Svartufsen


Von Ausnahmen wie Lemmy einmal abgesehen, sind es in Bands selten den Bassisten, die im Vordergrund stehen. Und die Zahl der Bassisten, die ein Soloalbum veröffentlicht haben, ist vermutlich sehr überschaubar.

Mit „Svartufsen“ (Crispin Glover Records) legt der norwegische Bassist Mattis Kleppen eben ein solches Soloalbum vor. Kein Gesang, keine anderen Instrumente, lediglich eine elektrische (und hin und wieder eine akustische) Bassgitarre. Das klingt minimalistisch – und genau das ist es auch. Stilistisch bewegt sich Kleppen hierbei irgendwo zwischen Folk, Jazz und Blues, wobei eine große Inspiration für ihn die traditionelle Musik seiner norwegischen Heimat Telemark gewesen ist. Eigene Songs, Traditionals, ein paar Cover, so zum Beispiel ‚What I Say‘ von Miles Davis. Teils repitive Klanggemälde, groovend, improvisiert wirkend, düster, spannend. Der elektrische Bass wird teils perkussiv verwendet, dann mit dem filigranen Sound der akustischen Bassgitarre verschmolzen. Experimentell wabert der tiefe Sound durch den Raum. Rhythmen erweitern sich immer mehr, treiben Songs wie ‚Impro 1‘ voran, so dass man sich beinahe beim Mitswingen erwischt. Und das wohlgemerkt alles nur auf einem Bass!

„Svartufsen“ ist wahrlich nichts für den zufälligen Hörer. Man muss schon ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und auch Interesse für ungewöhnliche Musik aufbringen, um einem Mann über elf Tracks hinweg beim Klampfen auf seinem Bass zuzuhören. Es gibt keine Texte, mit denen Kleppen, der übrigens einen Doktortitel in „artistic ressearch“ der Jazzabteilung der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie besitzt, von seinen minimalistischen Eskapaden ablenken könnte. It’s all about the bass.

Folk aus Norwegen verschmilzt hier mit amerikanischem Blues. Mattis Kleppen macht es einfach tiefer. Man muss sich darauf einlassen, aber wer dieses Wagnis eingeht, auf den wartet eine spannende Erfahrung.

Mattis Kleppen bei Facebook

Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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