VI

Als wäre die Info über die Veröffentlichung eines neuen Albums der norwegischen Kult-Combo Spidergawd nicht schon eine gute Nachricht, legen wir noch einen drauf. Nein, eigentlich sogar zwei. „VI“ (Crispin Glover Records) ist das erste Album mit doppelter Gitarrenbesetzung. Brynjar Takle Ohr hatte die Norweger schon live unterstützt und ist jetzt fest mit im Sattel. Außerdem ist Rolf Martin Snustad an sein Saxophon zurückgekehrt, nachdem er die Band kurzfristig verlassen hatte. Also: Volldampf voraus für das 2013 ursprünglich als Motorpsycho-Nebenprojekt gegründete Ensemble.

Nach dem Vorgänger „V“ kommt natürlich „VI“. Das Prinzip der Namensgebung ist bei Spidergawd so simpel wie hinlänglich bekannt. Bekannt ist natürlich auch der Sound. 70er Stoner-Prog, Psychedelic, immer rotzig und laut, massiv, und dieses Mal darf es immer noch ein Gitarrenschäufelchen mehr sein. Die Vocals von Per Borten sind gewohnt kraftvoll, es darf auch mal geschrien werden, was vielleicht auch nötig ist, um gegen die dicken Wände der beiden Gitarren anzukommen. Am Schlagzeug treibt Kenneth Kapstad weiterhin sein Unwesen., und rein musikalisch kann man den Norwegern auch dieses Mal eine durch die Bank weg hohe Qualität attestieren. Allerdings driften viele der acht Songs auf „VI“ ganz gehörig ab in die Classic-Rock Ecke. Sie sind eingängig, treibend, groovig, schnell, aber es fehlt doch das berühmte und eigentlich erwartete Quantum Sperrigkeit, das Überraschende, eben das, was Spidergawd bisher in erster Linie ausgemacht hat.

Eingangs erwähntes Saxophon hält sich auf „VI“ überraschend zurück. Leider. Es spielt zwar oft mit, geht aber fast immer im Mix unter und kann mehr erahnt als erhört werden. Erst am Ende des Albums kommt es zu kleinen Solo-Ehren. Das ist sehr schade und der Schwachpunkt eines ansonsten gelugenen Albums, denn gerade dieses Instrument hat Spidergawd immer einen ganz besonderen Sound verliehen. Ob man „VI“ also richtig mag oder nicht, hängt wieder einmal vom persönlichen Geschmack hab. Wer modernen klassischen Rock mit ein paar Stoner- und Psychedelic-Einflüssen mag, wir auch hier wieder gut bedient. Wer es lieber etwas experimentell haben möchte, sollte vorher auf jeden Fall in Release Nummer sechs reinhören. Es ist ein gutes, handweklich sauber gemachtes Album geworden, aber der letzte Funke totaler Begeisterung mag leider nicht überspringen.

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Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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