Rollin' Racketeers

Magic 8 Ball

  • Artist: Rollin' Racketeers
  • Album: Magic 8 Ball
  • Label: Dmg Germany
  • Release: 2016-02-26
  • Medium:
  • Bewertung:1-

Wie sieht es im Gehirn und der Gedankenwelt eines Menschen wohl so aus? Bei einer Frau wohl wesentlich komplexer als beim Mann. Die schlichte Art des Spiegelbild-Adonis scheint sowohl Segen als auch Fluch zu sein. Genau diesen Gedankengängen gehen Rollin‘ Racketeers auf den Grund – mit dem fetzigsten Rockabilly des ganzen Landes.

Die Frankfurter treffen mit ‚Magic 8 Ball‘ ziemlich gut den Nerv der männlichen Seele, die nicht sonderlich tiefgründig ist. So auch die Texte des Quintetts. Vom Herzenswunsch eines Bieres, eines Hotdogs und einer ärztlich verordneten Whiskey-Therapie über eine Affenparty mit skandierten ‚Shake The Banana‘-Rufen und Fäkalien-Albereien bis hin zu philosophischen Vorstellungen über eine Beziehung zur eingliedrigen Frau.

Die kurzweiligen Gedankenschweife werden perfekt vom flotten, schnörkellosen, straighten Rock’n’Roll in 50er-Manier ergänzt. Mit Highspeed legen sie eine fröhliche Tanznummer nach der anderen hin und landen in der Mitte des Albums bei ihren beiden Höhepunkten. Da haben wir den ‚Magic 8 Ball‘-Track, der mit dampfenden Toms, verspieltem Slap-Kontrabass und einem tollen Saxophon-Thema à la LaBrassBanda den Kessel zum Heizen bringt. Und wenn man denkt, das Tempo kann nicht mehr gesteigert werden, schalten sie im bereits erwähnten ‚Whiskey Therapy‘ in Gang 7 und lassen The Fast And The Furious alt aussehen. Als dann plötzlich in ‚Low Low Slide‘ ein abschweifendes, fast schon harmloses Gitarrenintro erklingt, kehrt für einen Moment Ruhe ein. Scheinbar nur eine Pinkel-Pause der restlichen Band, um danach sofort mit Vollgas ihren ‚Devils Hellride‘ wieder fortzusetzen.

Einzig ein klirrendes, hämmerndes Klavier wird hier vermisst. Das gerät aber durch die ausgeflippte, lebendige Stimme von Sänger T.J. Baked Beans, der zahlreichen instrumentalen Soli und dem besonders erfreulichen Einsatz des Saxophons fast in Vergessenheit. Dadurch wirkt die Musik sogar noch dreckiger und rotziger als mit eventuellem Piano. Wer also verständlicherweise genug von den Boss Hoss-Cowboys hat, die im Vergleich wie Obstfarmer wirken, ist mit den Rollin‘ Racketeers perfekt aufgehoben. Also: in die eine Hand ein Hotdog, in die andere die Banana und abfeiern!

BartekJC

- aus Hannover - studiere auf Lehramt Musik und Erdkunde - bei Whiskey-Soda seit 2013 - Rubrik: Indie, Pop, Folk, Rock - Lieblingsmusiker 1950-2000: The Beatles, David Bowie, INXS, Die Ärzte, Queen, U2, Stevie Wonder, Elvis Presley, Michael Jackson, Jefferson Airplane, Nico & The Velvet Underground, Beach Boys, Sting 2000-heute: Bon Iver, The 1975, alt-J, Arcade Fire, Mumford And Sons, Florence + The Machine, KAKKMADDAFAKKA, Gorillaz, Ben Howard, AnnenMayKantereit, Imagine Dragons, Ed Sheeran - Festivals: Hurricane seit 2012 

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