King Dude

Songs Of Flesh & Blood – In The Key Of Light

  • Artist: King Dude
  • Album: Songs Of Flesh & Blood – In The Key Of Light
  • Label: Not Just Religious Music
  • Release: 2015-07-31
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Thomas Jefferson „TJ“ Cowgill, besser bekannt als King Dude, kann mal wieder nicht vom Teufel lassen. Vielleicht hat er ihm aber auch – wie schon so mancher vor ihm – einfach seine Seele verkauft. Oder zu oft mit ihm in der Bar abgehangen? So oder so: Der Düsterfolk-Songwriter spielt weiterhin unbeirrt seinen größten Trumpf aus: seine Stimme. Zwischen Darkfolk und Rock’n’Roll und bis ganz, ganz hart die Grenze zur Übertreibung. Nicht nur Luzifer hat an sowas seine diebische Freude.

Das ständige Mäandrieren zwischen den Oktaven, das teils theatralische Vibrato, die bodenlose, kehlige Grabesstimme (wie viele Aschenbecher er dafür wohl auslecken musste?) – all das lässt einem diese Musik zu Kopfe steigen. Kaum mehr als umspielt wird die schaudrig sonore Sangeskunst von überschaubaren Akkordfolgen und verkürzten Motiven an elektrischer und akustischer Gitarre, Piano, einem Paukenschlag hier und da und vereinzelten koketten Kastagnetten. Dann: Reverb, Reverb, Reverb. Für die Gänsehaut. Der Fokus ist eingestellt, und Cowgill füllt ihn tadellos aus, ohne sich dabei zu verausgaben. Das fängt bei theatralischen Klageliedern an – allein ein Schwank wie ‚A Little Bit Of Baby Gonna Make Me Wanna Live Again‘ salbt ihn zum Schwerenöter des Monats –, und hört bei einer allem Anschein nach völlig ernst gemeinten Revolverhelden-Hymne namens ‚Holy Water‘ auf.

Daneben markiert ‚Songs of Flesh & Blood‘ – ein bisschen auf Kosten des Rocks – den Beginn einer vermutlich vertiefenswerten Liaison Cowgills mit Keyboard und Synthies. Ein Jahr nach ‚Fear‘ hat sich gerade genug getan, damit es interessant bleibt. Cowgill experimentiert in gesundem Maße mit Tempo, Instrument und Atmosphäre. Gerade letztere ist eine große Variable im Dude-Kosmos: Was gerade noch todtraurig erschien, kann sich im nächsten Moment schon mit einer ungeahnten Verwegenheit kreuzen, und auch die Grenze zwischen effektwütigem Macho und unverzerrtem Charmebolzen ist beim Singer-Songwriter aus Seattle fließend.

Soll bedeuten: Der King ist so wie immer, nur ein bisschen leichter zu haben. Aus Fleisch und Blut eben und mit Butter bei die Fische. Doch auch wenn er sich auf dem Cover-Artwork seiner neuen Platte billiger und aufpolierter verkauft denn je: Spirit und Substanz sind ungeschmälert. Wenn jemand eine volltätowierte Wampe spazieren führen und dazu den Mond anheulen darf, dann dieser Mann. Und Luzifer ist selbstverredlich immer noch das Licht der Welt. Wenn doch bloß alles Dunkel so geschmeidig wäre, wie es TJ Cowgill sich hier aus den Rippen leiert.

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