Last Knight

Talking To The Moon

Da haben die Kollegen von Just For Kicks mal wieder ein schönes Schätzchen zutage gefördert. Last Knight ist ein höchst ambitioniertes Projekt unter Führung des von Mandalaband bekannten Spaniers Jose Manuel Medina. Mit Hilfe von mehr als zwei Dutzend Musikern, darunter seine Mandalaband-Kollegen Troy Donockley (Nightwish), Ashley Mulford und David Rohl sowie Robert Fripp-/Steven Wilson-Kollaborateur Theo Travis, hat er mit „Talking To The Moon“ ein enorm umfangreiches Werk veröffentlicht: 54 Songs innerhalb von 225 Minuten, verteilt auf drei CDs warten auf den Progfan.

Wobei, ob besagter Progger hier seine Erfüllung findet, ist zumindest fraglich. Denn die Inspiration für „Talking To The Moon“ findet sich in drei recht unterschiedlichen Lagern. Da ist einmal ganz klar die Welt der Hollywoodsoundtracks. Speziell Michael Kamens „Robin Hood – Prince Of Thieves“ und James Horners „Lord Of The Rings“ dürften zu den Favoriten der Macher gehören. Schade, daß die Orchestrations zum Großteil aus dem PC stammt, wenn auch zumindest gelegentlich von „echtem“ Cello- und Violinenspiel unterstützt. Ein weitere Eckpunkt ist auf jeden Fall Mike Oldfield – und nicht etwa der oft kopierte, frühe „Tubular Bells“/“Ommadawn“-Schöpfer, sondern der zu kommerzielleren und auch New Age-Klängen neigende Oldfield der Jahre 1984 bis 1995. Gerade die poppigeren Gesangsstücke erinnern durchaus an Alben wie „Islands“ und „Discovery“, während die atmosphärischen, folkigen Instrumentals eher an ein Album wie „Voyager“ oder „Song Of Distant Earth“ gemahnen. Die dritte Inspiration ist ebenfalls eine eher Elektronische, und da wird’s teilweise schwierig. Die verwendeten Sounds erinnern zwar ganz klar an Jean Michel Jarre oder auch mal Kitaro, aber bei Sachen wie ‚Moonrider‘ landet man dann aber doch eher in der Nähe von Spätneunziger-Dancepop – erinnert sich noch wer an X-Perience (ich mußte auch googeln, so gut ist auch mein Gedächtnis nicht) – als bei „Oxygene“ und Co. Das ist für Progger dann doch schwer verdaulich – ist aber wohl reine Geschmacksfrage.

Was für Manchen etwas problematischer werden könnte, ist die fehlende Abwechslung über die fast vier Stunden Musik. Klar, das Thema bietet sich für mystische, getragene Kompositionen an, aber da die „rockigen“ Momente wie in dem zwischen Jarre und Pink Floyd schwebenden ‚Moonwalking‘, dem an Alan Parsons erinnernden ‚Drive‘ und dem im Jan Hammer-Stil gehaltenen ‚Dark Moon‘ sehr rar gesät sind, schleicht sich spätestens nach einer Stunde ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Da macht man sich am Besten in Häppchen an die Scheibe, ansonsten wird das einfach zu viel, vor allem, weil auch nicht jedes Stück mit zwingenden Melodien aufwartet. Ungeachtet dessen, findet sich aber über die drei CDs eine Menge großartiger Musik, so daß der eine oder andere Durchhänger durchaus verziehen werden kann. Auf jeden Fall scheint der Enthusiasmus der Macher für das Projekt jederzeit durch, und diese Frische rettet auch machen durchschnittlicheren Einfall. Jetzt mal ernsthaft, wer würde ein Dreieinhalb-Stunden-Werk in Eigenregie produzieren (mit erstklassigem Sound!), von dem mit Sicherheit nicht mehr als ein paar Tausend Stück abgesetzt werden können, wenn nicht eine Horde unverbesserlicher Idealisten? Das schöne Artwork mit dem informativen Booklet rundet den guten Eindruck von „Talking To The Moon“ perfekt ab.

Wer also den Achtziger-Oldfield, Horner- und Kamen-Soundtracks sowie gelegentliche Synthieeskapaden mag, wird hier ein Album finden, daß ihn (oder sie) für die nächsten Wochen oder gar Monate beschäftigen wird. Ob als detailversessene Kopfhörer-Reise oder auch als angenehme Hintergrundbeschallung, „Talking To The Moon“ funktionert so oder so prächtig. Tipp für Spezialisten! Zu beziehen, wie oben erwähnt, über Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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