Def Leppard

The Story So Far – The Best Of

  • Artist: Def Leppard
  • Album: The Story So Far – The Best Of
  • Label:
  • Release: 2018-11-30
  • Medium:
  • Bewertung:ohne Bewertung (Best Of)

Eine Def-Leppard-Best-Of, die die komplette History der Band bis heute erzählt? Klingt nach einem diskussionsfreien Ideal-Weihnachtsgeschenk für alle Classic-Rock-Interessierten. Denn mit Ausnahme von Bon Jovi hat kaum eine im weiteren Sinne als „Hardrock“-Band zu kategorisierende Combo einen derart enormen Mainstream-Hitkatalog aufzuweisen wie die Hookline-Maschine aus Sheffield. Da ist es überhaupt kein Problem, zwei CDs randvoll zu packen.

Disc 1 widmet sich dabei den GANZ GROSSEN Hits der Jahre 1983-1993. ‚Pour Some Sugar On Me‘, ‚Photograph‘, ‚Foolin“, ‚Rock Of Ages‘, ‚Let’s Get Rocked‘, ‚Animal‘, ‚Two Steps Behind‘ – alles lückenlos vertreten, in den ungekürzten Albumfassungen noch dazu. Auf CD 2 folgen dann vornehmlich die Highlights respektive Singleauskoppelungen von „Slang“ bis zum selbstbetitelten und bislang letzten Studioalbum von 2015. Auch wenn Def Leppard in dieser Phase keine echten Singlehits mehr gelangen, finden sich dennoch auch hier überraschend viele Songs, die man dann doch dank Radio und MTV (jaja, in den 1990ern wurde dort immer noch Musik gespielt) wiedererkennt: ‚Slang‘, ‚All I Want Is Everything‘, ‚Promises‘ oder das Cover von David Essex‘ ‚Rock On‘, hier als Remix vertreten. Aber auch die Sachen, die man als Gelegenheitsfan nicht unbedingt kennt, machen sich sehr gut zwischen den Klassikern: die schamlose T.Rex-Hommage ‚C’mon, C’mon‘, das auch einem Katy-Perry-Album gut zu Gesicht stehende ‚Let’s Go‘ oder das elektrofunkige, wie ein verlorenes Outtake der umstrittenen Queen-Scheibe „Hot Space“ klingende ‚Man Enough‘ kleben sich genauso unweigerlich und hartnäckig im Ohr fest wie die großen Achtziger-Hits.

Allerdings fehlt zum ganz großen Wurf und offen gesagt zur Rechtfertigung des Titels „The Story So Far“ mindestens noch der eine oder andere Blick in die hart rockende Frühphase der Band. Die ersten beiden Alben, die Def Leppard damals noch in voller NWOBHM-Blüte stehend zeigten, werden nämlich mit Ausnahme der Ballade ‚Bringin‘ On The Heartbreak‘ außen vor gelassen. Zumindest ‚Let It Go‘ und ‚Wasted‘, die auch beide noch heute zum Liveset gehören, hätte die Tracklist schon noch vertragen, und der etwas rauere Ton hätte der Zusammenstellung insgesamt durchaus gutgetan. Ebenfalls auffällig, dass ‚Long Long Way To Go‘ ebenfalls übergangen wurde – die seinerzeit regelmäßig im Radio gespielte Ballade gehört zumindest hierzulande definitiv zu den bekannteren Songs der Def-Leppard-„Spätphase“. Dafür hätte man vielleicht nicht unbedingt gleich alle drei Studiosongs vom Livealbum „Mirror Ball“ draufpacken müssen – aber das ist wie alles im Leben Ansichts- und Geschmackssache, und man kann bekanntlich mit einer Best Of selten alle glücklich machen. Wie man’s dreht und wendet, die zweieinhalb Stunden laufen ohne Ausfälle oder Stirnrunzeln durch und machen jede Menge Laune.

Streitbar ist nur der einzige neue Track des Albums, ein Cover des Depeche-Mode-Klassikers ‚Personal Jesus‘. Einerseits schaffen es Def Leppard, das Flair des Originals ziemlich genau einzufangen und machen dem Song mit Sicherheit keine Schande. Andererseits gewinnen sie dem Song aber auch nichts Neues ab, und sie schaffen es auch nicht, den Song in den eigenen Bandsound zu übertragen. Die düstere Atmosphäre kollidiert auffällig mit dem lebensbejahenden Rest des Materials, so das ‚Personal Jesus‘ unterm Strich ein sehr wohl kompetentes, aber auch etwas unnötiges Cover bleibt.

Mit ein, zwei Abstrichen also eine gelungene Werkschau, die beweist, dass Def Leppard es auch geschafft haben, in den letzten zwanzig Jahren zeitgemäß und frisch zu klingen, ohne sich dabei ans Hausfrauen-Formatradio zu verkaufen oder in verzweifelter Verfolgung einer Hitsingle ins Peinliche abzugleiten wie der oben erwähnte Ex-Knackarsch aus New Jersey. Glaubwürdigkeit und Qualität heißen die Zauberworte bei Def Leppard – und genau deshalb können die ehemaligen NWOBHM-Helden eben im Bedarfsfall auch neben Teenie-Helden wie Taylor Swift und vor jugendlichem Publikum auf der Bühne bestehen, ohne sich zu verbiegen. „The Story So Far“ ist somit eine perfekte Erinnerung an die Qualitäten der Band und sowieso ein perfektes Autofahr-Album.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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