Hemina

Venus

Hemina ist die Zweitband von Douglas Skeene, dem Gitarristen der australischen Band Anubis. Allerdings geht es bei Hemina ein paar Gänge härter zu – die drei Herren und eine Dame aus Sydney spielen anspruchsvollen, melodischen Progressive Metal. „Venus“ ist bereits das dritte (und bisher härteste) Album des Quartetts aus der südlichen Hemisphere, und ein echtes Mehrgänge-Menü mit satten 79 Minuten Musik geworden. Es ist ein Konzeptalbum, das häusliche Gewalt, Beziehungen und Individualisierung im 21. Jahrhundert thematisiert.

Obwohl das alles aktuelle und lebensnahe Themen sind, lautet der Eröffnungstitel ‚Fantasy‘ und besticht nach einem explosiven, aber kurzem Intro mit Streichersamples, warmem Gesang und einem verträumten Melodie-Thema. Das träumerische setzt sich im folgenden ‚Expect The Unexpected‘ fort, wenn Bassistin Jessica mit Skeene eine schmachtiges Duett haucht. Doch keine Sorge – Hemina sind keine Weichspüler. Es gibt zwar Saxophone, ausgedehnte Flöten-Synthie-Klänge und jede Menge Streicher, aber eben auch alles, was ein gutes Metal-Album ausmacht. Knackig-groovige Drums, ausgedehnte Gitarrensoli (‚I‘) und kantige Riffs – so wie im launigen Neunminüter ‚High Kite Ride‘, in dem mehrstimmige Gesang einen besondern eindrucksvollen Stempel hinterlässt. Ebenfalls typisch für eine Prog-Metal-Band, die etwas auf sich hält: Komplexe Rhythmen und Taktwechsel machen das Klangerlebnis tiefgängiger.

Was das Album neben alldem auszeichnet, ist die Tatsache, dass nicht nur Gitarrist und Bandleader Doug Skeene eine wirklich sehr gute Figur als Hauptsänger abgibt, sondern auch die drei anderen Musiker mehr als nur ein wenig am Gesang beteiligt sind. Besonders gefällt Hemina, wenn die Härte und Softness in einem Song geschickt kombiniert werden. Das ist beim sehr kurzen ‚The Collective Unconscius‘ oder ‚The Secret’s Safe‘ mit seinen akzentuierten Vocals, Riffs und Drums viel besser als beim langgezogen-balladesken Titeltrack. Dass sie die in der Tendenz eher ruhigen Songs trotzdem drauf haben, beweist der vorletzte Track ‚Dream State Of Mind‘.

Wer Bands wie Dream Theater, Symphony X, Pagan’s Mind und Ayreon mag, der wird definitiv auch Heminas „Venus“ mögen. Einen Innovationspreis gewinnen Hemina damit zwar nicht, aber gerade wegen der Verwandtschaft zu vielen beliebten Prog-Bands werden die hierzulande noch weitgehend unbekannten Australier zweifellos ihre Fans finden. Denn WAS sie machen, passiert auch höchstem Niveau.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.