine Sporen als Bluesmusiker. Als Bonamassa fünf Jahre alt war, hatte Trout mit Canned Heat sein erstes Album aufgenommen. In der Folge sollte er sich selbst zu einer echten Bluesrock-Größe mit einem hochwertigen Output an Musik entwickeln.

Nach einer erfolgreichen Lebertransplantation im Jahr 2014 erlebt Trout gerade so etwas wie einen zweiten Frühling, wenngleich er nie von der Bildfläche verschwunden war und für sein letztes Album, bezeichnenderweise „Battle Scars“ betitelt, zwei Blues Music Awards gewann. Auf „We’re All In This Together“ versammelt der 66jährige zahlreiche namhafte Freunde und musikalische Wegbegleiter als Gastmusiker und fühlt sich offenbar wie frisch aus dem Jungbrunnen gekrabbelt:

„Ich bin 66 Jahre alt, doch ich fühle mich, als wären es die besten meines Lebens. Ich fühle mich körperlich besser und habe mehr Energie denn je. Nicht nur mein Verständnis vom Leben hat sich komplett gewandelt, sondern auch meine Sicht auf die Welt, meine Familie, meine Karriere. Ich will mich in dieses spannende und feierliche Leben stürzen. Ich will es bei den Eiern packen und nicht wieder loslassen.“

Ohne große Umschweife: Genauso klingt das Album. 14 Songs mit 14 so namhaften Gastmusikern wie Bonamassa, John Mayall oder Randy Bachmann, jeder Einzelne eine absolute Perle. Groove ohne Ende, tonnenweise Gitarren, Mundharmonikas, Orgeln und eine rauhe aber irgendwie launige Gesangsstimme. Alleine schon die Songtitel sprechen für sich. Da ist ‚The Sky Is Crying‘, eine Midtempo-Nummer mit klagend-langgezogenen Gitarrensoli, das entschlossen-groovige ‚Ain’t Goin‘ Back‘ oder die herzzerreißende Liebesnummer ‚She Steals My Heart Away‘, bei dem Trout von Bläsern sekundiert wird. ‚Crash And Burn‘ ist eine gemeinsame Nummer mit Blues-Hall-of-Fame-Mitglied Joe Louis Walker – wer bei den treibenden Bluesrock-Gitarren ruhige stehen oder sitzen bleiben kann, muss wohl scheintot sein.

Blues mit Lebensfreude und exzellenter Musikalität gepaart führt in diesem Fall zu einem Ergebnis, das man schlicht nicht besser machen kann. Wer sich 2017 nur ein Blues(rock)-Album kaufen möchte, der muss diesen strahlenden Edelstein wählen. Er hat alles, was man sich von einer Blues-Platte nur erträumen kann.

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