Unprocessed – Noch nicht am Ziel, aber mit Spaß auf dem Weg

Unprocessed sind eine junge Band aus Wiesbaden, die Potenzial zum großen Durchbruch in der deutschen Metalszene hat. Wie wir darauf kommen? Nun, das liegt zum einen an starken Songs und zum anderen an den starken Charakteren der jungen Musiker. Wie stark, das haben uns Gitarrist und Sänger Manuel Gardner Fernandes und Keyboarder Marvin Jüchtern erzählt.

unprocessed.jpg „Alles fing an wie so oft bei Musikbesessenen, die es leid sind, allein im eigenen Zimmer an den Skills zu feilen. Die fünf kennen sich schon lange vom sehen, durch Freunde und Freundesfreunde. Die Basis bildeten vor drei Jahren Sänger Manuel (19) und Drummer Jan (20), als sie die Band Infected Influence gründeten. Da man als Band nur selten auf nur zwei Beinen stehen kann, gesellten sich kurz darauf Gitarrist Chris (21) und Bassist Simon (23) sowie auch Marvin (19) am Keyboard hinzu. 2012 war man dann endgültig Unprocessed. Zugegeben: ein etwas unkonventioneller Bandname, aber er beschreibt auch eher die Mitglieder, nicht die Musik.

„Wir entwickeln uns stetig weiter und sind noch lange nicht „processed“, also am Ziel“

, erklärt Marvin. Junge Bands mit ähnlichen Geschichten gibt es wie herrenlose Gitarrenkabel in den Weiten deutscher Proberäume. Was macht die Wiesbadener neben ihrem fast demütigen Anspruch, „noch nicht am Ziel zu sein“, denn so besonders? Diese Frage ist mit dem einmaligen Stilmix zu beantworten. Marvin ist auf die Frage des Genres schon vorbereitet und hat die passende Antwort parat:

„Es ist im Grunde progressiver Metal, der jedoch den technischen Anspruch des Death Metal mit elektronischen Ambient-Einflüssen und vielen Melodien zu etwas ziemlich Neuem verbindet.“

manuel_gardner_fernandes_unprocessed.jpg „Außerdem fühlt sich die Band dem sogenannten „Djent“ verbunden. Dieser spezielle Sound der tief gestimmten Gitarre wurde einst von Meshuggah-Gitarrenakrobat Fredrik Thordendal entdeckt und verwendet. Passenderweise heißt das erste Album der Hessen „In Concreation“, was soviel heißt wie „In der Verschmelzung“. Trotz der gegensätzlichen Stimmungen, die auf den Hörer einprasseln, versuchen die Wiesbadener ihren Stilmix aus Melodie, Melancholie und roher Härte zu einem stimmigen Ganzen zu verschmelzen. Neue Songs werden von Manuel und Marvin gebastelt. Das passiert zunächst am PC, bevor im Proberaum an den Details und „glättenden“ Übergängen gefeilt wird. Textlich lässt sich der literatur- und poesiebegeisterte Marvin von Werken aus Spätromantik, Jugendstil und Expressionismus inspirieren.

„Literaten wie Heym, Benn, Eichendorff oder Rilke hatten sicher den einen oder anderen Einfluss auf unsere Texte.“

Zwar sind die Texte von Unprocessed bislang durchweg in englischer Sprache, aber Keyboarder Marvin könnte sich gut auch Songs mit schwedischem und niederländischem Text vorstellen.

„Mal sehen, was die Zukunft bringt.“

Bei allen hochklassigen Referenzen (zu den Lieblingsbands gehören Größen wie Opeth, Pink Floyd oder Meshuggah) vergessen die Jungs jedoch niemals das beinahe Wichtigste beim Musik machen: Humor. So würde der gelernte Drummer und nun Keyboarder Marvin, wenn er seinen Lieblingsdrummer Tomas Haake (Meshuggah) in seiner Stammkneipe treffen würde, am liebsten mit seinen beschränkten Schwedisch-Kenntnissen in ein unverbindliches Gespräch über die Bedeutung von Rhythmus in der Moderne verwickeln.

„Tatsächlich würde ich aber vermutlich kläglich daran scheitern und ihm auf Englisch eine Cola spendieren“.

Unprocessed sind:

Manuel Gardner Fernandes – Vocals, Guitars
Christoph Schultz – Guitars
Simon Lorenz – Bass
Jan Aimène – Drums
Marvin Jüchtern – Keys, Synths, Vocals

Unprocessed bei Facebook
Unprocessed bei Bandcamp (Album anhören)

Interview: Philipp Queitsch & Daniel Frick
Bilder: Copyright Paulina Krenzer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.